Ein Urgestein hört auf: Gurken-Leo will nicht mehr

04.01.2013 | 18:23 |  EVA WINROITHER (Die Presse)

Mehr als 30 Jahre lang verkauft Leo Strmiska sein Sauerkraut schon auf dem Wiener Naschmarkt. Nun plant er, im Sommer aufzuhören. Die Leute kaufen einfach nicht mehr genug - und kochen zu wenig mit Kraut.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien. Nein, am liebsten möchte er nicht darüber reden. Und nein, mit der Zeitung schon gar nicht. „Jetzt werd' ich gleich wirklich grantig“, schimpft er noch hinterher. Aber da hat er schon davor mehrmals bestätigt, was bereits viele in der Stadt wissen. Wohl, weil er es selbst jedem Passanten erzählt, solange der sich nicht im zweiten Satz als Journalist zu erkennen gibt. Gurken-Leo oder Sauerkraut-Leo – also Leo Strmiska, Urgestein auf dem Wiener Naschmarkt – will mit Juni sein Geschäft verkaufen. Er hört nach mehr als 30 Jahren auf.

Das Ende war schon länger absehbar, schon vor zwei Jahren hat er in der „Süddeutschen Zeitung“ geklagt, dass die Frauen nicht mehr wissen, wie man Szegediner Krautfleisch zubereitet – nämlich mit extra viel Kraut.

Niemand kocht mehr mit Kraut
Und auch an diesem Tag ist der groß gewachsene Herr mit der kahlen Haarfront um keinen markigen Spruch verlegen: „Die Leute kochen nicht mehr genug. Ihr braucht mich nicht mehr“, sagt er vorwurfsvoll. Aber so kennen ihn die Besucher des Naschmarktes. Ebenso grantig wie charmant, außerdem scheint er schon immer da gewesen zu sein. Auf Stand 246 verkauft er in großen Holzbottichen sein Sauerkraut, seine Salz- und süßsauren Gurken. Tratsch und Kostproben inklusive. Lieber noch spricht er über die Qualität seiner Ware: Die Gurken etwa importiert er extra aus Mazedonien, weil es dort noch alte Gurkensorten gibt. „Die Gurken, die man in Österreich bekommt, die würden sich nach drei Tagen auflösen“, sagt er. „Das stinkt wie Dreck.“

Nun soll es seinen Stand ab Sommer einfach nicht mehr geben. Vorausgesetzt, er einigt sich mit einem Nachfolger. Stimmt das Angebot nicht, bleibt er länger. „Ich muss ja nicht verkaufen“, sagt er. Das ist auch der Grund, warum er nicht mit Journalisten reden möchte. Der Verkauf ist noch nicht unter Dach und Fach. „Und vorher will ich dazu nichts sagen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.01.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

14 Kommentare

der artikel gehört in die bezirkszeitung!

die ist genau für solch weltbewegenden nachrichten geschaffen!

jammerschade

wenn man aus der tiefsten Provinz NÖs extra seinetwegen bzw wegen des Champagnerkrauts (mit dem unnachahmlichen Geschmack!!)
den Naschmarkt besucht .. dann stimmt mich der Gedanke dieses " Urgestein" dort nicht mehr anzutreffen (aber ev ein zusätzliches Trockenfutterstandl ..)wirklich sehr sehr traurig und wehmütig!!

Auch ein Standler braucht Innovation

Davon, dass er von Touristen fotographiert wird weil er so urig malerisch ist kann er nicht leben.

Gerade beginnt der Kimchi Hype, ist auch nix anderes als vergorenes Gemüse, dasselbe Prinzip wie bei Gurke und kraut, nur halt aus Kohl und scharf gewürzt.

Hätte er sicher auch zusammengebracht, die Bobos wären voll drauf abgefahren.

er war nicht immer da

Als ich ein kind war, hat meine Mama die Gurken bei seinem Papa gekauft (ist allerdings 40 Jahre her). Mir selbst sind seine Gurken zu teuer. Inzwischen mach ich sie mir selber (mit ungarischen Gurken). 5kg Gurken, 1 Packl Salz, trockenes Dillkraut, Tuch drüber, 4 Tage warten und dann ins Glas (Lake vorher abkochen). Also nicht weinen sondern help yourself.

Re: er war nicht immer da

Ich mach mir's sicher nicht selber!

Außerdem glaube ich in Leos Gurken einen Hauch von Knoblauch zu schmecken.

Und Ihnere ungarischen Gurkerln können sicher auch nicht mit seine alten mazedonischen mithalten.

Übrigens, heut in der Fruah war er nimmer da, der Leo Bua ...

In Österreich schließt ein Krautstandler...

Und in China fällt zeitgleich ein 40kg Sack Reis um...

Ich glaub jetzt gibt´s bald wieder einen Weltuntergang - die Zeichen sind eindeutig.

Re: In Österreich schließt ein Krautstandler...

Er ist eine urig-sympathische Naschmarktpersönlichkeit!!!, der seine Kunden mit einer scharfsinnigen Sauerkraut-u. Salzgurken-Philosophie beglückt. Sein Produkt-Wissen ist enorm. Und er ist beileibe kein durchschnittlich-gewöhnlicher Marktschreier, der dich jahrzehntelang mit seinem nichtssagenden Geplärr nervt. Der Vergleich mit dem gewöhnlichen chinesischen Reissack, hiermit der vergebliche Versuch Gurken-Leo vom heroisch professionellen „Thron“ g´schmackig-legendärer Kundenfreundlichkeit (die heute bei vielen Anbietern fehlt) zu stoßen.

das champagnerkraut vom leo

roh oder gekocht - was für eine delikatesse

Retten, was noch zu retten ist...

Es geht vor allem eine Kunst verloren. Wie man das Kraut richtig einlegt, wie man die Qualität beurteilen kann,...
Mit dem Kraut habe ich eigentlich nie gekocht, sondern es einfach gegessen, manchmal sogar schon von unterwegs davon genascht.

23

Schade

Ein typischer Wiener Standler weniger ,na die Bobo Szene welche sich am Naschmarkt breit macht wird es sicher nicht stören.
Ja er hat recht heute kochen die Leute weniger ,dafür stopfen sie sich mit Pizza,Kebab und anderen Schnellfutter voll.
Ja auch ESSEN ist ein Kulturgut.

Und wie es damit aussieht kann ja jeder in den Öffis sehen und riechen.

Salzgurken sind ab und zu wirklich

eine Delikatesse. Krautgerichte sowieso - leicht und gesund.

Re: Salzgurken sind ab und zu wirklich

Letzeres schmackhaft zubereitet wie weiland Louis (de Funes) auch weithin hör- und riechbar.......

Re: Re: Salzgurken sind ab und zu wirklich

Das waren Kohlköpfe.

Mit Journalisten reden -

ist auch immer ein Risiko!

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    07:00
    Wien
    Steiermark
    -1°
    Oberösterreich
    -1°
    Tirol
    -3°
    Salzburg
    -1°
    Burgenland
    Kärnten
    -1°
    Vorarlberg
    -1°
    Niederösterreich
    -3°

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden