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Wien: Mann stößt Afrikanerin auf U-Bahngleise

Symbolbild: Eine U"-Garnitur fährt in eine Station ein. / Bild: (c) Wiener Linien Zinner (Johannes Zinner) 

Nach einem rassistischen Streit soll ein 51-Jähriger am Samstag eine Frau auf die Gleise der U2 gestoßen haben. Der einfahrende Zug konnte gestoppt werden.

 (DiePresse.com)

Im Zuge eines angeblich rassistischen Streits ist eine Afrikanerin am Samstag von einem 51-Jährigen in der U-Bahnstation Taborstraße auf die Geleise gestoßen worden. Die durch den Sturz schwer verletzte 36-Jährige konnte sich aus eigener Kraft nicht wieder auf den Bahnsteig retten. "Nur 30, 40 Sekunden später wäre ein Zug in die Station eingefahren", schilderte Polizeisprecher Thomas Keiblinger am Montag die dramatische Situation. Im letzten Moment betätigte ein Zeuge den Notstopp, die U2-Garnitur wurde gestoppt. Wenige Stunden später wurde der 51-jährige Josef S. festgenommen. Er befindet sich wegen Mordversuchs in U-Haft.

Der Verdächtige, der in Begleitung seiner Lebensgefährtin war, wartete gegen 23.40 Uhr in der Station in der Leopoldstadt auf die nächste U-Bahn. Eine der beiden Frauen telefonierte mit ihrem Handy, wodurch sich Josef S. laut eigenen Angaben massiv gestört fühlte, berichtet die Polizei in einer Aussendung. Josef S. sprach daraufhin die telefonierende Frau an. Die Freundin der Frau wollte schlichtend einschreiten bzw. ihre Freundin, die sich weiterhin auf ihr Telefonat konzentrierte, verteidigen. Es kam zum Streit. Die Opfer gaben an, dass der Mann der 36-jährigen Frau mehrmals auf den Kopf geschlagen und sie dann mit voller Absicht auf die U-Bahngleise gestoßen haben soll.

Die Frau erlitt durch den Sturz einen Fersenbeinbruch und hätte sich nicht selbst in Sicherheit bringen können. Laut Exekutive wurde der Notstopp von einem sogenannten fliegenden Team der Wiener Linien betätigt. Dort wusste man davon am Montag nichts, sondern ging davon aus, dass ein unbekannter Zeuge geistesgegenwärtig genug war, das Einfahren der U-Bahn zu verhindern.

Lebensgefährtin festgehalten

Während der Angreifer flüchtete, hielt die Begleiterin des Opfers die Lebensgefährtin des 51-Jährigen fest. So war es für die Polizei nicht weiter schwer, diesen festzunehmen. Dieser gibt den Stoß zwar zu, gibt aber an, selbst beschimpft worden zu sein. Er habe auch keine rassistischen Äußerungen getätigt, sondern sei selbst mit einer Ausländerin liiert. Er habe sich bedroht gefühlt und versucht, die 36-Jährige durch den Stoß auf Distanz zu halten. Keinesfalls habe er diese verletzen wollen.

Dies ist aber offensichtlich passiert. Die Afrikanerin wurde operiert und befand sich am Montag noch in stationärer Behandlung. Josef S. wurde wegen des Verdachts auf einen Mordversuch verhaftet und in die Justizanstalt Josefstadt eingeliefert. Die Exekutive wertet das Bildmaterial der Sicherheitskameras vom Bahnsteig der Wiener Linien aus.

Einige Fälle in den vergangenen Jahren

15. Oktober 2011: Ein offenbar verwirrter Mann versucht eine 36-jährige Frau auf die U-Bahn-Gleise am Stephansplatz zu stoßen. Der 46-Jährige packt sein Opfer am Kragen und zerrt es unter lautem Geschrei über den Bahnsteig. Nur die beherzte Hilfe einer Zeugin verhindert schließlich die Tat.

29. April 2010: Dramatische Szenen spielen sich in der U-Bahn-Station Schwedenplatz ab. Ein 36-jähriger Mann wird von einem Unbekannten auf die Gleise gestoßen und erleidet dabei schwere Verletzungen. Die herannahende U-Bahn-Garnitur kann jedoch rechtzeitig gestoppt werden.

9. November 2009: Nur knapp entgeht ein 27-jähriger Mann einem Zusammenstoß mit einer U-Bahn. Der Betrunkene pöbelt in der Station Landstraße Passanten an, woraufhin ihm ein Unbekannter einen Stoß gegen den Brustkorb versetzt. Der 27-Jährige taumelt rückwärts und fällt auf die Gleise. Der Täter flüchtet, die U-Bahn-Garnitur kann rechtzeitig gestoppt werden.

4. April 2009: Im Zuge einer Auseinandersetzung in der U-Bahn-Station Karlsplatz stößt ein 25-Jähriger seinen 21-jährigen Kontrahenten auf die Gleise. Der junge Mann kann selbst aus dem U-Bahn-Schacht klettern, bevor ein Zug einfährt. Er wird durch den Sturz jedoch so schwer verletzt, dass er stationär im Spital aufgenommen werden muss. Der Täter kann kurze Zeit später gestellt werden.

27. Oktober 2008: Ohne ersichtlichen Grund stößt ein Unbekannter einen 52-Jährigen in der U-Bahn-Station Karlsplatz auf die Gleise. Das Motiv bleibt unklar. Das Opfer erleidet Rissquetschwunden, schwere Prellungen des Brustkorbs sowie einen Zehenbruch.

(APA)

Anmerkung der Redaktion:
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