Grippewelle nähert sich Österreich

In den USA ist eine frühe, heftige Grippewelle ausgebrochen. Auch in Deutschland breiten sich die Viren stärker aus. Hierzulande ist es - noch - ruhig.

Grippewelle naehert sich oesterreich
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Grippewelle naehert sich oesterreich
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Wien. Mehr als 20 Kinder sind in den USA in den vergangenen Tagen an Grippe verstorben. In New York wurde der Notstand ausgerufen. Die Welle sei heuer früher ausgebrochen, der Verlauf heftiger als gewöhnlich, warnten Vertreter der Gesundheitsbehörden. Einer sprach gar von der schlimmsten Grippewelle seit den Wintern 2003 und 2004. In Deutschland sind seit dem Jahreswechsel ebenfalls verstärkt Meldungen von Grippefällen aufgetreten. Und auch in Österreich las man zuletzt von einer ungewöhnlich frühen Grippewelle, von einer anrollenden Epidemie.

 

7100 Neuerkrankungen in Wien

Noch gibt es dafür aber keine wissenschaftlich haltbaren Anzeichen, die Zahlen sind nach den Daten des Wiener Überwachungssystems zuletzt sogar zurückgegangen. Von einer Grippewelle spricht man erst bei 10.000 Neuerkrankungen in Wien in einer Woche, erklärt Ursula Karnthaler, die Leiterin der Infektionsvorsorge der MA15. In der ersten Jännerwoche (die Daten liegen erst mit einer Woche Verzögerung vor) sind in Wien 7100 Menschen an Influenza oder einer grippeähnlichen Infektion erkrankt. Das waren sogar weniger als in der Woche zuvor mit 7300 Neuerkrankungen.

Derzeit stelle man nur sporadisch Influenza-Erkrankungen fest, heißt es aus dem Department für Virologie der Medizinischen Universität Wien.

Gewöhnlich trifft die jährliche Influenza-Welle erst später in Österreich ein, voriges Jahr zum Beispiel war es im Februar so weit. Diese breitet sich gewöhnlich vom Westen aus über Österreich aus, erklärt Ursula Karnthaler. Das entspricht der europaweiten Tendenz, der zufolge sich die Influenza-Viren stets vom Westen aus über den Kontinent verbreiten. Woran das liegt, könne man nicht definitiv sagen, möglicherweise aber an klimatischen Unterschieden.

Anzeichen dafür, dass auch in Europa heuer, wie in den USA, mit besonders schweren Erkrankungen zu rechnen sei, gebe es nicht. Aktiv sind derzeit sowohl Influenza-A- als auch Influenza-B–Viren. Karnthaler spricht daher von einer Co-Zirkulation. Bisher wurden von den Experten sowohl A(H1N1)-Influenza-Viren – die „Nachkommen“ der „Schweinegrippe“-Erreger –, als auch A(H3N2)-Viren als Erreger identifiziert. Hinzu kommen noch Influenza B-Viren.

 

Die dominanten Stämme

Vor der sogenannten Schweinegrippe haben jahrelang H3N2-Stämme die jährliche, saisonale Influenza dominiert. Nach der H1N1-Pandemie-Welle war auch 2010/2011 dieser Virus dominant, voriges Jahr ist neuerlich der H3N2 hinzugekommen.

Der aktuelle Impfstoff umfasst beide Stämme. Einige Experten raten zur Influenza-Impfung. Zu spät ist es dafür noch nicht, da es einige Wochen dauert, bis sich die Erkrankungswelle in einer Region aufbaut. Nach der Immunisierung dauert es zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz durch die ausgelöste Abwehrreaktion voll in Gang gekommen ist.

Auf einen Blick

Die saisonale Grippe hat momentan die USA fest im Griff. 20 Kinder starben. Auch in Deutschland und anderen Nachbarländern Österreichs steigt die Zahl der Infektionen. In Österreich ist das noch nicht zu beobachten. Wien lag mit 7100 Neuinfektionen pro Woche zuletzt deutlich unter dem Schwellenwert für eine „offizielle“ Grippewelle (10.000 Neuerkrankungen). Experten rechnen jedoch damit, dass sich das bald ändern könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2013)

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