Schneewetter: Als der Winter nach Wien kam

Am ersten richtigen Wintertag stockte der Verkehr, Autos fuhren im Schritttempo, Busse und Straßenbahnen taten es ihnen gleich, dafür gab es keine Kurzparkzone. Parksheriffs blieben im Büro, Bauarbeiter am Bau.

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Symbolbild – (c) APA HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Wien/CIM. Es war der Tag, den die einen lange herbeisehnen, die anderen mindestens so lange fürchten. Wien war am Montag zum ersten Mal in diesem Jahr von einer Schneedecke bedeckt. Für alle aber heißt Schnee zunächst einmal: warten. Der Verkehr stockt. Autos fahren Schritttempo, Busse und Straßenbahnen tun es ihnen gleich, und so stand Montagvormittag auf der Anzeige, wann die nächste Straßenbahn kommt, mitunter 52 Minuten.

„So mittel“, so beschreibt Dominik Gries von den Wiener Linien die Situation. Immerhin fahren alle Linien, aber viel langsamer und unregelmäßiger – weil die Bahnen und Busse wegen des Schnees und Eises langsamer vorankommen, auch wegen Blechschäden, blockierter Strecken und Staus, an denen unverhältnismäßig rasante Autofahrer schuld seien. Aber freilich mussten auch diese, die Autofahrer in Wien, bei Schnee mit längeren Fahrten rechnen: Am Montag ist es besonders auf der Nordbrücke stadteinwärts und auf der A22 oder auf der Tangente zu Staus und Verzögerungen gekommen.

Im Wesentlichen sei der Verkehr aber problemlos vorangekommen, heißt es von der MA 48. Damit dem so bleibt, ist die Winterdienstmannschaft der „48er“ schon seit Sonntagnacht im Großeinsatz. In Zahlen: Am Montag waren 1400 Mitarbeiter und 370 Fahrzeuge in Wien unterwegs, um den Schnee von 2800 Kilometern Straße zu räumen, die Fläche, die geräumt werden muss, beträgt 23 Millionen Quadratmeter. Zu Hause – genau gesagt, in den warmen Büros – bleiben durften die Mitarbeiter der Wiener Parkraumüberwachung.

Freies Parken im Schnee

Denn am Montag wurde nicht kontrolliert und gestraft, die Stadt hat die Kurzparkzonen-Regelungen in Wien am Vormittag aufgehoben.

Damit sich das Chaos durch den Schnee in Grenzen hält, konnten auch in den Zonen, in denen Pickerl- oder Parkscheinpflicht herrscht, Autos abgestellt werden. Und die Park-Sheriffs? Für die gab es trotzdem nicht schneefrei, sie mussten zu Schulungen in die Zentrale. „Wir haben, unter anderem durch die neuen Kurzparkzonen, viele Rückstände, was Schulungen betrifft“, sagt Wolfgang Schererbauer von der Landesverkehrsabteilung der Polizei, der für die Parkraumüberwachung zuständig ist. Und weil gewöhnlich jeden Winter ein paar Mal die Kurzparkzonenregeln aufgehoben werden, hebe man sich die Schulungen für ebendiese Tage auf.

Draußen bleiben müssen trotz Kälte und Schneefalls viele Bauarbeiter. Auf der größten Baustelle Wiens, auf dem Hauptbahnhof, zum Beispiel waren am Montag wie gewöhnlich 800 bis 900 Menschen im Einsatz. Wobei bei diesen Bedingungen freilich eher die Arbeiten im Innenbereich vorangetrieben werden, wie es vom Projektteam Hauptbahnhof heißt.

Draußen bleiben müssen – oder dürfen? – auch einige der Tiere in Schönbrunn. Und viele würden das sogar genießen, die Berberaffen, zum Beispiel. Heimisch im Atlasgebirge, in dem monatelang Schnee liegt, bräuchten sie kein Innengehege, heißt es. Oder die Pandas, ebenfalls ganzjährig im Freien, klettern auch auf schneebedeckte Bäume, liegt ihnen das als Bewohner der Bergwälder Chinas in bis zu 3400 Meter Höhe doch in den Genen.
Und wer den Pandas oder Affen beim Spielen im Schnee zuschauen möchte (die Rodelstraße am St. Ulrichsplatz im Siebenten ist übrigens nun auch in Betrieb), der dürfte dazu noch einige Tage Gelegenheit haben: Diese Woche sollte laut Prognose der ZAMG in ganz Österreich winterlich bleiben. Die Temperaturen würden nur in Einzelfällen auf mehr als null Grad steigen, auch der Schneefall werde anhalten.

Linzer stirbt bei Autobahnunfall

In Oberösterreich kam durch den Schneefall – zumindest indirekt – ein 61-Jähriger ums Leben. Der Linzer war nach einem Schleuderunfall auf der A25 aus seinem Auto gestiegen und vor einen Lkw gelaufen. Im ganzen Land gab es außerdem zahlreiche Unfälle und Verkehrsbehinderungen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.01.2013)

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