Stadthallenbad: "Zugegangen ist es dort..."

Das Stadthallenbad soll weiter saniert werden. Derweil geht der Streit um die Verantwortung weiter. Der ehemalige Generalplaner Georg Driendl sieht im Interview mit der "Presse" Mängel in der Vorplanung.

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(c) APA

Die Presse: Die Stadthalle hat sich am Montag zur gerichtlichen Beweissicherung geäußert. Demnach ist eine „Vielzahl von Mängeln in der Planung und Ausführung der damit beauftragten Firmen“ festgestellt worden. Wie sehen Sie das?

Georg Driendl: Das ist eine falsche Sachverhaltsdarstellung, weil eine Beweissicherung ja kein Ergebnis (eine Schuldzuweisung, Anm.) liefert, sondern einfach nur einen Beweis sichert. Das ist also eine völlig falsche Interpretation.

 

Was ist dann herausgekommen?

Man hat genau das festgestellt, was vorher schon bekannt war. Einige Firmen waren noch nicht fertig, einige Arbeiten nicht ordnungsgemäß ausgeführt. Beim Becken ist klar, dass für die Hygiene die Durchströmung gewährleistet sein muss. Auch wurde die Tragfähigkeit der Becken im Detail kontrolliert. Das ist das Absurdeste überhaupt.

 

Wieso soll das absurd sein?

Weil die Frage ist, warum der Bauherr das jetzt macht. Das hätte doch vor der Sanierung passieren müssen. Nicht danach.

Genau diese fehlenden Untersuchungen hat das Kontrollamt unlängst in seinem Bericht kritisiert. Die Stadthallen-Führung sagt wiederum, die Generalplanung hätte solche Untersuchungen durchführen müssen.

Nein, das ist Unsinn. Im Vertrag steht nichts davon. Es hat ein Vorprojekt gegeben, das den grundsätzlichen Sanierungsansatz festgelegt hat. Dafür ist das Gebäude angeblich untersucht worden. Wir sind erst später eingestiegen.

 

Wieso hat die Firma, die das Vorprojekt durchgeführt hat, nicht den ganzen Auftrag bekommen?

Für das große Auftragsvolumen war eine Ausschreibung notwendig. Und die haben wir gewonnen. Nur haben wir dann massive Mängel in der Vorplanung festgestellt.

Wann?

Im Zuge der Sanierung. Wir haben dann im Vorlauf das Planungsprojekt neu aufsetzen müssen, weil sich das bestehende als unbrauchbar herausgestellt hat.

 

Wenn Sie das Projekt überarbeitet haben, dann hätten Sie ja weitere Untersuchungen machen können.

Vieles sieht man ja nicht auf den ersten Blick. Wir sind davon ausgegangen, dass es untersucht worden ist. War aber nicht so.

 

Beispiel?

Von einer Betonsanierung war nie die Rede, und als wir begonnen haben, Wandverkleidungen abzunehmen, hat man gesehen, dass der Beton sanierungsbedürftig ist. Es hat dann genaue Listen gegeben, was in Bestand bleibt und was man neu macht. Aber es sind auch andere Dinge aufgetaucht. Brandschutzthemen etwa, an denen man nicht vorbeigekommen ist. Und das hat den Fahrplan verzögert.

 

Aber die Becken waren zu Sanierungsbeginn noch dicht?

Das weiß man nicht. Weil wir das Becken das erste Mal mit Wasser befüllt gesehen haben, als das aufgetreten ist. Und zu diesem Zeitpunkt haben die Altspatzen im Bad gesagt: „Ah, da schau her, da hat's schon immer getropft.“

 

Die lecken Becken haben also nichts mit der Sanierung zu tun?

Zu 90 Prozent nicht. Ich weiß sowieso nicht, warum man das jetzt so hinstellt, als hätten wir ein undichtes Bad geschaffen. Wir haben sogar Protokolle angefordert, wie die Wasserhygiene aufrechterhalten wurde. Da hat es keine Hinweise darauf gegeben, wie das vorher gemacht wurde. Darum sag ich ja, da wird etwas ausgespielt, was vorher vertuscht worden ist.

 

Der Baustopp war also eine überzogene Maßnahme?

Aus Sicht der Politik ist er vielleicht in Ordnung. Nur interessant ist: Wir haben keine neue Erkenntnis gewonnen. Seit dem Baustopp hat sich nichts geändert. Das Becken ist noch undicht. Die Durchströmung muss repariert werden. Die Fliesenleger sind nicht fertig und haben teilweise Schlampereien gemacht. Okay, das ist es.

Das ist nicht wenig.

Wenn ein paar Fliesen schief liegen, bei so einer Sanierung... Davon haben wir ja alle gewusst. Der Bauherr (die Stadthalle, Anm.) ist ständig durch die Baustelle gelaufen. Wir haben Fotos geschickt und gesagt: Der Missstand muss erledigt werden – da gibt es seitenweise E-Mail-Verkehr. Wir haben die Zustände schon gar nicht mehr verfolgen können, so zugegangen ist es dort.

 

Ist für Sie geklärt, wer Schuld an dem Fiasko hat?

Es geht nicht um die Frage eines Schuldigen. Es geht nur um die Frage der Verantwortung. Und die liegt bei der Stadthalle, die das Vorprojekt vergeben hat, und die offensichtlich genau gewusst hat, was los ist.

Auf einen Blick

Georg Driendl hat die Sanierung des Stadthallenbades betreut. Der Architekt wurde zu Jahresbeginn von der Stadthalle gekündigt. Driendl will nun rechtliche Schritte gegen die Kündigung vornehmen. [Privat]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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