Stadthallenbad: "Zugegangen ist es dort..."

15.01.2013 | 18:20 |  EVA WINROITHER (Die Presse)

Das Stadthallenbad soll weiter saniert werden. Derweil geht der Streit um die Verantwortung weiter. Der ehemalige Generalplaner Georg Driendl sieht im Interview mit der "Presse" Mängel in der Vorplanung.

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Die Presse: Die Stadthalle hat sich am Montag zur gerichtlichen Beweissicherung geäußert. Demnach ist eine „Vielzahl von Mängeln in der Planung und Ausführung der damit beauftragten Firmen“ festgestellt worden. Wie sehen Sie das?

Georg Driendl: Das ist eine falsche Sachverhaltsdarstellung, weil eine Beweissicherung ja kein Ergebnis (eine Schuldzuweisung, Anm.) liefert, sondern einfach nur einen Beweis sichert. Das ist also eine völlig falsche Interpretation.

 

Was ist dann herausgekommen?

Man hat genau das festgestellt, was vorher schon bekannt war. Einige Firmen waren noch nicht fertig, einige Arbeiten nicht ordnungsgemäß ausgeführt. Beim Becken ist klar, dass für die Hygiene die Durchströmung gewährleistet sein muss. Auch wurde die Tragfähigkeit der Becken im Detail kontrolliert. Das ist das Absurdeste überhaupt.

 

Wieso soll das absurd sein?

Weil die Frage ist, warum der Bauherr das jetzt macht. Das hätte doch vor der Sanierung passieren müssen. Nicht danach.

Genau diese fehlenden Untersuchungen hat das Kontrollamt unlängst in seinem Bericht kritisiert. Die Stadthallen-Führung sagt wiederum, die Generalplanung hätte solche Untersuchungen durchführen müssen.

Nein, das ist Unsinn. Im Vertrag steht nichts davon. Es hat ein Vorprojekt gegeben, das den grundsätzlichen Sanierungsansatz festgelegt hat. Dafür ist das Gebäude angeblich untersucht worden. Wir sind erst später eingestiegen.

 

Wieso hat die Firma, die das Vorprojekt durchgeführt hat, nicht den ganzen Auftrag bekommen?

Für das große Auftragsvolumen war eine Ausschreibung notwendig. Und die haben wir gewonnen. Nur haben wir dann massive Mängel in der Vorplanung festgestellt.

Wann?

Im Zuge der Sanierung. Wir haben dann im Vorlauf das Planungsprojekt neu aufsetzen müssen, weil sich das bestehende als unbrauchbar herausgestellt hat.

 

Wenn Sie das Projekt überarbeitet haben, dann hätten Sie ja weitere Untersuchungen machen können.

Vieles sieht man ja nicht auf den ersten Blick. Wir sind davon ausgegangen, dass es untersucht worden ist. War aber nicht so.

 

Beispiel?

Von einer Betonsanierung war nie die Rede, und als wir begonnen haben, Wandverkleidungen abzunehmen, hat man gesehen, dass der Beton sanierungsbedürftig ist. Es hat dann genaue Listen gegeben, was in Bestand bleibt und was man neu macht. Aber es sind auch andere Dinge aufgetaucht. Brandschutzthemen etwa, an denen man nicht vorbeigekommen ist. Und das hat den Fahrplan verzögert.

 

Aber die Becken waren zu Sanierungsbeginn noch dicht?

Das weiß man nicht. Weil wir das Becken das erste Mal mit Wasser befüllt gesehen haben, als das aufgetreten ist. Und zu diesem Zeitpunkt haben die Altspatzen im Bad gesagt: „Ah, da schau her, da hat's schon immer getropft.“

 

Die lecken Becken haben also nichts mit der Sanierung zu tun?

Zu 90 Prozent nicht. Ich weiß sowieso nicht, warum man das jetzt so hinstellt, als hätten wir ein undichtes Bad geschaffen. Wir haben sogar Protokolle angefordert, wie die Wasserhygiene aufrechterhalten wurde. Da hat es keine Hinweise darauf gegeben, wie das vorher gemacht wurde. Darum sag ich ja, da wird etwas ausgespielt, was vorher vertuscht worden ist.

 

Der Baustopp war also eine überzogene Maßnahme?

Aus Sicht der Politik ist er vielleicht in Ordnung. Nur interessant ist: Wir haben keine neue Erkenntnis gewonnen. Seit dem Baustopp hat sich nichts geändert. Das Becken ist noch undicht. Die Durchströmung muss repariert werden. Die Fliesenleger sind nicht fertig und haben teilweise Schlampereien gemacht. Okay, das ist es.

Das ist nicht wenig.

Wenn ein paar Fliesen schief liegen, bei so einer Sanierung... Davon haben wir ja alle gewusst. Der Bauherr (die Stadthalle, Anm.) ist ständig durch die Baustelle gelaufen. Wir haben Fotos geschickt und gesagt: Der Missstand muss erledigt werden – da gibt es seitenweise E-Mail-Verkehr. Wir haben die Zustände schon gar nicht mehr verfolgen können, so zugegangen ist es dort.

 

Ist für Sie geklärt, wer Schuld an dem Fiasko hat?

Es geht nicht um die Frage eines Schuldigen. Es geht nur um die Frage der Verantwortung. Und die liegt bei der Stadthalle, die das Vorprojekt vergeben hat, und die offensichtlich genau gewusst hat, was los ist.

Auf einen Blick

Georg Driendl hat die Sanierung des Stadthallenbades betreut. Der Architekt wurde zu Jahresbeginn von der Stadthalle gekündigt. Driendl will nun rechtliche Schritte gegen die Kündigung vornehmen. [Privat]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2013)

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33 Kommentare
 
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Du meine Güte!

Was soll bitte durch die niedrigere Feuchtigkeit kaputt werden?
Die Hallenbäderluft muss im Betrieb ja entfeuchtet werden, weil ab 70 % Luftfeuchtigkeit schwitzen alle wie in der Sauna nach einem Vodka-Aufguss!
Die Aussagen wegen Schäden kommen sicher von den unfähigen Baufirmen, die sich bei ihren Pfuschleistungen abputzen wollen!
Bau=Pfusch vulgo ÖVP!

So a unnötige Bahöö: wegen a poa undichte Fliesen

Des Stadthallenbad
ein trübes Lackerl
Ka Hund mocht duat sei Gackerl
Leer bleib`n die Sackerln (damit meine ich die ganze Herumeierei um die davongrunnan Steiagööda [WOHIN NUR?]ist ziemlich beschissen)
Rundherum a undicht-windschiefes Schwimmingpuul
Denkt sii da Miseren verantwortliche Stadtrat: I schau anfach net hin, i bleib sööboa weit abseitig cuul
Ka Mensch ka mi verantwortlich machen
Des wea jo zum totlachen
Heat er von irgendwoher a zurnige Stimm:
Parteibruada mir san net in Berlin
Mir san a bewundernswert-ehrliche Stadt
mir san in Wien
Da kriagt da Oxi an herzzerreißenden Lachkrampf:
Dounn woan die verschwundanan Milliönchen wui a sauba polierte Schimäre?
Und i bleib wia i bin
Fleckenlos rechtschaffen pflichtgetreu
mittendrin in Wien


Die Lösung:

An den Stronach privatisieren!

Den Ablauf kennen wir

die Firmen gehen vorher noch Pleite, Lieferanten der Firmen gehen leer aus, Löhne zahlt eh der Insolvenzfonds. Die Kosten der Sanierung der Sanierung muss die Stadthalle tragen bzw. wir die Bürger.
Bravo ROT, GRÜN war nicht beteiliegt sagt das Schwammerl und sieht woanders hin.

Erinnert stark an den Pratervorplatz.

sprengen und neubau!

wohl billiger ?

Ganz einfach: Mangelnde Kommunikation, zuviele Köche, Kompetenzunklarheiten und baubrancenfremder Auftraggeber


Verantwortung

Als dem Architekturbüro sehr nahestehende Person kann ich die Kommentare zu "Generalplaner Georg Driendl" nicht einfach so stehen lassen. Ich kenne dieses Büro seit Jahrzehnten und weiß damit dass die Handlungen bestimmt nicht "kurzfristig-profitorientiert" sind. Wer so etwas schreibt hat dieses Büro und seine Mitarbeiter noch nie gesehen, geschweige denn mit ihnen gearbeitet, denn dann wüsste er Gegenteiliges zu berichten. Ich kenne kaum ein Büro, das derart korrekt und fair zu seinen Mitarbeitern steht und extrem hohe Ansprüche an die eigene Arbeit stellt. Ich finde es sehr schade, dass ein so offensichtliches Politikum wie die Stadthalle auf derart persönliche Weise überhaupt diskutiert wird. Es ist traurig, dass jene die tatsächlich Verantwortung tragen einfach davonkommen, immer und immer wieder, dass in dieser Stadt niemand aufschreit, sondern geschehen lässt, denn ach es geht uns allen doch so gut, aber so ist es eben nicht und einer muss halt dann doch den Kopf hinhalten - es merkt eh keiner, zumindest in ein paar Wochen nicht mehr.

Re: Verantwortung

Es wäre interessant zu wissen wie nahe Sie dem Architekten Driendl stehen und wie Sie den Eindruck bekommen haben dass seine Mitarbeiter immer "korrekt und fair" behandelt wurden.

Ist Ihnen bekannt ob eine oder mehrere der unten angeführten Praktiken im Büro des Architekten Driendl üblich waren?

1, Mitarbeiter werden in einem scheinselbstständigen Arbeitsverhältnis beschäftigt
2, es kommt zu mehrmonatigen Verspätungen bei der Auszahlung der Monatshonorare an die Mitarbeiter
3, Mitarbeiter werden oft gekündigt und mit den neuen ersetzt
4, die, zu der Zeit der Kündigung, noch offenen Honorare an die Mitarbeiter werden nicht ausbezahlt.

Danke!

Die Rote Gerechtigkeit von Bonzen für Bonzen

Sicher rein zufällig enge freunde der SPÖ.Es läuft wie geschmiert.

"Verantwortung" als Schlagwort

Was heißt hier "Verantwortung"?

Zahlt der "Verantwortliche" den Schaden aus eigener Tasche, oder übernimmt er einfach "die Verantwortung", und will dafür am Ende noch gelobt werden?

Wenn "Verantwortung" ein nichtssagendes und nichts bedeutendes Schlagwort ist, ist mir ein "Schuldiger" lieber.

Re: "Verantwortung" als Schlagwort

Verantwortung" heisst DOPPELT kassieren - daher wichtig.

In Deutschland

In Deutschland ist es ja schon soweit, dass in vielen Bädern, zu gewissen Zeiten, Männer und Frauen im Bikini keinen Zutritt mehr haben.

Gilt das auch für das neue Stadthallenbad?

Männer und Frauen im Bikini keinen Zutritt mehr haben

kann ich mir vorstellen?
männer im bikini LOL

oder alle nackert!
auch was feines.

Re: Männer und Frauen im Bikini keinen Zutritt mehr haben

Ich wußte, es gibt einen Troll, der sich an der Formulierung stößt.

Herzlichen Glückwunsch zum ersten Platz

Skylink, Südbahnhof und nun das Stadtbad ...

... was haben diese 3 Baustellen gemeinsam?

Re: Skylink, Südbahnhof und nun das Stadtbad ...

Der Südbahnhof ist noch nicht fertig.
Bei allen von ihnen genannten Baustellen gilt:
""" Es gibt keine/n Schuldigen ,weil bezahlen wird wie immer der Steuerzahler """""
Aber indem in der Planung schon ein Aussichtsturm (€2,50 Liftgebühr) enthalten war,ist zu erkennen wie die politischen Seite den geistigen Zustand der Bevölkerung einschätzt.
"""Ein Blick aufs Milliardengrab für 2,50€"""

Der Generalplaner Georg Driendl:

Sollte doch die Hinweispflicht kennen welche er hat.
Wenn er diese unterlässt hat er die volle Verantwortung zu tragen.
Wenn die Ansprüche an einen Generalplaner im Dunstkreis der Stadt Wien so gering sind ,könnte die nächste Planung ja auch ein Hausmeister übernehmen.

Re: Der Generalplaner Georg Driendl:

Als ehemaligen Mitarbeiter vom Architekten Driendl weiß ich leider aus eigener Erfahrung wie kurzfristig-profitorientiert seine Handlungen sind und das Ergebnis hier überrascht mich überhautp nicht. Es ist eine Schande was der Typ seit Jahrzenten treibt.

Re: Re: Der Generalplaner Georg Driendl:

Driendl, klingt irgendwie nach Tränen...

Re: Re: Der Generalplaner Georg Driendl:

Ja solche Rollen gibt es mehrere ich kenne da aus der Praxis einen privaten techn. gerichtlich beeideten Haus und Hof Gutachter welcher zum Stammgutachter der Stadt Wien zählt.
Der sich bei manchen Projekten derart saniert hat wo,die Gutachterkosten den Streitwert bei weitem übersteigen.

Verantwortung

Driendl: "Es geht nicht um die Frage eines Schuldigen. Es geht nur um die Frage der Verantwortung."

Es geht um die Frage des Schuldigen, der dafür zur Verantwortung gezogen werden muss! Bei grober Fahrlässigkeit auch mit seinem Privatvermögen und Pfändung bis aufs Existenzminimum!

Re: Verantwortung

Auftragsvergaben im Bereich der Stadt Wien sind wie Inzucht im Hasenstall.

das wasser im stadthallenbad

ist wie das steuergeld bei den sozialisten, es versickert.

Auf Sozen vertraut - auf Sand gebaut.


25

... es ist Zeit auch diesen Dilettantismus mit Privathaftungen der Entscheidungsträger zu Kompensieren


... und der Häupl will ein Olympiade abhalten ???

... das Stadthallenbad ist dann wieder leck, neue Sportstätten werden à la Skylink enden, Großmannsucht gepaart mit Präpotenz, aber der Steuerzahler wirds schon löhnen.

 
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