Wien: Fasching nur am Stadtrand

07.02.2013 | 18:23 |  KARIN SCHUH (Die Presse)

Für große Umzüge auf der Ringstraße wie einst fehlt heute das Geld. Die fünf Wiener Faschingsgilden feiern nur mehr in den Außenbezirken - etwa am Samstag in Jedlersdorf.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien. Die Narren müssen draußen bleiben – zumindest aus der Innenstadt. Dieser Eindruck entsteht, wenn man sich das Faschingstreiben in Wien ansieht. Denn Gilden gibt es zwar – ganze fünf an der Zahl, Vorarlberg hat 81 –, so wie auch Umzüge und Faschingsfeste. All das aber nur selten in den Bezirken innerhalb des Gürtels oder gar in der Innenstadt. Wenn in Wien Fasching gefeiert wird, dann in Jedlersdorf, Meidling, Döbling, Ober St. Veit oder Währing. Dort gibt es noch Gilden, die jährlich Umzüge veranstalten, bei denen geschmückte Wagen durch die Straßen fahren, gefolgt vom „Fußvolk“, das endlich einmal so sein darf, wie es gern wäre.

Die Welt feiert Karneval: Samba, Masken und Alaaf

Alle 23 Bilder der Galerie »

Am Samstag wird in Floridsdorf der 20. Wiener Faschingsumzug gefeiert. Ab 14 Uhr starten an die 400 Umzugsteilnehmer vom Jedlersdorfer Platz, um zwei Stunden später beim Shopping Center Nord zu landen. „Wir müssen alles selbst bezahlen, die Stadt Wien gibt uns nichts. Villach wird hingegen ordentlich gesponsert“, sagt Karl Holub, Vizepräsident der Jedlersdorfer Faschingsgilde. Rund 20.000 bis 30.000 Euro kostet so ein Umzug. Die einzelnen Gilden finanzieren das über kleine Sponsoren oder Eintrittsgelder bei anderen Veranstaltungen. Jedes Jahr ist eine andere Gilde für die Organisation zuständig. Währing hat sich ab heuer ausgeklinkt – aus finanziellen Gründen.

„Gute alte Faschingszeit“

Das Geld ist auch stets das Hauptargument, warum der Fasching in Wien nur mehr in den Außenbezirken stattfindet. Früher noch, vor 20 Jahren, war das anders. Da gab es noch den großen Umzug über die Ringstraße. Damals hatten die Narren eine große Unterstützerin – die Wiener Wirtschaftskammer hatte zwar keine eigene Gilde, jedoch jährlich den großen Umzug mit bis zu 100.000 Zuschauern organisiert. Die Veranstaltung wurde von den Kaufleuten auch gleich als eine Art Leistungsschau verstanden, bei der sich jede Branche präsentierte. Hört man sich bei den Gildenmitgliedern um, ist dabei stets der Name Helmut Zilk zu hören. Der frühere Bürgermeister hatte im Gegensatz zu Michael Häupl noch ein Herz für Narren und die Umzüge gern unterstützt.

„Ich sage immer, wir müssen eine Faschingsdemo machen, dann gibt es den vollen Schutz, inklusive Polizei, und uns kostet das nichts. In die Regenbogenparade wird so viel investiert und für uns Narren gibt es nichts“, sagt Anna Kellner, Vizepräsidentin des Wiener Landesverbandes. Für sie gehören die Umzüge jedoch zum Kulturgut. Auch wenn in den letzten Jahren – je nach Angaben – nur zwischen 6000 und 12.000 Zuschauer gezählt wurden.

Innerhalb der Gilden ist die Meinung darüber, ob man wieder in die Innenstadt ziehen soll, allerdings gespalten. Die Repräsentanten der Gilden sind dafür, immerhin würde das schlicht mehr Zuschauer bedeuten. „Meine persönliche Meinung ist aber, dass wir das nicht machen sollten“, sagt Holub dazu. „Das bringt uns nichts, das ist nicht unser Stammpublikum. Das kommt komisch daher.“

Bälle statt Gschnas in der City

Ähnlich sehen das die Kaufleute der Innenstadt. Dort wird stets auf die Balltradition verwiesen, wenn man sich nach den Faschingsaktivitäten erkundigt. „Ich glaube nicht, dass ein Faschingsumzug etwas ist, was in die Innenstadt passt“, sagt Rainer Trefelik, Obmann der Kaufleute der Kärntner Straße. Derzeit gehe es eher um eine Aufwertung und Beruhigung der Gegend – und nicht „um einen weiteren Kirtag“. Auch der Bedarf aufseiten der Kaufleute sei überschaubar. Während in den Randbezirken damit die regionale Verbundenheit gestärkt werden soll, passen in der Innenstadt Narren wohl nicht so ganz zum goldenen Quartier. Oder wie es Holub ausdrückt: „In den Randbezirken sind die Leute einfach lustiger.“

Veranstaltungstipps

20.Wiener Faschingsumzug: Jedes Jahr wird der Wiener Faschingsumzug von einer Gilde organisiert, heuer ist Jedlersdorf dran. Morgen, Samstag, startet er um 14 Uhr beim Jedlersdorfer Platz über die Route Amtsstraße, Jedlersdorfer Straße, Trillergasse, Brünnerstraße, Lundenburgergasse bis zur SCN. Zu Gast sind Gruppen aus Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark.

Simmeringer Faschingsumzug: Samstag, ab 13 Uhr, Simmeringer Platz, organisiert von Kaufleuten, Bezirksvertretung und Vereinen.

Fasching in Währing: Samstag, ab 9.11 Uhr, Gersthofer Platzl, kleiner Umzug über den Aumannplatz bis zur Pfarrkirche Währing (11.11 Uhr)

Faschingsumzug in Mödling: Sonntag, ab 14.11 Uhr, Motto „11 x 4 - Narren sind wir“

Konzerthaus-Gschnas: Montag, ab 20 Uhr, Motto „Alles Salsa“, www.konzerthaus.at

93.Elmayer Kränzchen: Dienstag, ab 17 Uhr in der Hofburg, elmayer.at

Faschingseingraben: Dienstag, 18. 30 bis 23 Uhr, Jedlersdorfer Platz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Lesen Sie hier weiter zum Thema:

Mehr aus dem Web

12 Kommentare
5 0

Jetzt ist es offiziell,

daß die Wiener nichts mehr zu lachen haben...

9 0

„Wir müssen alles selbst bezahlen, die Stadt Wien gibt uns nichts.

Na wie sollte die Stadt Wien für so eine Veranstaltung etwas Geld erübrigen?

-Nicht halal genug

-Nicht von der "Gay-community"

-Keine Natursektbar

-Keine Bondage-Performance ala Phettberg

-Zu österreichisch!

-Und der gelernte Clown Klaus-Werner Lobo mag's vermutlich auch nicht!

RotGrün weiß nun mal was gefördert werden muss und was nicht!
Vielen Dank RotGrün!

und für uns Narren gibt es nichts“...

Na geh- wir leisten uns eine Bundesregierung, Landeshauptleute und einen Nationalrat etc., die an Komik fast nicht mehr zu toppen sind.

Aber dafür freu ich mich immer, wenn die VerkäuferINNEN so toll verkleidet sind, da geht´s durch mit mir^^

Aber so ein Joke der PRESSE dürfte auch das Elmayer Kränzchen: Dienstag, ab 17 Uhr in der Hofburg sein.
DAS ist mit Sicherheit an Unterhaltung nicht zu überbieten^^

vermutlich..

nicht politisch korrekt genug.

Re: vermutlich..

zornig dreinblickende bärtige männer,die wegen jedem schmarrn beleidigt sind(besonders wenn man ihren propheten beleidigt)haben auch nix zu lachen.die gehen zum lachen in den keller.

Re: vermutlich..

vermutlich zu "österreichisch".

Der echte Fasching in Wien hat seine Bedeutung verloren

Dar sorgt Rot Grün das ganze Jahr über!!

Fahrrad Beauftragter
Fußgänger Beauftragter
Schulschwänz Beauftragter
Popschgrapsch Beauftragter

12 0

Re: Der echte Fasching in Wien hat seine Bedeutung verloren

plus als neue Attraktion die Votivkirche.

aus dem Bauch heraus:

Faschingsumzüge sind so was von peinlich

Re: aus dem Bauch heraus:

Mai-Aufmärsche auch.

Nur, im Fasching sind die Teilnehmer geschminkt, die im Mai schauen immer so aus.

Re: aus dem Bauch heraus:

Schon. Aber peinlich ist vieles, mit dem wir täglich konfrontiert werden. Das ist wenigstens harmlos.

Die Ringstraße ist schon von den Grünossen ausgebucht,

und muß für jeden Dreck herhalten. Da ist für alte Traditionen kein Raum.

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    12:00
    Wien
    28°
    Steiermark
    22°
    Oberösterreich
    22°
    Tirol
    17°
    Salzburg
    18°
    Burgenland
    28°
    Kärnten
    22°
    Vorarlberg
    22°
    Niederösterreich
    17°

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden