Fechten wie im Mittelalter: Historisches Event in Wien

08.02.2013 | 18:24 |  CHRISTINE IMLINGER (Die Presse)

Dieses Wochenende findet in Wien Europas größtes historisches Fecht-Event statt. Der Sport, bei dem historische Gewänder getragen werden, boomt. An schlagenden Burschenschaften will man aber nicht anstreifen.

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Wien. Sie tragen historische Kostüme, Ritterrüstungen oder improvisierte Fantasiegewänder und kreuzen ihre (stumpfen) Klingen. Dieses Wochenende findet im Wiener TGM in der Brigittenau das Dreynevent, Europas größte Veranstaltung für historisches Fechten, statt. 180 Sportler treffen sich hier, die Veranstaltung war binnen 15 Stunden ausverkauft. Der Name lässt zwar anderes vermuten, aber historisches Fechten ist ein junger Sport. Die Fechter versuchen, alte Techniken aus den Jahrhunderten 13 bis 19 möglichst realitätsgetreu zu rekonstruieren.

Europaweit sind derzeit etwa 4000 historische Fechter aktiv. „Den großen Zulauf beobachten wir seit dreieinhalb, vier Jahren“, sagt Martin Lauter vom Verein Dreynschlag/Die Liechtenauer Fechter. Er selbst ist seit drei Jahren Trainer, seit sieben Jahren betreibt er den Sport. Zuvor hat er Karate betrieben und war auf der Suche nach europäischem Kampfsport. „Und natürlich war da die Faszination der Geschichten von Robin Hood, Prinz Eisenherz oder der Sandalenfilme.“

Wie ihm geht es offenbar vielen Sportlern, der Zulauf zum historischen Fechten ist mittlerweile größer als jener zum modernen Sportfechten. In Wien, schätzt er, seien – Anfänger ausgenommen – etwa 200 historische Fechter aktiv, in ganz Österreich seien es rund 600. Der Verein Sportunion – Die Liechtenauer Fechter, der Veranstalter des Dreynevent, habe dabei eine Vorreiterrolle, er ist einer der ältesten Vereine der Sportart weltweit. In Österreich wird der Sport seit rund zehn Jahren professionell betrieben. In den USA, so Lauter, sei historisches Fechten schon viel weiter verbreitet. Schließlich sei dort das Reenactment, das Nachstellen historischer Ereignisse, schon lange beliebt.

 

50 Prozent sind Frauen

„Zu uns kommen Sportstudenten, Leute aus der Reenactment-Szene, Rollenspieler, historisch Interessierte wie Archäologie-Studenten oder Hobbysportler“, sagt Lauter. Die Akademikerquote sei hoch, die Frauenquote liegt bei mehr als 50 Prozent. Und bei vielen bleibt es nicht beim Fechten. Da die Tradition aus dem Mittelalter nicht ungebrochen überlebt hat, müssen alte Schriften studiert, übersetzt und interpretiert werden. Die durchwegs eher jungen Fechter publizieren zum Thema, erstellen Expertisen für die Hofjagd- und Rüstkammer im Kunsthistorischen oder für das Heeresgeschichtliche Museum.

Schließlich gehe es darum, die alten Techniken möglichst detailgetreu zu praktizieren. Und weil Fechten im Mittelalter nicht nur Schwertkampf, sondern jede Art des Zweikampfes bezeichnet hat, beinhaltet der Sport etwa auch den Kampf mit dem Dolch, mit Messer, Stange – oder waffenloses Ringen.

Vom studentischen Schlägerfechten, dem Sport der Burschenschaften, grenzen sich die historischen Fechter ab. „Wir wollen da nicht anstreifen, schließen Menschen aus Studentenverbindungen auch dezidiert aus“, sagt er. Und der Schmiss, die Narbe als Erkennungszeichen schlagender Burschenschafter, „der ist definitiv unerwünscht.“

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.dreynschlag.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2013)

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14 Kommentare

Gesinnungsschnüffelei wie im 3. Reich

Die Kreisleitung IV der NSDAP, Gau Wien, befürwortete Sindelars Bewerbung ("Gegen die politische Einstellung des Parteigenossen bestehen keine Bedenken.")
Zu lesen in derselben Presse auf S 9 unter Zeitgeschichte.

Na ja, wenigstens ...

... in einer Arbeit, die auf der HP Der Dreynschläger verlinkt ist, findet sich ein entsprechender Teil über das Akademische Fechten. Nebst dem Vermerk: Vor allem Theologen bevorzugten wegen der weniger Auffälligen Folgen den gefährlichen italienischen Stoßcomment.

http://www.schwertkampf-ochs.de/Essays/Referat_Geschichte.pdf

Soviel zur ...

... öffentlich geförderten Sport Union, ob die auch keine CV-er aufnehmen, die fuchteln ja besonders gerne mit dem Schläger ... willkommen in der Zeitgeisterbahn.

Fechten verlangt volle Konzentration, sich in die Lage des Gegners versetzten, schnell denken und reagieren ...

... manche können das, manche nicht, auch wenn sie noch so viel üben.

Re: Fechten verlangt volle Konzentration, sich in die Lage des Gegners versetzten, schnell denken und reagieren ...

Richtig, und genau deswegen hat ein Schlagender dann Schnisse ...

"schließen Menschen aus Studentenverbindungen auch dezidiert aus"

Wie tolerant!

Echt lächerlich, diese Linken.

Re: "schließen Menschen aus Studentenverbindungen auch dezidiert aus"

Man fragt sich warum eigentlich...

Re: "schließen Menschen aus Studentenverbindungen auch dezidiert aus"

der verein gehört zur "linken?" sportunion!

Re: Re: "schließen Menschen aus Studentenverbindungen auch dezidiert aus"

Ein Grund mehr zum ÖTB zu gehen.

Re: Re: Re: "schließen Menschen aus Studentenverbindungen auch dezidiert aus"

lieber herr fachmann/frau, warum jetzt?
sportunion mit askö verwechseln und in wirklichkeit ist von einem asvö verein die rede.....

Re: Re: "schließen Menschen aus Studentenverbindungen auch dezidiert aus"

Diese Denkart ist "links", auch wenn die Sportunion keine linke Vorfeldorganisation ist.!
Mit der Realität kann sie nichts zu tun haben, sie zeugt von großer Unwissenheit:
Erstens: Wie stellt kann man die Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung feststellen? Die Mitgliederverzeichnisse sind nicht öffentlich - und man kann die Eintragung in diese Verzeichnisse auch ablehnen.
Zweitens: wie definiert man "Studentenverbindungen" ? Nicht alle sind in den großen Verbänden (CV, KV) organisiert.
Drittens: die "Schlagenden" (wird - egal, ob's zutrifft oder nicht - gleichgesetzt mit dem Vertreten undemokratischen/rassistischen/nazistischen Gedankenguts) sind nur eine ganz kleine Minderheit, an die die große Mehrheit der anderen Verbindungen, die auf im Wesentlichen christlichen und demokratischen (nur äußerst selten monarchistischen) Prinzipien beruhen, selbst nicht "anstreifen" wollen.

historisches Fechten

nun ich denke das ist einfach ein Geschäft - hier haben sich einge pseudo- und selbsternannte historiker- einen guten Geschäftszweig aufgebaut.
Als Historiker kann ich nur festhalten, das vieles nichts mit dem "Mittelalter" zu tun hat.
Bin niemanden neidig, jeder soll sein geschäft machen, nur das "pseudo-mittelalter" soll als solches sich nicht als "professionelles und historisches Mittelalter" ausgeben...

"An schlagenden Burschenschaften will man aber nicht anstreifen."

Dieser Satz drückt die gesamte Lächerlichkeit österr. Denkens aus.
Es geht um Historik, Tradition, oder liege ich da falsch?

"Wir wollen da nicht anstreifen, schließen Menschen aus Studentenverbindungen auch dezidiert aus“, sagt er.

DAS Mittelalter ist dezidiert vorbei Genosse.
Im roten Wien welches mittelalterlich regiert wird glaubt man das noch nicht aber auch die werden bei den nächsten Wahlen im 21.Jhd. ankommen............

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