Cityguide: Kino, Kulissen, Phantasten

09.02.2013 | 19:36 |  von Mirjam Marits (Die Presse)

Das Kino, das schon Arthur Schnitzler mochte. Ein Fußballer- und Künstlercafé und die sanierungsbedürftigen Kammerspiele. Ein Wiener Cityguide mit Schauspielerin Hilde Dalik.

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Die Bühnenarbeiter bauen gerade die Kulissen für die Vorstellung am Abend auf, hinter der Bühne richtet eine Maskenbildnerin die falschen Augenbrauen für die Schauspieler her. Es ist später Nachmittag in den Kammerspielen, der „Filialbühne“ des Theaters in der Josefstadt. Hilde Dalik führt durch die Umkleidekabine, die wohl seit den 1960ern nicht mehr verändert wurden, zur Beleuchterloge. „Das ist einer meiner Lieblingsplätze in den Kammerspielen“, sagt die Schauspielerin. „Manchmal schleiche ich mich hier hinein und schaue bei den Proben zu.“ In Kürze hat sie hier mit „Venedig im Schnee“ Premiere, einem Stück über zwei Paare, die während eines gemeinsamen Abends merken, „dass das Leben so nicht weitergehen kann. Es geht ums Erwachsenwerden, ums Emanzipieren“, sagt Dalik.

Lange wird es die Kammerspiele in dieser Form nicht mehr geben: Im Mai schließt das seit 1910 bestehende Theater und wird generalsaniert. Das sei auch dringend notwendig, findet Dalik. Immerhin ist das Dach über der Bühne undicht, nicht selten steht – vom Publikum unbemerkt – ein Kübel hinter den Kulissen, um das Regenwasser aufzufangen.


Durchbruch im Zerrissenen. Dass Dalik beim Theater landen würde, war lange Zeit nicht klar. Zwar wollte sie schon als Kind Schauspielerin werden, „aber da haben mich vor allem Filme fasziniert“. Während des Studiums am Konservatorium Wien stand sie zwar immer wieder auf der Bühne, meistens nahm sie aber Rollen in TV-Produktionen an. Der wirkliche Durchbruch kam, als sie – und es klingt fast nach einem kitschigen Hollywoodfilm – mit ihrem Nachbarn beim Siedeln ins Gespräch kam. Wie es der Zufall will, war es Regisseur Michael Gampe, der sie prompt zum Vorsprechen für Nestroys „Der Zerrissene“ ins Tiroler Landestheater einlud. Dalik überzeugte und bekam die Rolle. Heute ist sie Ensemblemitglied an der Josefstadt, die 34-Jährige steht aber immer wieder vor der Kamera.

Insofern überrascht es nicht, dass einer von Daliks Lieblingsorten ein Kino ist: Das Admiral in der Burggasse ist „eines der letzten alten Wiener Kinos“. Sogar Arthur Schnitzler hat hier im Jahr 1929 den Stummfilm „Nacht in London“ gesehen. Dalik schätzt am Admiral nicht nur das „außergewöhnlich gute Programm“, sondern auch, dass die Filme in der Originalversion gezeigt werden. „Ich schau mir selten Synchronfassungen an.“ Sie selbst wird im Sommer in einem Kinofilm zu sehen sein: in „Die Werkstürmer“ von Andreas Schmied („ein unglaublicher Filmenthusiast“), einer Arbeiterkomödie, in der es um die drohende Schließung eines Stahlwerks geht. Dalik spielt eine Gewerkschafterin, die ihre alte Liebe, den Arbeiter Patrick (Michael Ostrowski), wieder trifft.

Ein paar Gehminuten die Burggasse stadteinwärts befindet sich eines der Lieblingscafés der Schauspielerin: das unprätentiöse „Espresso“. „Ich mag es, wie es hier aussieht, wie man hier sitzt, wie der Kuchen hier schmeckt“, sagt Dalik bei einem gespritzten Apfelsaft. Im Sommer sitzt sie gern im kleinen Gastgarten, „hier bereite ich mich auch manchmal auf Rollen vor, lese Sekundärliteratur. Normalerweise arbeite ich aber lieber zuhause, weil ich den Text gern laut vorspreche.“ Immer wieder trifft man Dalik auch im „Café Anzengruber“ im vierten Bezirk, einem Fußballer- und Künstlertreff. „Die Küche ist hervorragend, die Atmosphäre gut, und man trifft immer zufällig Bekannte.“

Auf ihrer To-do-Liste, die sich aufgrund der intensiven Proben derzeit nicht so recht abarbeiten lässt (Komödien seien „Blut-, Schweiß- und Tränenarbeit“), steht auch das „Internationale Phantastenmuseum“ im Palais Palffy. Im Herbst wurde dort der Arik-Brauer-Saal eröffnet. Brauer schätzt sie als Künstler und als „charismatischen Menschen, der nur so vor Leben und Jugendlichkeit sprüht“.
„Venedig im Schnee“: Premiere am 21.2., Termine: www.josefstadt.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2013)

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