"Danube Flats": "Hochhauswahn" vs. "Luxusproblem"

12.02.2013 | 18:25 |   (Die Presse)

Die Fronten im Konflikt um das Projekt "Danube Flats" sind verhärtet: Anrainer beschuldigen die Bauträger der Vetternwirtschaft. Verkauf und Vorarbeiten sollen schon laufen. Bauträger Soravia weist das zurück.

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Wien/Cim. Die Bürgerinitiative und die Bauträger in Kaisermühlen trennen Welten. Und verschiedene Welten sind es auch, in denen der Turm „Danube Flats“ stehen muss, über den die beiden streiten. Das zeigen schon die unterschiedlichen Visualisierungen, mit denen gearbeitet wird. Die Bürgerinitiative zeigt den geplanten Turm Montagabend als schwarzen, monströsen Bunker. Die Bauträger, Soravia und S+B Gruppe, präsentieren einen Tag später einen schneeweiß-grünen, freundlichen Turm, dessen Terrassen vor Grünzeug überquellen.

So verschieden die Bilder, so verhärtet sind die Fronten im Konflikt um das Projekt, das bis 2016 an der Stelle des alten Cineplexx-Baus an der Reichsbrücke entstehen soll. Bei den Anrainern kochen die Emotionen hoch – vor allem bei jenen des Harry-Seidler-Turms, der unmittelbar hinter dem geplanten Bauplatz steht. Da beflegelten sich noble ältere Damen, gepflegte Herren zerrten sich im Streit um Redezeit am Sakko, als sich Anrainer mit Bezirks- und Stadtpolitikern im Seidler-Turm zur Debatte trafen. SP-Bezirkschef Norbert Scheed, ein Befürworter des Turms, war übrigens nicht gekommen, auch kein anderer Vertreter seiner Partei.

Nicht nur das schaukelt Emotionen auf. Vetternwirtschaft wirft man den Bauträgern vor, schließlich ging das Team „project A01 architects“ unter der Leitung von Andreas Schmitzer und Maria Planegger-Soravia als Sieger aus dem Architektenwettbewerb hervor – Letztere die Schwester Erwin Soravias.

Tags darauf, die Bauträger sehen alles anders. Nepotismus? Reinhard Schertler, Ko-Bauherr und Vorstand der S+B-Gruppe, betont, es seien ja nicht alle Bauherren mit Architektin Soravia verwandt. Verwandtschaft sei bei so einem Millionenprojekt „kein Thema“, sagt auch Erwin Soravia. Bei der Bürgerversammlung wurde auch der Vorwurf laut, derzeit sei bereits ein Verkauf der Wohnungen in Gang, ebenso wie Vorarbeiten an Fundament und Infrastruktur. Dabei beginnt das Umwidmungsverfahren zu Bauklasse VI, die einen Turm zulassen würde, erst. Soravia wies das entschieden zurück. Ebenso die Anschuldigung, der Architektenwettbewerb sei nicht regelkonform abgelaufen. Diesen ohne Beteiligung der Kammer abzuhalten, sei freie Entscheidung des Bauträgers.

 

Öl ins Feuer

Trotz aller Widersprüche: Die Bauherren verstehen Angst und Unmut der Anrainer. Soravia finde es aber „lustig, dass die im Hochhaus gegen ein Hochhaus sind“. Er will das Areal, das „angsteinflößend, grindig“ auf ihn wirke, zu einem durchgängigen Standort machen und mit „ordentlicher Infrastruktur“ versorgen. Die Bewohner des Seidler-Turms würden auch nachher noch ihre „unglaubliche Sicht“ genießen können, sagt Schertler und spricht von „Luxusproblemen“. Aber, man wolle die Anrainer trotzdem wieder zum Dialog einladen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2013)

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7 Kommentare

Chorherr und Grün

In der Danube Flats Werbung werden die Schlagworte Carsharing, Elektroautos und Begrünung verwendet.
1.Begrünung: Herr Chorherr hat dies gelesen und schon schwärmt er dafür, besonders deshalb, weil das Hochhaus von oben bis unten begrünt dargestellt wird.
Herr Seidler hat sämtliche Balkone in seinem Tower vollverglast wegen der hohen Windgeschwindigkeiten, die entlang der Donau ungebremst auf die Hochhäuser treffen und diese ins Schwanken bringen.
2.Elektroauto: eine Steckdose genügt, nichts besonderes also, kein Grund 150 Meter hoch zu bauen.
3.Carsharing: Für 500 Wohnungen mit ca. 1000 Bewohnern, die auch Besucher empfangen wollen, werden viele Parkplätze benötigt. Zudem muss ein Kundenparkplatz geschaffen werden für diejenigen, die die Nahversorger im Hochhaus aufsuchen wollen. Einige Carsharing-Stellplätze können aber die Kaisermühlner nicht vor Parkplatztourismus und Schleichverkehr retten.
Also Kaisermühlner, bewegt in Zukunft nicht mehr eure Autos vom Platz!

wien

ist bekannt dafür, dass bürgerbeteiligung in den verfahren nur ein lästiges, zu ignorierendes nebengeräusch darstellt. grossprojekte unter die lupe genommen, würden zu 100% schwerste formale mängel und dubiose zeitabläufe zu tage bringen (bauträger realwirtschaften nach projektierten bauklassen bevor noch die verfahren beenedet sind)
die abläufe bewegen sich möglicherweise hart an der grenze des legalen, aber die zufälligen konvergenzen zwischen bau und stadt bei solchen deals sind schon ein hammer!
liebe politiker, wenn ihr die stadt wuchern lässt, bekommt ihr eure ganz persönlichen ghettos!

komisch, immer öfter taucht bei all diesen deals der name chorherr auf.....

Re: wien

ein besonderes zuckerl:
lt der grünen vorstellung sollen die menschen durch beschränkungen der verfügbaren parkplätze in den neubauten zum umstieg auf die öffis bewegt werden. was aber machen dann alle jene mit elektroatuos in 10 jahren wenn sie keinen stellplatz zum aufladen über nacht haben???
ich hätte als auto- und jahreskartenbesitzer gerne selbst entschieden in welcher mischform ich die mobilitätspotentiale nütze.
dafür bin ich lang genug in die schule gegangen, odr?

Die smarten Kärnter Saubermänner

des Soravia-Clans wollen endlich eine "ordentliche" Infrastruktur den Kaisermühlnern spendieren und das Cineplexx abreissen.
Die warten ja schon seit Jahren auf auf einen sechsten Supermarkt, auf die vierte Trafik, eine weitere Putzerei und auf noch ein Döner Standl am Rande des Stadtteils. Eine Disco wird auch noch leben in die Gegend bringen. Es freut auch die Anrainer, dass für 500 Wohnungen nicht einmal 250 Parkplätze zur Verfügung stehen werden.
Die Kärnter Saubermänner, als Eigentümer. scheuen ja wirklich keinen Aufwand um das Gebäude vergammeln zu lassen. Die Garage ist seit Monaten abgesperrt, die Begrünungen werden systematisch nicht gepflegt, von der Reinigung der Freiflächen nimmt man vornehm Abstand, Schneeräumung ist echter Luxus.
Vor lauter Angst haben sie auch schon vergessen, dass sie 2009 ihr Unternehmen Minopolis, derzeit noch immer im Cineplexx in Betrieb, fast in den Ruin gewirtschaftet haben und heute noch immer Anteile an dem Untenehmen halten.
Es ist natürlich ein Privatvergnügen einen Wettbewerb zu veranstalten und die Schwester gewinnen zu lassen. Verwandtschaft ist beim DKT-Spiel vielleicht kein Thema. Aber die Wiener werden schon aufpassen, dass da nicht geschummelt wird.

Re: Die smarten Kärnter Saubermänner

Wie viel Parkplätze für die neuen Bewohner gebaut werden, sollte das Problem der neuen Bewohner sein. Wer für Garagenplätze nichts bezahlen will, bekommt auch keine. Das ist Marktwirtschaft!

Re: Re: Die smarten Kärnter Saubermänner

das hat leider nichts mehr mit marktwirtschaft zu tun, wenn es bereits jetzt schon keine parkplätze in der gegend mehr gibt und es in zukunft weitere 500-1000 pkws vorhanden sein werden. im gegensatz zu den herren soravia, chorherr, scheed & co. glaube ich nicht, dass personen, die sich teure wohnungen kaufen, ohne mind. 1 - 2 autos dort einziehen und dann auf die öffis umsteigen oder carsharing betreiben!

Re: Re: Re: Die smarten Kärnter Saubermänner

Und warum ist das für die Bewohner des Seidlerturms ein Problem?
Dort sind genug leere Garagenplätze vorhanden. Wohnungen werden hingegen stark nachgefragt.

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