Abkehr von Drogen-Substitution? Ärzte warnen

Als "unzulässige Einmischung" sieht die Ärztekammer die von der Innenministerin angekündigte Abkehr von der Drogen-Substitutionsbehandlung.

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Symbolbild. – (c) Die Presse / Fabry

Nachdem Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) am Dienstag die Abkehr von der Substitutionsbehandlung angekündigt hat, ist nun von der Wiener Ärztekammer Kritik laut geworden. Dies sei "aus ärztlicher Sicht entschieden abzulehnen."

Der Plan sei "fachlich unbegründet" und stelle eine "unzulässige Einmischung in medizinische Behandlungsstandards dar", meinte Hans Haltmayer, der Referent für Substitution und Drogentherapie in der Wiener Ärztekammer.

Aktuelle Empfehlungen der Welt-Gesundheitsorganisation würden die Substitutionsbehandlung als die effektivste Behandlungsform bei Opiatabhängigkeit bezeichnen. "Eine Abkehr von der Substitutionsbehandlung würde diese positive Entwicklung umkehren", sagte Haltermayer. Die Folgen wären mehr HIV- und Hepatitis-Infektionen, mehr Beschaffungskriminalität, mehr Drogentote und weniger gut integrierte und unauffällige Suchtkranke.

"Alleine in Wien wären davon mehrere Tausend Patientinnen und Patienten betroffen, österreichweit sind es fast 17.000." Der Experte: "Die Substitutionsbehandlung ist eine seit vielen Jahren erprobte, wissenschaftlich sehr gut belegte Behandlungsform und gilt als Therapie der ersten Wahl bei Opiatabhängigkeit."

Ideologiestreit in Ministerien

Unterschiedliche Auffassungen zur Drogenpolitik sorgten zuletzt für Verstimmung zwischen Innen- und Gesundheitsministerium. Im Zentrum der Debatte steht die Heroin-Ersatztherapie.

Im Innenministerium ist man der Meinung, dass zu viele Patienten ein Leben lang in dieser Behandlungsform bleiben und es zu wenig Bestrebungen gebe, diese Patienten in die Abstinenz zu führen. Der Polizei ist dabei vor allem die massive Verschreibung von Heroin-ähnlichen Medikamenten ein Dorn im Auge, die oft auf dem Schwarzmarkt landen.

Im Gesundheitsministerium fühlt man sich bevormundet. Sucht sei eine Krankheit, die Zuständigkeit liege bei den Gesundheitsbehörden. Oder wie es eine hohe Beamtin ausdrückte: „Der Vorschlag ist eine Kompetenzüberschreitung der Innenministerin.“

(APA/Red./awe)

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