Mariahilfer Straße: Widerstand gegen Fußgängerzone

21.02.2013 | 19:28 |  GERHARD BITZAN (Die Presse)

Der Widerstand gegen die Pläne der Stadtregierung wächst. Die ÖVP will mit einer Petitionskampagne den Druck der Bezirksbewohner verstärken.

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Wien. Der Widerstand gegen die Pläne der Stadtregierung, konkret der grünen Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou, die Mariahilfer Straße in eine Fußgängerzone umzuwandeln, wächst. Nach dem Erfolg gegen die Parkpickerlausweitung mit mehr als 100.000 Unterschriften im vergangenen Jahr (über die sich die Stadtregierung letztlich hinweggesetzt hat) baut die Wiener ÖVP im Kampf gegen die Umwandlung der Mariahilfer Straße erneut auf die Aktivierung der Bürger und sammelt Unterschriften.

Als Hilfsmittel für diese Aktion dient diesmal ein erst Anfang Jänner im Landtag beschlossenes Instrument der direkten Demokratie, das Petitionsrecht. „Wir wollen alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die Bevölkerung in der wichtigen Frage mitbestimmen kann und sich nicht mit vorgefertigten Konzepten abspeisen lassen muss, die mit niemandem abgestimmt sind“, sagt VP-Klubchef Fritz Aichinger, der auch Bezirksparteichef in Neubau ist, zur „Presse“.

Daher bekommen die Bewohner von Mariahilf und Neubau dieser Tage Post von der jeweiligen Bezirks-VP. Darin werden die Bürger aufgefordert, eine beiliegende Petition auszufüllen, zu unterzeichnen und an das VP-Bürgerservice zu schicken. Der Petitionstext lautet: „Über die geplante Neugestaltung der Mariahilfer Straße (Fußgängerzone, etc.) soll die gesamte Bezirksbevölkerung des 6. und 7. Wiener Gemeindebezirks befragt werden.“

Wenn 500 Unterschriften beisammen sind, wird die Petition beim Petitionsausschuss des Rathauses eingereicht werden. Dieser muss sich dann mit dem Thema befassen. Diese Petition wäre eine der ersten, die vom neu geschaffenen Ausschuss behandelt werden muss.

Derzeit läuft zwar eine von Vassilakou angeregte Befragung zur Zukunft der Mariahilfer Straße, konkret zu den Querungsmöglichkeiten. Deren Ergebnisse liegen Mittwoch nächster Woche vor. Dabei werden aber nur die Anwohner von zwei Straßenzügen befragt. „Bürgerbeteiligung sieht anders aus“, meint Aichinger. Die ÖVP hat vor etwa einem Jahr eine Umfrage in den zwei Bezirken gemacht, derzufolge sich 63 Prozent der Bewohner für die Beibehaltung des Status quo und damit gegen eine Fußgängerzone ausgesprochen haben. Dass dieses Ergebnis ignoriert wurde, ärgert Aichinger. Interessantes Detail: Auch die SPÖ, auf Stadtebene Koalitionspartner der Grünen, lehnt im Bezirk Neubau eine Befragung in Teilen ab und tritt für eine Bürgereinbindung im gesamten Bezirk ein.

Wiener Wirtschaft: Zwei Drittel dagegen

Die Wiener Wirtschaftskammer hat am Donnerstag eine Umfrage unter 9000 Betrieben in Mariahilf und Neubau (Rücklauf 13 Prozent) präsentiert. Demnach lehnen 67,5 Prozent der Befragten die vorgeschlagene Verkehrslösung mit Fahrverbot und autofreier Zone ab. Darüber hinaus stimmten 81 Prozent für die Beibehaltung aller Querungen für den Autoverkehr. „Viele Unternehmer fürchten negative Folgen für ihr Geschäft“, sagt Kammer-Chefin Brigitte Jank. Jank fordert angesichts der Umfrage, dass Stadt und Bezirke rasch ein Gesamtverkehrskonzept erarbeiten.

Wichtig für die Wirtschaft sei, dass der Lieferverkehr ganztägig möglich sein müsse. Auch eine ganztägige Zufahrt für Taxis und Reisebusse müsse gestattet sein. Laut Jank würde auch den Garagenbetreibern in der Mariahilfer Straße und in den Seitengassen die wirtschaftliche Basis entzogen, falls nur mehr Anrainer in der größten Einkaufsstraße Österreichs zufahren dürfen. Von der Aufhebung der Querungsmöglichkeiten seien nicht nur die Anrainer betroffen, sondern dies führe zu einem massiven Ausweichverkehr, so Jank.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2013)

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88 Kommentare
 
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hahahaha

Wie wichtig den Betrieben dieses Thema ist, zeigt sich an dem Ruecklauf von grossartigen 13%!

Anscheinend ist das Thema nicht so wichtig, als wie es manchen Politikern lieb waere. Aber was tut man denn nicht, um die Wahrnehmungsschwelle zu ueberschreiten und eine Medienpraesenz zu erlangen?

Der rot/grüne Rathauswahn

legt die Mariahilferstraße lahm. Das kommmt davon, wenn man in der Wahlkabine sein Hirn ausschaltet und quasi blind das Kreuz dort macht, wo es seit Jahrzehnten bei den WienerInnen üblich ist. Man hat zwar die Sozialisten geschwächt, diese haben aber ihre grünen GenossInnen geholt und damit ihre StammwählerInnen hinters Licht geführt. Jetzt liebe WienerInnen löffelt die Suppe aus, die ihr euch selbst versalzen habt.

Re: Der rot/grüne Rathauswahn

tja, endlich schmeckt die Suppe.

Der oeffentliche Raum ist kostbar, und er gehoert uns allen. D.h. wir ALLE muessen Kompromisse machen. Es geht sicher nicht, dass eine Gruppe (die Autofahrer) >80% der Verkehrsflaechen fuer sich beansprucht - obwohl gerade mal 30% aller Wege in Wien mit dem Auto zurueckgelegt werden. Da haperts wohl!

Re: Der rot/grüne Rathauswahn

Alle Wiener in einen Topf werfen ist unfair, denn es gibt sehr wohl Leute, die nie im Leben rot oder grün wählen würden. SPÖ und Grüne haben die Koalition gerade noch geschafft. Umso aggressiver setzen sie nun ihre Vorstellungen um. Drüberfahren, Ignorieren und Mauern ist derzeit angesagt. Bürgerwünsche sind Nebensache.

Die Wirtschaftskammer

hat auch in den 1970er Jahren vorhergesagt, dass alle Geschäfte im 1. Bezirk zusperren werden, wenn die Fußgängerzone Graben - Kärntner Straße gebaut wird. Soviel zu deren Kompetenz in Verkehrsfragen.

Re: Die Wirtschaftskammer

Eh, der Graben und die Kaerntnerstrasse sind tote Gebiete, zugepflastert mit Wettcafés, waehrend die auessere MaHü und die Reinprechtsdorfer Strasse (die ja Durchzugsstrassen sind) bluehende Geschaeftsmeilen sind, da man direkt mit dem Auto hinfahren kann und es dort abstellen kann.

Re: Die Wirtschaftskammer

das ist jetzt über 40 jahre her und deswegen bauen die grünen noch immer fuzos und fuzos und fuzos weil das gegenteil der fall ist oder weil sie sonst nix können?

Prestigeprojekt = Schaden für alle

Es ist ein Märchen, daß bei der Etablierung zusätzlicher Verkehrshindernisse (zB Sperre MAHI) wegen der dann nötigen Umwege der Autoverkehr abnimmt, im Gegenteil, es kommt zu Umwegen und noch mehr Stau. Warum sollten die Bürger dann nicht mehr notwendige Wege mit dem Auto zurücklegen? Keiner fährt zum Spaß in Wien umher. Es gibt Fälle, wo man einfach ein Fahrzeug benötigt.
Der Berufsverkehr, Zu- und Ablieferung zu Betrieben nimmt dann ab, wenn die Betriebe durch solche Maßnahmen vertrieben bezw. ruiniert wurden.. Die Arbeitsplätze sind dann auch weg.. Ist das der Plan?

Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

"Keiner fährt zum Spaß in Wien umher. Es gibt Fälle, wo man einfach ein Fahrzeug benötigt." - Richtig, das sind laut einer Untersuchung der TU etwa 14% der derzeit mit dem Auto zurückgelegten Wege. Die restlichen 86% fahren zum Spaß mit dem Auto.

Re: Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

von den radlern fahren wahrscheinlich 96% zum spaß und weil sie fußgänger jagen wollen.

Re: Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

und weil's von der TU kommt stimmt es natürlich und muss nimmamehr hinterfragt werden?! 14% erscheinen mir nicht glaubwürdig.

Re: Re: Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

nur so eine frage... vertrauen sie ihrem arzt?

Re: Re: Re: Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

Grundsätzlich vertraue ich meinem Arzt - zumal ich gelernt habe, Aussagen zu hinterfragen.

Und Selbiges habe ich bei der unreflektierten Wiedergabe "einer TU Studie" gemacht. Welche TU (Wien, Dresden)? Aus welchem Jahr? Studienthema? Welche Straßenzüge wurden untersucht?
Bislang habe ich besagte Studie nicht finden können; aber vllt ist sie ja geheim.
Es erscheint mir einfach nicht plausibel, dass von 100 KFZ (näher spezifiziert wurde es ja nicht) nur !14! nicht zum Spaß herumfahren. Was ist denn mit den Kleintransportern, LKW's, Taxis, FZG des öffentlichen Dienstes (keine Öffis, sondern Polizei, Rettung, MA48, etc.), Reisebusse...
Nebenbei: nachdem die Mehrheit berufstätig ist, fahren somit hauptsächlich Pensionisten, Arbeitslose und AD-Mitarbeiter rum; oder wie?

Vllt haben Sie's jetzt verstanden.
P.S.:
Wer nichts weiß, muß alles glauben!

Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

was heißt zu und Ablieferung nimmt ab? glauben sie irgendeine Firma wird Aufträge sausen lassen weil sie jetzt in eine Fußgängerzone liefern muss? Oder wie stellen sie sich das vor? Und zum Berufsverkehr glauben sie irgendwer fährt freiwillig wenn er nicht muss über die Mahü? Ich war 9 Monate bei der Rettung da ist kein Mensch auf die Idee gekommen da zu fahren weils meistens eh verstopft ist und überall Fußgänger auf die Straße springen. Das was sie da reden ist doch reine Fantasie.
Und wo haben sie bitte ihre These her das es wirklich zu mehr Verkehr kommt? Würde mich interessieren weil wenn man sich mit Verkehrsplanung beschäftigt is das genaue Gegenteil der Fall: Die Straße macht den Verkehr. Sprich wenn ich die Möglichkeit habe zu fahren werde ichs tun wenn nicht dann nicht. Is ja nicht so als würde man in Wien außer mit Auto nirgends hinkommen.

Re: Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

die straße macht den verkehr oder ohne straße kein verkehr. alle straßen weg gar kein verkehr - was dann - todesstille ?

Re: Re: Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

sie gscheidling...
angebot schafft nachfrage, schon einmal gehört?

Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

Es ist doch eigenartig, dass sich die Diskussion ständig nur um das Auto dreht - denken Sie doch auch an lebenswerte Zentren in denen sich Menschen ungefährdet treffen und gerne auch einkaufen. Mensch hat auch Füsse bekommen nicht nur zum Gasgeben. Wien lässt sich "ergehen", darum beneiden uns meine Berliner Freunde.

Re: Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

hmm, eigentlich beschreiben Sie den Status Quo der Mahi. Flanieren, Shoppen, ein Kaffeetscherl trinken..... auf Gehsteigen, die jeweils eine (geschätzte) Breite von 8-10 m haben. Viele Fußgängerübergänge damit man entspannt die Seite wechseln kann.
Es gibt mehrere Querungsmöglichkeiten für den Verkehr und jeder halbwegs vernünftige Autofahrer meidet die Gegend, wenn er nicht unbedingt hin muss.
Der grüne Verkehrsdiktator mit Menstruationshintergrund will seinen Willen gegen alle Beteiligten und Betroffenen durchsetzen - sieht nach dem Motto "viel Feind, viel Ehr' aus". In Wahrheit wird ein funktionales System verschlimmbessert. Vllt will sie ja auch die Umbenennung in "MV-Boulevard" durchführen...
Unterm Strich tun mir die Anrainer leid, weil diese mit dem Schwachsinn dann leben müssen. Weniger Autos in Wien bekommen Sie nur geregelt, wenn Sie strikte Anmelde- oder Zufahrtsbeschränkungen einführen. Ist das sinnvoll?

Re: Re: Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

Also ich als Anrainer – der im 6. nahe Westbahnhof wohnt und im 7. nahe Museumsquartier als Selbständiger seinen Betrieb führt – tu mir nicht leid. Ich freue mich ganz im Gegenteil auf die Verkehrsberuhigung und die Rückeroberung des öffentlichen Raumes als Begenungsstätte, weg von einer überfüllten Verkehrskampfstätte – was die Mahü momentan, wie ich aus täglicher Erfahrung weiß, ist. Und der Großteil meiner Kunden sieht das genauso und spart sich bereits jetzt den Streß einer Anfahrt im PKW.

Re: Re: Re: Re: Prestigeprojekt = Schaden für alle

da wünsche ich Ihnen alles Gute und hoffe, der Mehrheit der Anrainer geht es ebenfalls so. Nur dann würden sich die Investkosten wenigstens irgendwie "rechnen".

Aber wohin "verdunsten" die Autos, wenn die MaHi FuZo wird? In die Querstraßen? Oder bleiben die alle am Gürtel bzw. Getreidemarkt?
Aber vllt gehen dann ja tatsächlich alle zu Fuß...

Wie auch immer, mein Stein des Anstoßes ist ja eigentlich die Art & Weise, wie die VK-Stadträtin demokratieresistent über die Betroffenen drüberfährt! Das kostet ja alles auch a bissl von unserem Steuergeld...

wenn sich dieses Bild.....

...auch noch ein bisschen bewegen würde, dann wäre es ein Film geworden!

Re: wenn sich dieses Bild.....

Dann hätte man aber Geld an die darauf erkennbaren Personen abliefern müssen :)

Die Initiative ÖVP

Wenn es nach der ÖVP Innere Stadt gegangen wäre, wäre heute die Kärntnerstrasse "die Verbindung" zwischen N und S, der Graben der schönste Parkplatz Wiens und Wien Innere Stadt die autofreundlichste Region. Möglicherweise hätte man dann Floridsdorf zum Zentrum ernannt und eine Fussgängerzone gemacht. Die Partei liebt die Stadt.

Re: Die Initiative ÖVP

am graben konnte man tatsächlich immer einen parkplatz bekommen - wäre heut auch noch möglich - aber weil überall abgesperrt ist geht das natürlich nicht mehr. daher wirds überall eng und es staut. und daher muss weiter abgesperrt werden damits noch mehr staut ...usw.

Re: Re: Die Initiative ÖVP

vor 40 jahren war der motorisierungsgrad aber auch noch ein anderer.
meine güte, schalten sie doch einmal ihr hirn ein, bei ihren kommentaren laufen mir schauer über den rücken...

Die SCS muss endlich für PKW geöffnet werden!

Weil wenn ich nicht vorm Geschäft parken kann, geh ich dortnicht einkaufen!!!

 
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