Fall Kampusch: Expertenteam sichtet mehr Material

22.02.2013 | 18:43 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Erst „im Frühjahr“ soll die Analyse der behördlichen Methodik im Fall „Natascha Kampusch“ beendet sein. Für Kopfzerbrechen sorgen weiter die Angaben jener Zeugin, die nach wie vor von zwei Tätern spricht.

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Wien. Die am Montag (25.Februar) in Wien stattfindende Weltpremiere des Kinofilms „3096 Tage“ wirft ihre Schatten voraus: Nicht nur auf der Leinwand, auch hinter verschlossenen Türen im Innenministerium wird (erneut) versucht, die Gefangenschaft des Entführungsopfers Natascha Kampusch nachzuzeichnen.

Jenes durch Cold-Case-Spezialisten des amerikanischen FBI und des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA) verstärkte „Operativteam“, das seit Oktober 2012 die bisherige Behördenarbeit analysiert, möchte sich von der durch den Film ausgelösten Nervosität nicht anstecken lassen. Dennoch verzögert sich der Abschlussbericht des Teams weiter. Zuletzt war davon die Rede, dass dieser „Februar, März“ fertig sei. Nun heißt es nur mehr: „Frühjahr“. Grund für die Verzögerung: Immer wieder wird dem FBI und dem BKA von privater Seite stückweise Material übermittelt. Etwa von Karl Kröll, dem Bruder des früheren Kampusch-Chefermittlers Franz Kröll (er beging Suizid). Diese Unterlagen müssen freilich genauso wie alle anderen Akten geprüft werden.

Der Fall Kampusch: Ein Entführungsfall, der nicht zur Ruhe kommt

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Kaum auflösbare Widersprüche

Wie „Die Presse“ aus dem Umfeld des Operativteams erfuhr, sorgt nun bei der Analyse der Tätigkeit von Polizei und Staatsanwaltschaft nach wie vor die Aussage jener Frau für Kopfzerbrechen, die als Zeugin wiederholt gleichlautend ausgesagt hatte, bei der Entführung von Natascha Kampusch am 2.März 1998 zwei Männer gesehen zu haben: Einer sei am Lenkersitz des Entführungsfahrzeuges gesessen, ein anderer habe das damals zehnjährige Opfer in den Laderaum gehoben. Diese Angaben widersprechen der offiziellen Ein-Täter-These (Entführer Wolfgang Priklopil beging nach der Flucht seines Opfers Selbstmord). Diese Zeugin, A., – sie war zur Zeit der Entführung zwölf Jahre alt – hatte später bei einer Gegenüberstellung mit Kampusch laut Aktenvermerk vom 4.Dezember 2009 erstmals ihre Angaben relativiert. Allerdings bekräftigte A. danach bei ihrer ersten von einem unabhängigen Richter vorgenommenen Befragung erneut ihre ursprünglichen Angaben. So gab sie am 29.Juli 2011 im Rahmen eines in Innsbruck geführten Amtsmissbrauchsverfahrens gegen fünf ehemalige Kampusch-Staatsanwälte – dieses ist längst eingestellt – zum Thema „Gegenüberstellung“ etwa dies zu Protokoll: „Ich hatte den Eindruck, dass die Polizeibeamten mich dazu bringen wollten, etwas anderes zu sagen.“ Und sie schloss: „Dass es zwei Täter waren, ist absolut sicher.“

Kampusch selbst meinte wiederholt (etwa bei einer Zeugenvernehmung am 15.Oktober 2009 in Graz): „Ich weiß definitiv, dass nur Herr Priklopil und ich im Auto waren.“ Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat sich in ihrer Einstellungsbegründung des Staatsanwälte-Verfahrens diesem Widerspruch genähert: Ein „Irrtum“ der Zeugin A. sei weder „ausgeschlossen“, noch seien deren „Angaben im Kern von derartiger Konstanz, dass ihre Überzeugung, zwei Täter gesehen zu haben, eine verlässliche Beweisgrundlage bilden könnte.“

Noch immer wird spekuliert, dass Priklopil-Freund Ernst H. zumindest Mitwisser der Entführung sein könnte. Er selbst bestreitet dies. Bisher habe auch das Operativteam „keine Anhaltspunkte für neue Ermittlungen“, heißt es aktuell aus dem Innenressort.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2013)

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22 Kommentare
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jetzt punkt 12 auf rtl

kampusch im interview :-)

Probleme damit?

Sisi: warum hast du mich ausgesucht - steht in keiner akte.
das ist wieder einmal eine neue version - filmversion!
(unten)

Falsch: es steht in den POLIZEI-Akten
und zwar von ANFANG an

25.08.2006 (!) - Quelle: die Zeit
Nach Angaben von Kampusch hatte Priklopil sie GEZIELT als Opfer ausgesucht. Das sagte die junge Frau der POLIZISTIN, die sie nach ihrer Flucht betreute. »Wenn es nicht an diesem Tag gelungen wäre, dann bei einer anderen Gelegenheit«, gab die Beamtin die Angaben im österreichischen Fernsehen (= ORF) wieder.

Die Polizistin schilderte Natascha als »hoch intelligent und gebildet«, sie könne sich sehr gut artikulieren.

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Re: Probleme damit?

http://www.20min.ch/kampusch/

mfg
Sisi

nein gar nicht

Wo soll da ein Problem sein?
Dort hauen sie sich ja alle freiwillig auf die Seite vom Neonazi Priklopil. Und nachdem sie über IHN und SIE vorgeben alles zu wissen und überall dabei waren, wird ihnen die Müffelecke beim Priklopil schon sympathisch sein.

ZITAT: Franz Kröll, wagt zu behaupten: «Ich glaube, dass der Vater der Priklopil ist.» Das Kind sehe diesem ähnlich, behauptet er in "Bibi, Wolfi und das Kind". Zeugen sprechen von Liebe. Ist daraus ein gemeinsames Kind entstanden? Es gibt Hinweise.

http://www.20min.ch/kampusch/

Die Videos funzen noch.
*sabber*

*lach* *lach* *lach*

Wir haben mitgelitten...

Heute ist sie eine Gefangene ihres ver/Schweigens. Aber auch die zielbewusste Komplizin der verdrängten Wahrheit. Einige Leute wissen aber ganz genau, wo/wie die Geschichte einmal begann. Ein Wirtshaus im 22., Priklopil war dort leidenschaftlicher S.-Automatenzocker. Die Natascha kam mit ihrem Vater regelmäßig in diese Gaststätte. Er belieferte die Einkehrstätte mit Backwaren. Natascha hockte inzwischen direkt an der Theke auf dem Barhocker. Hab einmal sogar mit ihr geplaudert. Priklopil spielt seinen Affen runter und verschwindet. Irgendwann ist ihm die „zuckerlsüße“ Kleine wahrscheinlich aufgefallen. Dort begann alles-da bin ich mir hundertprozentig sicher. So war die Realität.


„Unschuldsengel“ im Teufelsmoor

Die Geschichte erinnert mich frappierend an den Lütgendorf: Der hat auch zu viel gequatscht und weg war er. Ist bis heute nicht geklärt: Wie der wirklich zu Tode gekommen ist.
Auch der „fragwürdige“ Suizid des Ermittlungsbeamten sollte wohl Vor-Warnung für alle (...) sein.
Wette meinen Kopf, die Natascha und ihre Familie werden aufs massivste von außen bedroht. In dem Fall ist Schweigen wahrscheinlich wirklich Gold und Reden ein (aus dem Hinterhalt abgefeuertes) Bleikügelchen.

http://www.oe24.at/oesterreich/chronik/Natascha-Kampuschs-Vater-rechnet-mit-Buch-ab/95888343

..ja darf der das ? --die eigene tochter für unehrlich halten ?

der schreibt sich noch um Kopf und Kragen

Ihr "Vater" bringt gerade "aus Liebe zu ihr" ein neues Buch auf den Markt, in dem er sich um Kopf und Kragen schreibt und für ein paar Euro seine eigene Tochter MASSIV anschüttet –

basierend auf Polizeiakten, die absolut nicht neu, sondern von Anfang an (seit ihrer Flucht) bekannt sind. Offenbar tut der für ein paar Euro wirklich alles.

"Warum hast du mich ausgesucht?", fragt Natascha Kampusch, als sie neben ihrem Entführer Wolfgang Priklopil auf dem Bett sitzt. "Ich hab dich lächeln sehen", lautet seine Antwort. (ORF)

WO hat der Täter sie wann gesehen und WER war dabei? Das Kind war nie allein.
.

0 1

Re: der schreibt sich noch um Kopf und Kragen

warum hast du mich ausgesucht - steht in keiner akte.

das ist wieder einmal eine neue version - filmversion!

Re: der schreibt sich noch um Kopf und Kragen

"offenbar tut der für ein paar euro wirklich alles" --------------
hiefür haben die behörden und NK mit ihren vertretern/beratern aber auch eine super-grundlage geschaffen :)

Wir haben mitgelitten...

Heute ist sie eine Gefangene ihres ver/Schweigens. Aber auch die zielbewusste Komplizin der verdrängten Wahrheit. Einige Leute wissen aber ganz genau, wo/wie die Geschichte einmal begann. Ein Wirtshaus im 22., Priklopil war dort ein leidenschaftlicher S.-Automatenzocker. Die Natascha kam mit ihrem Vater regelmäßig in diese Gaststätte. Er belieferte die Einkehrstätte mit Backwaren. Natascha hockte inzwischen direkt an der Theke auf dem Barhocker. Hab einmal sogar mit ihr geplaudert. Priklopil spielt seinen Affen runter und verschwindet. Irgendwann ist ihm die „zuckerlsüße“ Kleine wahrscheinlich aufgefallen. Dort begann alles-da bin ich mir hundertprozentig sicher.


Nur Kampusch selber....

könnte dem Spuk ein jähes Ende bereiten, wenn Sie endlich Klartext sprechen würde. Warum tut sie es nicht? In wessen Interesse liegt es, dass sie es NICHT tut?

4 10

Lasst Frau Kampusch in Ruhe

Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, warum noch immer an diesem Akt gearbeitet wird.
Frau Kampusch hat es überlebt, der Täter- oder Mittäter ist tot. Ende der Debatte.
Man kann die Zeit nicht zurückdrehen.

Das Geld, dass diese ewigen Neuaufrollungen kosten und nichts bringen, kann besser investiert werden.


eine Entschuldigung beim Opfer

wegen der Polizeifehler wäre sehr viel billiger gewesen.

Aber diese Größe haben die Schlamperer bei der Polizei und ihre Vertuscher in der POLITIK nicht gehabt.

eine 10jährige ist kein Baby

"komm steig ein", dann Tür zu, rund um den Kastenwagen gehn, Fahrertür auf, umständlich einsteigen, der Prikopil sieht mir nicht nach Sportler aus, und losfahren.

Die bleibt nur ruhig sitzen wenn sie den Fahrer kennt oder bereits gefesselt und geknebelt ist - aber das braucht Zeit, Zeit die vor einer Schule mit vielen Passanten sicher nicht gegeben ist.

Also ich weiß nix, aber dass das so einfach allein über die Bühne gegangen ist, kann ich nicht glauben.

Blödsinn: SIE war nicht das erste

und auch bei weitem nicht das einzige Kind, das genau so verschleppt wurde.

Dem Priklopil hat das schon der Dutroux vorgeturnt, alle Zeitungen waren voll damit

Am 28. Mai 1996 entführte Dutroux die zwölfjährige (!) Sabine Dardenne, indem er sie in seinen Transporter zerrte – auf dem Schulweg …. Der Entführer fuhr mit dem Kind zu seinem Wohnhaus nach Charleroi und sperrte es in ein Kellerverlies. Dort überlebte das Mädchen 80 Tage.

Der zehnjährige (!) Mirco wurde am 3. September 2010 von seinem Entführer in sein Auto verfrachtet und nachher umgebracht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fall_Mirco

Ist doch keiner da oben an einer Aufklärung wirklich interessiert im Gegenteil....

Warum wohl?

9 0

Feurstein darf auch noch mal ran ....

ORF - verzapfte schon wieder Kampusch-Thema-Sendung.


21 2

Ein mieser Film

Wird auch mit versteckter Reklame nicht besser.

Re: Ein mieser Film

wo und wann haben Sie den Film schon gesehen, dass Sie behaupten können:
"Ein mieser Film."?
Eher ist Ihr posting mies zu nennen.

Holzapfel ...

... weiß bestimmt sehr viel mehr. Man muss sich halt die Mühe machen und genau nachfragen.

aus dem Umfeld des Operativteams ...

*lol*
Eine SERIÖSE Quelle tät sich nicht zu verstecken brauchen, Kasperl.

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