Verkehrsamt: Zu viel Geld für Kennzeichen verlangt

22.03.2013 | 17:32 |  von Eva Winroither (Die Presse)

Im Gebäude des Wiener Verkehrsamts werden Autofahrer in die Irre geführt. Sie zahlen dort 58 Euro statt 18 für verlorene Nummernschilder.

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Wien. Dass Autofahrer ihre Nummernschilder verlieren, kommt immer wieder vor. Nicht klar ist allerdings, warum ausgerechnet im Gebäude des Wiener Verkehrsamts, einer Behörde, für ein neues Nummernschild um 40 Euro mehr verlangt wird als in allen Zulassungsstellen der Stadt.

Diese Frage stellte sich auch die Wienerin Anna Berger (Name geändert), als sie im Verkehrsamt um ein neues Nummernschild ansuchen wollte. „Da müssen Sie zum Schalter ins Foyer gehen“, sagte die Frau an einem der Schalter. Dort wiederum sitzt Ernst B. – er stellt sich ihr als „Inspektor“ vor – so steht es auf seiner Visitenkarte.
Und er verlangt für die gewünschte Dienstleistung 58 Euro. Zu ihrem Glück hat sie nicht alles dabei, was sie zum Einreichen braucht – und wird wieder heimgeschickt. Kurz darauf erfährt sie von einem Mechaniker, dass neue Nummernschilder laut Gesetz nur 18 Euro kosten dürfen. Der Preis wurde 1999 im Zuge der Privatisierung von Zulassungen festgelegt.

Der Mann im Foyer des Verkehrsamtes ist, wie sich nach „Presse“-Recherchen herausstellt, ein Mitarbeiter der Versicherung „Wiener Städtische“. Als solcher gibt er sich allerdings nicht zu erkennen. Über seinem Tisch hängt zwar ein Schild von der Decke, auf dem „Versicherungsberatung“ steht – im gleichen Layout wie alle anderen Schilder im Amtsgebäude. Neben B. sitzt eine Mitarbeiterin des Maklerbüros Schmidl, auch bei ihr ist lediglich „Versicherungsberatung“ angeschrieben. Als Kunde hat man den Eindruck, dass die beiden zusammengehören. „Es ist egal, ob sie zu Frau S. oder zu mir gehen“, sagt B., als sich die „Presse“ anonym von ihm beraten lässt. „Das kostet überall 58 Euro.“ Erst als er darauf angesprochen wird, dass eine Nummerntafel nur 18 Euro kosten darf, klärt er auf. Bei den 40 Euro handle es sich um „Spesen“.

40 Euro für kurzen Gehweg

Seit 1999 werden Nummerntafeln nicht mehr beim Verkehrsamt ausgestellt – stattdessen betreiben Versicherungen mehr als 100 Zulassungsstellen in Wien. Versicherungsmitarbeiter Ernst B. kann im Verkehrsamt also nur ein Service anbieten, nämlich selbst in eine Zulassungstelle zu gehen, um die Kennzeichen zu besorgen. Die nächste Zulassungsstelle ist vom Verkehrsamt fünf Gehminuten entfernt – und dort würde das Abholen den Kunden 18 Euro kosten. „Der Ersatz von verlorenen Kennzeichen gehört nicht zu den Aufgaben von Maklern, Außendienstmitarbeitern oder Versicherungsagenten. 15 bis 40 Euro Spesen sind gerechtfertigt“, sagt Brigitte Kreuzer vom Fachverband der Versicherungsmakler der Wiener Wirtschaftskammer. Völlig inakzeptabel sei es aber, wenn jemand vorher nicht über diese Kosten informiere. Ernst B. hat das nicht getan. Weder bei Anna Berger noch beim anonymen Test der „Presse“. Was seinen Fall verschärft: „Unsere Mitarbeiter dürfen keine Sonderleistungen verrechnen. Wir haben nicht einmal eine Rechnungsvorlage dafür“, sagt sein unmittelbarer Vorgesetzter, Gebietsleiter Michael Zehethofer, als ihn „Die Presse“ mit ihren Recherchen konfrontiert.

Das Verkehrsamt selbst geht auf Distanz. „Der Eingangsbereich ist nicht Teil von uns“, sagt Amtsleiter Bernhard Wesiak. Der Besitzer des Gebäudes sei die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) und die suche sich ihre Mieter selbst aus. Wieso seine Mitarbeiter dorthin verweisen? „Das sollte nicht sein“, sagt er. Der Besitzer des Maklerbüros Schmidl legte am Telefon auf, als „Die Presse“ ihn mit dem Fall konfrontieren wollte. Ernst B. verwies auf seinen Chef Michael Zehethofer. Der wiederum kündigte Konsequenzen an: „Das gehört untersucht.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.03.2013)

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40 Kommentare
 
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Das ist Betrug

in meinen Augen.

Da wird der Kunde betrogen und die AK könnte sich ruhig um solche Dinge kümmern und ich bin sicher, da gibt es noch mehr auf diesem Sektor.

schlecht, schlecht, schlecht ...

Ich weiß zwar nicht, wem hier am Zeug geflickt werden soll, aber eines ist offensichtlich - die Falschinformation der "die Presse". Ein verlorenes Kennzeichen kostet dem Zulassungsbesitzer neben einigen unbedingten Schritten natürlich auch eine Gebühr. Und das sind nicht 18,- Euro, sondern jedenfalls 19,45. Vergessen wurde bei der Recherge auf das "Pickerl" gem. §57a ...

In diesem Licht, sehe ich für mich persönlich, auch den übrigen Wahrheitsgehalt dieses Artikels.

Re: schlecht, schlecht, schlecht ...

Sehr geehrter User Grummelbummel,

vielen Dank für Ihr Posting. Sie haben natürlich recht, in den meisten Fällen kommt noch eine Gebühr für die Erneuerung der Begutachtungsplakette hinzu. Diese beträgt 1,45 Euro. Nur ist es so, dass diese Erneuerung nicht immer verlangt wird. Wer etwa sein Nummerschild durch einen Parkschaden verliert und deswegen ein neues Kennzeichen beantragen muss, weil das alte verbogen vor seinem Auto liegt, zahlt nur 18 Euro. Die Gebühr für eine neue Begutachtungsplakette fällt nämlich weg, weil keine neue Kennzeichennummer beantragt werden muss. Daher ist es richtig zu schreiben, dass neue Nummernschilder 18 Euro kosten. Das ist ihr Preis, daran ändert sich nichts. Sie haben aber recht, dass es dem Leser wohl noch mehr Nutzen gebracht hätte, wenn ich die 1,45 Euro Gebühr für die Begutachtungsplakette noch extra angeführt hätte.

Mit den besten Grüßen
Eva Winroither

Die Frage ist doch...

... mit wem der glückliche Be"sitzer" dieses Schalters im Verkehrsamt die 40 Euronen abteilen darf. Der sitzt doch sicher nicht umsonst dort...

klarer fall

für die korruptionsstaatsanwaltschaft !

Re: klarer fall

Wozu bestellen SPÖ+ÖVP Staatsanwälte, Richter, Polizei, ORF usw. mit ihren Parteigünstlingen?

Das Prüfergebnis kenne ich schon: "Es ist nicht verboten für Kennzeichen mehr zu bezahlen".

"Jedermann hätte auch den anderen Schalter benützen können".......

"Das Verkehrsamt selbst geht auf Distanz."

....schickte zwar jahrelang die Leute dort hin - wahrscheinlich aus reiner Gefälligkeit - aber weiß eigentlich gar nicht so genau wer da im Eingangsbereich sitzt - das ist ja schließlich nicht seiner... und das bei der Städtischen...wie lieb!
so ähnlich monopolisiert läufts übrigens in den Wr. Pensionistenheimen mit Bank- und Versicherungsdienstleistungen - dort ist es noch verwerflicher bei den alten Leuten die sich tw. nicht auf einem Marktangebot umschauen können. Und früher war - natürlich auch zufällig - bei der Wohnungsvergabestelle von Wiener Wohnen auch gleich eine eingemietete Kleinfiliale der Bank Austria dabei wo man die neuen Mieter gleich rüberschicken konnte - wie gesagt auch rein zufällig, und möglicherweise "historisch so gewachsen" aus Zentralsparkassa-Zeiten...

gelebte Sozialdemokratie in Wien in Reinkultur

Wie würde die Innemninisterin dazu sagen?

"Die geltenden Gesetze wurden eingehalten".

Änderungen

Also wenn das so weitergeht, die gehören ja alle......ich mag's garnicht sagen. Schön langsam wird's wie im Orient.

im roten wien gehts rund!

ein skandal nach dem anderen: zuerst wiener wohnen, jetzt verkehrsamt.

was kommt noch???

zeit wirds, die roten aus den ämtern zu verjagen - was da noch unter den roten teppichen schlummert?????

Re: im roten wien gehts rund!

damals hat einer sie aus dem tempel verjagt - jetzt sind die wegelagerer wieder drin !

Zustände wie in Nordkorea & Co

So lange wir weiterhin SPÖ+ÖVP wählen wird sich daran auch nichts ändern.

SPÖ+ÖVP haben sich den Staat untereinander im Proporz aufgeteilt.

Parteigünstlinge werden lebenslang versorgt, arm und arbeitslos werden nur Leute in der Privatwirtschaft.

Re: Zustände wie in Nordkorea

proporz lt. farkas def.: wie du dir, so ich mir. 70 jahre hat der spruch am buckel, immer noch aktuell.

100% richtig!

Wenn wir weiterhin 70 Jahre lang SPÖ+ÖVP wählen, wird sich weitere 70 Jahre nichts ändern!


Kleine Rechnung

Interessant wäre es, die Frage zu klären, wieviele Nummerntafeln im Durchschnitt pro Tag augegeben wurden. Nimmt man die fiktive Zahl 10 an, so ergebe das ganze 400 Euro Körberlgeld/ Tag, somit 2000 Euro /Woche und satte 8000/ Monat. Gesetz des Falles, dass wirklich keine Verkehrsamtmitarbeiter geschmiert werden mussten und die Wiener Städtische keinerlei Abgaben von Herrn Inspektor B verlangte ( weil nicht sein kann, was nicht sein darf) , so gehört dieser Mann eindeutig zu den Großverdienern dieses Landes.- Am Montag schicke ich mein Bewerbungsschreiben an die Wiener Städtische! :)))

Re: Kleine Rechnung

Sie glauben doch nicht wirklich, dass Ihnen in diesem Sumpf dieser Betrag uebrigbleibt. Da haengen doch ueberall Blutegel an Ihnen, Verkehrsamt, Versicherung, etc.

pülcher und verbrecher überall!

wobei der arme bedienstete sicher nicht der schuldige ist. die sitzen sicher in höheren regionen!

Ist ein glatter Betrug


mit Förderung des roten wiener Verkehrsamtes!


Re: Ist ein glatter Betrug


Der "Aufschlag" wird sicher nicht dem Finanzamt gemeldet...

Wie mein Vater immer sagte:

Versicherung ist staatlich legalisierte Abzocke (er verwendete ein älteres Wort, das isch hier nicht schreiben möchte).
Und Versicherungsmakler handeln noch damit.

Re: Wie mein Vater immer sagte:


Das hat mit Versicherungen überhaupt nichts zu tun!

Die Personen kenne ich selbst schon seit 20 jahren dort!

Rote Freunderl eben, die Ahnungslose dort abzocken!

Das war am Verkehrsamt schon immer so!

Ich erinnere nur an den großen Bestechungsskandal am Verkehrsamt!

Dort haben immer Alle die Hand aufgehalten, am roten Bazar!


Das hat mit 'Versicherungen nichts zu tun

"Versicherungsmitarbeiter Ernst B. kann im Verkehrsamt also nur ein Service anbieten, nämlich selbst in eine Zulassungstelle zu gehen..."

Das hat mit Versicherungen ÜBERHAUPT nichts zu tun??????

Ob der VERSICHERUNGSMITARBEITER rot, schwarz oder lila ist, hat mit dem Thema nichts zu tun.

Re: Das hat mit 'Versicherungen nichts zu tun


Eine Zulassungsstelle ist ein Amt, auch wenn sie in den Räumlichkeiten einer Versicherung ist!

Die machen auch nicht nur ihre Zulassungen, man kann bei jeder Zulassungsstelle jedes Auto,mit jeder Versicherungsbestätigung zulassen!

Das ist übrigens das einzige Service wo wir in Österreich allen anderen Ländern überlegen sind!

In GB ist es vielleicht noch einfacher, da reicht ein Anruf bei der Versicherung!


Re: Re: Das hat mit 'Versicherungen nichts zu tun

Sie weichen aus. Sie behaupten weiter oben eine rote Freunderlwirtschaft und erklären uns, ein versicherungsmitarbeiter hätte mir der Versicherung gar nichts zu tun und er müsse in die Zulassungstelle in der Versicherungsfiliale gehen, die aber ein Amt ist .....

Ein völlig logischer Gedankenfluss.

Re: Re: Re: Das hat mit 'Versicherungen nichts zu tun


Das sind "Makler", die in dem Amtsgebäude sitzen und unwissende Kunden abzocken!

Aber nicht mit der Versicherung für das Auto sondern mit der Anmeldung und eben mit dem "Kennzeichenverlust"!

Das hat mit Versicherungen praktisch nichts zu tun!

Die geben sich dort mithilfe des Verkehrsamtes als Beamte aus!

Das sind keine Versicherungsangestellte!

Keine Versicherungsgesellschaft hat was von denen außer eine negative Presse!


Re: Re: Re: Re: Das hat mit 'Versicherungen nichts zu tun

"Der Mann im Foyer des Verkehrsamtes ist, wie sich nach „Presse“-Recherchen herausstellt, ein Mitarbeiter der Versicherung „Wiener Städtische“"
Die Maklerin sitzt daneben.

Und wenn schon, Versicherungsmakler oder roter Makler?

 
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