Open Data: Wiener Linien halten Daten zurück

29.03.2013 | 10:52 |  von ERICH KOCINA (Die Presse)

Wiens Verkehrsdienstleister will keine Daten für Handy-Apps bereitstellen. Nun soll eine Petition politischen Druck auf die Wiener Linien erzeugen.

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Wien. Wien ist eine Stadt, die ihre Daten offenlegt – die Lage von Spitälern, Ambulanzen, öffentlichen Toiletten für interaktive Stadtpläne, aber auch Datensätze aus Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik werden online zur Verfügung gestellt – und dürfen von Software-Entwicklern für ihre Programme genützt werden. Eines der für die Bevölkerung präsentesten städtischen Unternehmen weigert sich aber beharrlich, Daten zur Verfügung zu stellen: die Wiener Linien.

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Gerade Echtzeitdaten der Verkehrsbetriebe ließen sich für viele Anwendungen nutzen – etwa für eine App, mit der man je nach Standort abfragen könnte, welche öffentlichen Verkehrsmittel man nutzen kann, inklusive Berechnung der Gehzeit zur nächsten Station. Und es ist auch der Bereich, aus dem sich die meisten Entwickler Daten wünschen – eine Umfrage der Stadt Wien im Sommer 2011 ergab, dass sich 90 Prozent der Teilnehmer Daten aus dem Bereich Verkehr zur Erstellung von Applikationen wünschen.

 

Angst vor Hackern

Die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger kündigte damals an, die Wünsche der Open-Data-Community bei der nächsten Erweiterung des Datenkatalogs zu berücksichtigen. Passiert ist seither allerdings nicht viel. Nach wie vor wiegeln die Wiener Linien bei der Datenfreigabe ab. Einmal hat man Angst, ein Einfallstor für Hacker zu öffnen, die dann auf sensible Bereiche zugreifen könnten. Ein anderes Mal zweifelt man, ob die Entwickler ihre Apps korrekt aktualisieren – und dass am Ende viele unzufriedene User stünden.

„Es ist ein langfristiger Prozess“, sagt Wiener-Linien-Sprecher Dominik Gries. Klar sei, dass es Diskussionsbedarf gebe. „Aber wir tun uns schwer zu sagen, da habt ihr die Daten, macht damit, was ihr wollt!“ Dabei gehe es etwa um rechtliche Vereinbarungen, die garantieren sollen, dass die Apps immer aktuell sind. Denn die Unzufriedenheit der Kunden bei Nichtfunktionieren, so Gries, würde dann doch wieder auf die Wiener Linien zurückfallen.

Bei den Entwicklern von Apps wächst nun die Ungeduld. Sie wollen nicht länger warten, bis die Wiener Linien sich zur Freigabe von Echtzeitdaten, Haltestelleninfos oder Linienplänen durchringen können. Mithilfe des neu geschaffenen Petitionsrechts will man das Tempo erhöhen. Die Wiener Entwickler Patrick Wolowicz und Robert Harm haben über die Website www.offene-oeffis.at innerhalb von fünf Tagen bereits die 500 nötigen elektronischen Unterschriften gesammelt, damit das Thema im Petitionsausschuss des Landtags behandelt werden muss.

„Zahlreiche Verkehrs-Apps wären sofort einsatzbereit, wenn die Daten da wären“, sagt Harm. Und er verweist auf Anwendungen, die bereits jetzt auf Daten der Stadt basieren – von der „Toilet Map“ bis zu Baumvisualisierungen, die auf dem Baumkataster der Stadt beruhen. „Seit eineinhalb Jahren wird Open Data von der Stadt Wien gelebt“, meint Harm. „Die Wiener Linien haben sich bis jetzt leider nur ansatzweise beteiligt.“

Immerhin, Ende Jänner gab es bereits ein sogenanntes „Create Camp“, bei dem die Wiener Linien den Entwicklern zwei Tage lang unter Laborbedingungen Zugriff auf ihre Daten ermöglichten.

Doch nach wie vor schreckt man davor zurück, Daten zur Verfügung zu stellen. Ein Aspekt dabei mag auch sein, dass man mit „Quando“ bereits eine eigene Anwendung betreibt. „Mit der ist gewährleistet, dass unsere Standards eingehalten werden“, sagt Gries.

 

Stärkerer Druck aus dem Rathaus

Im Büro von Stadträtin Frauenberger rühmte man sich am Dienstag in einer Aussendung, dass man bereits 170 Datensätze veröffentlicht habe, auf denen derzeit 80 Apps aufbauen. Am Donnerstag will man auch eine Studie zur Evaluierung der „Open Government Plattform Wien“ vorstellen – jener Website, über die Daten der Stadt zugänglich gemacht werden. Und über kurz oder lang, das sei klar, müssten auch die Daten der Wiener Linien öffentlich gemacht werden, so eine Sprecherin. „Aber das ist ein Schritt, den die Wiener Linien machen müssen. Wir können das technisch nicht beurteilen.“

Die aktuelle Petition könnte aber Bewegung in die Sache bringen. „Das ist natürlich ein Ruf der Bürger“, heißt es aus Frauenbergers Büro. „Und wir sehen das schon auch als Wunsch, stärker auf die Wiener Linien einzuwirken.“ Sollte der Druck aus dem Rathaus stärker werden, werde man sich dem bei den Wiener Linien nicht verschließen. „Wenn es eine politische Entscheidung gibt“, so Sprecher Gries, „dann werden wir der als Unternehmen im öffentlichen Eigentum auch folgen.“

Auf einen Blick

Open Data: Die Stadt Wien hat auf der Website http://data.wien.gv.at rund 170 Datensätze öffentlich gemacht, die externe Entwickler für Apps nutzen können. Die Wiener Linien geben ihre Daten jedoch noch nicht frei. Mit einer Petition (www.offene-oeffis.at) wollen Entwickler nun die Freigabe der Daten erzwingen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2013)

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54 Kommentare
 
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Die Wr.Linien

sind der größte Staat im Staat und daher haben sie kein Interesse best gehütete rote Staatsgeheimnisse preis zu geben. Die sind eine geschützte geschlossene Gesellschaft. Hier wird nur mit drohen und Einschüchtern gearbeitet sonst würde der straff geführte Betrieb nicht so funktionieren. Das alle 3-4 Minuten eine U-Bahn fährt, hat schon seine Hintergründe.Mit einem locker geführten Personal geht das sicher nicht.

Mittelalter.


Kein Wunder

Rote Krake!

Quando & Abfahrtsanzeige in den einzelnen Haltestellen

Entschuldigung, aber das ist ja doch totaler Schrott: wenn es wirklich mal nachvollziehbare Anzeigen gibt (nicht "bitte Fahrplanaushang berücksichtigen" - ist ja bei Schlechtwetter aber auch bei Normalverhältnissen schon fast Standard -) stimmen die angegebenen Daten oft nicht mit den Tatsachen überein. Das wird auch der Grund sein, dass man die Daten nicht noch weiter veröffentlichen bzw. bekanntmachen will.

Sucht

Wie eine Droge! Alles was nicht sofort und gleich abrufbar ist, ist eine Katastrophe!
In den öffentlichen Verkehrsmitteln kann man die Süchtigen gut beobachten. Was wären die wohl ohne ihr Mobiltelefon und ohne die Möglichkeit in sehr kurzen Abständen immer wieder drauf zu schauen? Passabel, um sich selbst unter Druck zu setzen und ein Massenphänomen, das die Soziologen interessieren wird.
Ist man den Gesprächen ausgesetzt, dann entsteht der Eindruck daß in vielen Fällen ärztliche Hilfe Not tut! Bei den meisten dieser bedauernswerten Menschen muß der Leidensdruck sehr hoch sein.

Re: Sucht

Da fühlen sich wohl ein paar angesprochen...

Demnächst wird der Dampfantrieb wieder eingeführt

Rückständiger geht´s nimmer. Die Öffis aller Städte der Welt sind googelbar, nur die wiener Betonbeamten hüten das "Geheimnis". Man soll´s halt den Touristen a Bissl schwerer machen.

Re: Demnächst wird der Dampfantrieb wieder eingeführt

also es geht ums "googlebar" das ist die wahre Erlösung aller Menschen .....

die Wiener Linien sollen einfach die Apps zur Verfügung stellen und ihre Sicherheit darin gut verpacken, aber dass alles und jedes "googlebar" sein muß ist auch nicht das absolute MUSS!

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Zuständig Sandra Frauenberger

Warum fällt mir da immer der Spruch ein "Blödheit regiert die Welt".

Re: Zuständig Sandra Frauenberger

die erfüllt in einer Person mindestens 3 Quoten

Gibt es von der ÖBB

auch die Zugsbewegungen.

Da die Wiener Linien der größten

mafiaartigen Struktur Europas angehört, werden die schon ihre Gründe haben ;-)

Re: Da die Wiener Linien der größten

Das ist aber schon ein bisserl blöd gell???

fahren ist wichtiger

Dringend wäre ein deutliche Verdichtung der Intervalle der Busse am Stadtrand der Bezirke 13 bis 17 und 21 und 22. Zwei Mal pro Stunde fahren ist ein Witz!

Re: fahren ist wichtiger

Dann müssen Sie eben auf ein Fahrrad umsteigen. Wird hierorts von einer großen Zahl an Velozipedterroristen und pathologischen Weltverbesserern empfohlen.

Re: fahren ist wichtiger

wie schon einmal kommentiert, fällt schon der bereich zwischen großjedlersdorf und siemensstraße bahnhst lt wiener linien unter 'peripheres randgebiet', weswegen man dort buslinien im lauf des tages an- und abstellt und sinnlos in riesen schleifen fahren lässt, damit man sie als bahnfahrer nicht nutzen kann.
was glauben sie, was die von ihnen beschriebenen gebiete erst sind? :)
aber zu bedenken geben möchte ich schon, dass man mit seinen 2€ fahrschein oder 1€/tag jahreskarte die verdoppelung von bussen, fahrern etc., die dann leer spazieren fahren, eher NICHT bezahlt. dem steht natürlich wieder gegenüber, dass angebot auch nachfrage schafft.

Re: Re: fahren ist wichtiger

Zentralisten kennen STERNVERKEHR. Weltweit die gleichen Dolm: sie haben ihr Büro im Zentum und ihre Datscha im Grünen. Das ist die einzig gültige Welt.

Re: fahren ist wichtiger

oder vielleicht einfach ein auto kaufen?

schlecht recherchiert

es gibt eine App. Quando - funktioniert auch ganz gut. Das grundsätzlich starre Verhalten der Wiener Linien ist ja nicht - wenn auch verabscheungswürdig - nicht neu. Beamtenmikado eben: wer sich zuerst bewegt hat verloren.

Re: schlecht recherchiert

Schlecht recherchiert oder schlecht gelesen - im Artikel wird Quando sogar erwähnt...

Re: Re: schlecht recherchiert

Danke für den Hinweis - übersehen :-)

Re: schlecht recherchiert

Schlecht gelesen - im Artikel wird ja explizit auch Quando erwähnt
"Ein Aspekt dabei mag auch sein, dass man mit „Quando“ bereits eine eigene Anwendung betreibt."

Vielleicht zuerst den Artikel lesen und dann erst gegen die Redaktion stänkern? ;-)

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Ausreden

Die IT der Stadt Wien hat Angst vor einem Hackerangriff oder unsauberer Programmierung? Wer soll denn so was glauben? Das Rathaus plant vielmehr, die begehrten Daten zu VERKAUFEN.

Übrigens ist die Linz AG auch in anderer Hinsicht vorbildlich.

In Linz kostet der Einzelfahrschein 2 € und die 24-Stunden-Karte 4 €. Da fällt einem die Entscheidung leicht.
Nicht so wie in Wien, wo man x Möglichkeiten hat: Einzelfahrschein für 2 Fahrten, ab 3 Fahrten wirds billiger, wenn man die 8-Tage-Umweltkarte nimmt, aber nicht, wenn man am nächsten Tag auch nochmal fahren will, dann ist womöglich die 24-Stunden-Karte günstiger. Oder doch die 48-Stunden-Karte?!

Linz AG macht glücklich!

Re: Übrigens ist die Linz AG auch in anderer Hinsicht vorbildlich.

kriegt man ja auch ein gigantisches netz geboten für die 4€. sogar ubahn kann man fahren in der linzer donaumetropole!

Re: Re: Übrigens ist die Linz AG auch in anderer Hinsicht vorbildlich.

Ich glaub es geht nicht um das Preis-Leistungsverhältnis, sondern um die Preisstruktur. Es gibt Studien, die zeigen, dass zu viel Entscheidungsfreiheit unzufrieden macht, besonders wenn sich die Möglichkeiten nicht klar unterscheiden. Dann denkt man immer "Hmm, hab ich mich wirklich richtig entschieden?" und das macht unglücklich...

 
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