Open Data: Wiener Linien halten Daten zurück

Wiens Verkehrsdienstleister will keine Daten für Handy-Apps bereitstellen. Nun soll eine Petition politischen Druck auf die Wiener Linien erzeugen.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Wien ist eine Stadt, die ihre Daten offenlegt – die Lage von Spitälern, Ambulanzen, öffentlichen Toiletten für interaktive Stadtpläne, aber auch Datensätze aus Bevölkerungs- und Wirtschaftsstatistik werden online zur Verfügung gestellt – und dürfen von Software-Entwicklern für ihre Programme genützt werden. Eines der für die Bevölkerung präsentesten städtischen Unternehmen weigert sich aber beharrlich, Daten zur Verfügung zu stellen: die Wiener Linien.

Gerade Echtzeitdaten der Verkehrsbetriebe ließen sich für viele Anwendungen nutzen – etwa für eine App, mit der man je nach Standort abfragen könnte, welche öffentlichen Verkehrsmittel man nutzen kann, inklusive Berechnung der Gehzeit zur nächsten Station. Und es ist auch der Bereich, aus dem sich die meisten Entwickler Daten wünschen – eine Umfrage der Stadt Wien im Sommer 2011 ergab, dass sich 90 Prozent der Teilnehmer Daten aus dem Bereich Verkehr zur Erstellung von Applikationen wünschen.

 

Angst vor Hackern

Die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger kündigte damals an, die Wünsche der Open-Data-Community bei der nächsten Erweiterung des Datenkatalogs zu berücksichtigen. Passiert ist seither allerdings nicht viel. Nach wie vor wiegeln die Wiener Linien bei der Datenfreigabe ab. Einmal hat man Angst, ein Einfallstor für Hacker zu öffnen, die dann auf sensible Bereiche zugreifen könnten. Ein anderes Mal zweifelt man, ob die Entwickler ihre Apps korrekt aktualisieren – und dass am Ende viele unzufriedene User stünden.

„Es ist ein langfristiger Prozess“, sagt Wiener-Linien-Sprecher Dominik Gries. Klar sei, dass es Diskussionsbedarf gebe. „Aber wir tun uns schwer zu sagen, da habt ihr die Daten, macht damit, was ihr wollt!“ Dabei gehe es etwa um rechtliche Vereinbarungen, die garantieren sollen, dass die Apps immer aktuell sind. Denn die Unzufriedenheit der Kunden bei Nichtfunktionieren, so Gries, würde dann doch wieder auf die Wiener Linien zurückfallen.

Bei den Entwicklern von Apps wächst nun die Ungeduld. Sie wollen nicht länger warten, bis die Wiener Linien sich zur Freigabe von Echtzeitdaten, Haltestelleninfos oder Linienplänen durchringen können. Mithilfe des neu geschaffenen Petitionsrechts will man das Tempo erhöhen. Die Wiener Entwickler Patrick Wolowicz und Robert Harm haben über die Website www.offene-oeffis.at innerhalb von fünf Tagen bereits die 500 nötigen elektronischen Unterschriften gesammelt, damit das Thema im Petitionsausschuss des Landtags behandelt werden muss.

„Zahlreiche Verkehrs-Apps wären sofort einsatzbereit, wenn die Daten da wären“, sagt Harm. Und er verweist auf Anwendungen, die bereits jetzt auf Daten der Stadt basieren – von der „Toilet Map“ bis zu Baumvisualisierungen, die auf dem Baumkataster der Stadt beruhen. „Seit eineinhalb Jahren wird Open Data von der Stadt Wien gelebt“, meint Harm. „Die Wiener Linien haben sich bis jetzt leider nur ansatzweise beteiligt.“

Immerhin, Ende Jänner gab es bereits ein sogenanntes „Create Camp“, bei dem die Wiener Linien den Entwicklern zwei Tage lang unter Laborbedingungen Zugriff auf ihre Daten ermöglichten.

Doch nach wie vor schreckt man davor zurück, Daten zur Verfügung zu stellen. Ein Aspekt dabei mag auch sein, dass man mit „Quando“ bereits eine eigene Anwendung betreibt. „Mit der ist gewährleistet, dass unsere Standards eingehalten werden“, sagt Gries.

 

Stärkerer Druck aus dem Rathaus

Im Büro von Stadträtin Frauenberger rühmte man sich am Dienstag in einer Aussendung, dass man bereits 170 Datensätze veröffentlicht habe, auf denen derzeit 80 Apps aufbauen. Am Donnerstag will man auch eine Studie zur Evaluierung der „Open Government Plattform Wien“ vorstellen – jener Website, über die Daten der Stadt zugänglich gemacht werden. Und über kurz oder lang, das sei klar, müssten auch die Daten der Wiener Linien öffentlich gemacht werden, so eine Sprecherin. „Aber das ist ein Schritt, den die Wiener Linien machen müssen. Wir können das technisch nicht beurteilen.“

Die aktuelle Petition könnte aber Bewegung in die Sache bringen. „Das ist natürlich ein Ruf der Bürger“, heißt es aus Frauenbergers Büro. „Und wir sehen das schon auch als Wunsch, stärker auf die Wiener Linien einzuwirken.“ Sollte der Druck aus dem Rathaus stärker werden, werde man sich dem bei den Wiener Linien nicht verschließen. „Wenn es eine politische Entscheidung gibt“, so Sprecher Gries, „dann werden wir der als Unternehmen im öffentlichen Eigentum auch folgen.“

Auf einen Blick

Open Data: Die Stadt Wien hat auf der Website http://data.wien.gv.at rund 170 Datensätze öffentlich gemacht, die externe Entwickler für Apps nutzen können. Die Wiener Linien geben ihre Daten jedoch noch nicht frei. Mit einer Petition (www.offene-oeffis.at) wollen Entwickler nun die Freigabe der Daten erzwingen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2013)

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