Naschmarkt: Zu viel Gastronomie

Ein Anrainer hat den Naschmarkt neu vermessen. Sein Ergebnis: Die Gastronomie auf dem Markt nimmt 38 Prozent der Fläche ein – das ist deutlich mehr als die laut Marktordnung erlaubten 33 Prozent.

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Naschmarkt – Die Presse

Wien. Es ist eine bekannte Streitfrage, die schon mehrere Standler, Anrainer und Politiker zu heftigen Wortgefechten verleitet hat: Die Frage, wie viel Gastronomie es auf einem Markt geben soll. Vom rechtlichen Standpunkt aus darf nur ein Drittel der bebauten Fläche, also 33,3 Prozent, für Lokale und Restaurants verwendet werden. So steht es in der Wiener Marktordnung. Gefühlt ist dies beim Anteil auf Wiens Vorzeigemarkt, dem Naschmarkt, ohnehin schon der Fall. Nun hat Peter Jaschke, seines Zeichens Naschmarktaktivist, nachgemessen. Das Ergebnis: Rund 38 Prozent Gastronomie sind es mittlerweile.

Mit seiner Initiative „Rettet den Naschmarkt“ macht Jaschke schon seit Längerem gegen eine, wie er es nennt, „Fehlentwicklung in der Angebotsstruktur“ mobil. Der Ingenieur, der schon für den Bund mehr als 30 Häuser vermessen hat, hat als Ausgangsbasis den offiziellen Vermessungsplan der MA41 (Stadtvermessung) genommen.

Dieser Plan, behauptet Jaschke, weise allerdings grobe Fehler auf. So sollen fast alle Marktstände größer eingezeichnet sein, als sie in Realität sind. Da seien im offiziellen Plan manche Stände acht statt sechs Meter lang, andere wiederum um 1,5 Meter schmäler eingezeichnet.

Fläche vergessen

Die Messungen Jaschkes liegen der „Presse“ vor. Eine verbaute Fläche wurde demnach im Originalplan vergessen, Jaschke hat sie rot markiert. „Was auffällt: Die Fläche der Häuser auf der Linken und Rechten Wienzeile stimmt bis auf ein paar Zentimeter. Nur beim Markt scheint viel willkürlich eingezeichnet worden zu sein.“ Das sei natürlich ein Problem. Schaden, betont er, wolle er niemandem, aber: „Wir fordern klare Verhältnisse.“

Und das bedeutet für ihn auch ein korrektes Verhältnis zwischen Gastronomie und Handel. Deswegen hat er jeden Stand kontrolliert, ob dort Handel oder Gastronomie betrieben wird. Wenn ja, gibt es mehr als acht Sitzplätze. (Sie sind einem Standler auch ohne Gastronomielizenz erlaubt.) Und auf dieser Basis kommt er eben auf das Ergebnis, dass die für Gastronomie genutzte Fläche um rund fünf Prozentpunkte größer sei als erlaubt.

Alexander Hengl, Sprecher des Marktamts, weist Jaschkes Vorwürfe zurück. „Der Naschmarkt wird seit 2010 saniert. Da arbeiten wir mit Plänen, die sehr genau sind“, sagt Hengl. Das Verhältnis zwischen Gastronomie und Handel werde laufend kontrolliert. Er kritisiert, dass Jaschke die Brutto- und Nettoflächen nicht in seine Berechnungen miteinbezogen hätte. „Bei einem Superädifikat (Stand im Besitz des Pächters, Anm.) rechnen wir die Fläche inklusive der Außenmauern. Bei einem Stand der Stadt Wien nicht. Bei 15 Zentimeter dicken Außenmauern und einem Drittel Superädifikate macht das einen Unterschied.“

Das lässt Jaschke nicht gelten: „In der Marktordnung steht nicht, dass man zwischen Brutto- und Nettofläche unterscheiden kann.“ Immerhin: „Unser Plan wurde anhand von Luftaufnahmen gezeichnet“, räumt Peter Belada, Leiter der MA41, ein. Da so nur die Dächer, nicht aber die Grundmauern zu sehen sind, könnte es unter Umständen zu Abweichungen gekommen sein. Eine Aktualisierung des Plans ist für die nächsten Monate bereits geplant.

Alle Märkte neu vermessen

Neue Pläne kündigt auch Alexander Hengl an. Allerdings nicht nur für den Naschmarkt – alle Wiener Märkte werden derzeit von der MA25 (Stadterneuerung) neu vermessen. Die Pläne des Karmelitermarkts und des Volkertmarkts im zweiten Bezirk sowie des Schwendermarkts im 15. Bezirk sind schon fertig. Der Naschmarkt kommt später an die Reihe.

Bei allen bisherigen Messungen sind Abweichungen von den ursprünglichen Plänen festgestellt worden. „Bis zu einem Quadratmeter“, sagt Hengl. Der erlaubte Anteil an Gastronomie sei aber bis jetzt nirgends überschritten worden. Und sollte es auf dem Naschmarkt passiert sein? „Dann“, so Hengl, „haben wir ein großes Problem.“

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Naschmarkt viel Gastronomie –

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2013)

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