Muss Wien stärker gebremst werden?

26.04.2013 | 18:25 |  ANDREAS WETZ (Die Presse)

Stadträtin Maria Vassilakou will noch mehr 30er-Zonen – die durchschnittliche Geschwindigkeit für Autos liegt schon heute darunter. Trotzdem ist nur die U-Bahn schneller.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Wien. Die jährlich wiederkehrenden Versuche zur Entschleunigung des Wiener Straßenverkehrs machen wieder die Runde. Planungs- und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou fordert via ORF die lückenlose Ausweitung von Tempo-30-Zonen auf alle Wohngebiete. Bereits zur Wochenmitte hatte sich der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) für diese Idee starkgemacht. Doch ist das Potenzial dafür überhaupt noch da?

Seit Ende der 1980er-Jahre drücken Stadtregierung und (fast alle) Bezirke kräftig auf die Bremse. Die Grafik zeigt es deutlich: Das gelernte Tempo 50 im Ortsgebiet ist längst die seltene Ausnahme, nicht mehr die Regel. Letzte Trutzburg der alten Schule ist das noble Döbling mit seinem betont autofreundlichen Bezirksvorsteher Adi Tiller (ÖVP). Straßen, auf denen Tempo 30 gilt, sind selten. Insgesamt jedoch heißt es in Wien inzwischen auf zwei Drittel der insgesamt 2800 Straßenkilometer: runter vom Gas. Davon ausgenommen sind eigentlich nur für den Durchzugsverkehr wichtige Verbindungen mit entsprechend hohem Verkehrsaufkommen.

Tatsächlich ist es eine gern von Umweltschützern verwendete Mär, dass niedrigere Geschwindigkeiten die Kapazität von Straßen automatisch erhöhen. „Tempo 30 ist jedenfalls geringer als jene Geschwindigkeit, mit der man auf einer Straße im Ortsgebiet den höchsten Fahrzeugdurchsatz erreicht“, sagt Dietmar Bauer, der sich am Austrian Institute of Technology (AIT) mit der Optimierung von Verkehrssystemen beschäftigt. Jene Geschwindigkeit, bei der auf einer Straße möglichst viele Fahrzeuge möglichst schnell vorankommen, hängt jedoch von derart vielen Faktoren ab, dass es das „ideale“ Tempolimit für eine ganze Stadt nicht gibt. Laut Bauer spielen u.a. Verkehrsdichte, die Zahl der Fahrstreifen, die Fahrstreifenbreite, Steigung/Gefälle und vor allem das Wetter eine Rolle. Er sagt allerdings auch: „Tempo-30-Zonen nutzen vor allem den Anrainern.“

Messungen zeigen, dass an stark befahrenen Straßen Verbesserungen um zwei bis drei Dezibel möglich sind. Angesichts von Belastungen um 75 Dezibel ist das objektiv wenig, subjektiv nimmt das menschliche Gehör auf diesem Lärmniveau entsprechende Verringerungen aber als deutliche Entlastung wahr.

 

Vorteil: Bessere Luft

Die Vorteile für Anrainer gehen – günstige Ampelschaltungen vorausgesetzt – noch weiter. Bei Tempo 30 verringert sich auch die Schadstoffbelastung deutlich. In Österreich ist das vor allem wegen des hohen Anteils an Dieselfahrzeugen relevant, die ein Problem mit dem Ausstoß von Stickstoffoxiden haben. Bei niedrigen Geschwindigkeiten (also weniger Last) werden die Motoren weniger warm und blasen weniger NOxaus. Der Feinstaubausstoß verringert sich – wenn nicht ohnedies ein Partikelfilter vorhanden ist – zwar nur geringfügig, allerdings wird auch weniger Staub von der Straße aufgewirbelt.

Trotzdem sind Wiens Bezirksvorsteher skeptisch, ob eine weitere Ausdehnung der Tempo-30-Zonen überhaupt sinnvoll ist. Raum dafür – siehe Grafik – gibt es aber ohnehin nicht mehr viel.

Die durchschnittliche Geschwindigkeit von Autos in Wien liegt zudem ohnehin schon darunter. 25 km/h klingen nach wenig, sind im Vergleich zu vielen anderen Verkehrsmitteln aber immer noch besser, als es die öffentliche Diskussion über Dauerstau, Baustellendschungel und Verkehrsinfarkt vermuten lässt. Mit 32 km/h noch schneller ist in der Stadt nämlich nur die U-Bahn. Auf den Plätzen: Bus (18 km/h), Straßenbahn (16 km/h), Rad (15 km/h) und die eigenen Beine (2,1 km/h).

 

Radfahrer auf den Ring?

Schnelle Radfahrer sollen künftig übrigens noch schneller fahren können. Die MA46 (Verkehrsorganisation) prüft derzeit, ob es sinnvoll ist, die Benützungspflicht für den Ring-Radweg aufzuheben und Radfahrern die Benutzung der Fahrbahn zu gestatten. Verkehrsstadträtin Vassilakou war schon einmal für diese Idee. Sie betont allerdings, dass sie sich bei der Umsetzung strikt an die Vorschläge der Experten halten werde.

vergrößern

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2013)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

292 Kommentare
 
12 3 4 5 6 7

Die Verhinderer in Wien

Die Bezirksvorsteher, von denen jeder 9.000 Euro im Monat verdient, sind das erste, was in Wien abgeschafft gehört. Sie sind ein Betoniererverein, sodass Fritz Neugebauer als eifriger Reformer erscheint.

Warum Tiller sich gegen Tempo-30-Zonen wehrt ist mir nicht klar, ist ihm die Ruhe der Anwohner und die Sicherheit der Kinder kein Anliegen?

So gibt es tausende Beispiele, wo die Bezirksvorsteher sinnvolle Lösungen verhindert haben. So z.B. die Straßenbahnlinie 13, die gegenüber dem 13A massive Vorteile hätte - vor allem wesentlich höhere Kapazitäten.

Die Straßenbahn in der Landstraßer Hauptstraße wurde ebenfalls vom Bezirksvorsteher verhindert.

Den Fahrgästen aus Kaiser Ebersdorf hat der Bezirksvorsteher die schlechtest mögliche Lösung eingebrockt - der 6er statt dem 71er. Der 6er ist wesentlich sTörungsanfälliger als der 71 und die Fahrgäste die zur Landstraße, oder Ring wollen, müssen Umsteigen. Dagegen gibt es laut Fahrgaststromanalylse viel weniger Fahrgäste, die von Kaiserebersdorf mit dem 6 weiter als bis zu U3 fahren.

Re: Die Verhinderer in Wien

Er setzt sich deswegen dagegen ein, weil viele gasseln im 19. wo tempo 30 gelten würd, eh so eng sind, dass trotz erlaubten tempo 50 wohl nur die wenigsten so schnell fahren. Bzw. die, die würden auch bei einem tempo30 schild 50 fahren. Somit bringt sich das rein gar nix im sinne der verkehrsberuhigung, außer eine weitere schikane der Autofahrer.

Diese Frau gehört ABgewählt bevor es noch schlimmer wird! Was kommt als nächstes? Picknick auf dem Ring haben wir schon gehabt, also schlage vor Camping auf dem Ring, tagelang...


die griechische Verkehrsdomina ist das einzige, was gebremst gehört.


Sie müssen

langsam fahren, es könnte doch sein, daß der Michi von Grinzing kommt.

25

Tabu brechen, 68iger Grün und Innen Stil

Ich fahre seit 40 Jahren unfallfrei - aber nicht, weil ich mich an alle Vorschriften halte, im Gegenteil, sondern, weil ich vorausschauend mit Hirn fahre.
Daher rege ich mich über den Vorschriften Wahn weniger auf, denn:

Ich fahre auf der Autobahn beinahe immer schneller als 130 - wen es die Situation zulässt und die Radarwarner nichts Gegenteiliges von sich geben.
Tempo 30 interessiert mich wenig - vor Schulen etc fahre ich meistens weniger, sonst nach Gefühl allerdings meistens um die 40- 50, Na und? Es kann ganz Wien nicht permanent kontrolliert werden, die Überbürokratie frisst ihre Polizisten.

30iger Zone bei mir in der Nähe: Ich beobachte zwei Phänomene. Auch Polizeiautos,nicht im Einsatz, halten sich nicht strikt daran (ist ihnen wahrscheinlich auch zu blöd) und andere Verkehrsteilnehmer zu 90% auch nicht - abgewandelt nach einem 68iger Spruch: "Stell dir vor es ist 30iger Zone und keinen interessiert's"

Re: Tabu brechen, 68iger Grün und Innen Stil

sie sprechen mir aus der seele. kann nur zustimmen, da es bei mir auch so laeuft

Die Entschleunigung der Vassilakuh und des VCÖ´s wäre für Alle besser und gesunheitsfördernder

Außer man könnte beide wegbeschleunigen. Kaum jemand trauert diesen Erhaltungskünstlern nach.

VCÖ .... Vasillakou Clowns in Österreich

Ihnen gemeinsam ist eines: sie haben dann ein Viagra-Gefühl, wenn sie gegen den bösen motorisierten Individualverkehr hetzen können.

Stattdessen foltern sie die Kinder (besser ein Migrantenkebab, als zu Hause ein gesundes Essen) und terrorisieren Eltern (besser Stau und Parkplatzsuchen als den Abend mit der Familie verbringen können).

Im Zuge der Gerechtigkeitsdiskussion, sollte man ein Lebensraumpickerl für die privilegierten Spaziergänger, Berufsstrampler und allen anderen Leistunsgverweigerer in Wien in Betracht ziehen.

Re: VCÖ .... Vasillakou Clowns in Österreich

um gottes willen...
abstruser gehts nimmer...

Ich bin für

Tempo 180! Ab nach Hause, nach Hinterbalkanesien

Re: Ich bin für

was 30 tempo?wie masch isch dann ootorennen am samstak mit dem orhan undem yüksel?
da brooch isch tempo 220 mit meine bmw,oida!

Ich bin für

Tempo 180! Ab nach Hause, nach Hinterbalkanesien

Straßenrückbau

Amüsant ist es, das Wiener Bezirksblatt zu lesen. Nachdem die Vassila Kuh die Gersthofer Straße zurückbauen will, wird sich die gesamte Fahrzeit des 10 A um 8 Minuten verlängern. Bei soviel Rückbau ist bald wieder die beliebe Sendung 'Stau mal wieder' angesagt. Und das ganze noch gesponsort von unserem Steuergeld. Rindviecher gibt es auf der Welt.....

Nicht Wien,

sondern Vasilinkuh gehört gebremst... Die hat schon genug Ehre verdient, um die Stadt an die Fahren und das Autofahren zu vermiesen... Gebrems aber komplett ausgebremst gehört sie...

Re: Nicht Wien,

jedem wiener autofahrer der ja uch kfz steuer entrichtet gehören verpflichtet 2.3 grüne zugeteilt welche den wagen abgaslos- voraussetzung keine bohnennahrung- durch den verkehr schieben oder ziehen können. und siehe da , alle grünen hätten etwas vernüftiges zu tun, auch im sinne der umwelt. falls von den grüninnen gewünscht können sie zur arbeitsteilung ihre lieblingsmaskotchen mitnehmen.

Vassilako

Ich bin fuer Tempo 20, das ist noch gesuender

Re: Wahnsinnakuh

Bei Tempo 50 braucht mein Auto 6 Liter, bei Tempo 30 schon 8 Liter und bei Tempo 20 sinds 11 Liter pro 100 km.
Was ist da gesünder???

Re: Re: Wahnsinnakuh

Dann haben Sie einfach das falsche Auto für die Stadt oder sie kommen mit den Gängen nicht zu Recht.
Also: geeigneteres Auto kaufen oder fahren lernen.

Re: Re: Re: Wahnsinnakuh

Sie sollten sich lieber mal informieren statt blöde kommentare über andere abgeben.

Hier die Verbrauchskurven des 6er golfs: http://data.motor-talk.de/data/galleries/0/112/8052/33682682/g6-90kw-verbrauch-1926788026309405656.jpg

Selbst wenn ich 30 im 4. fahr brauch ich mehr als bei 50kmh im 5. oder 6. gang.

Re: Re: Wahnsinnakuh

Das mit Tempo 20 war natürlich ironisch gemeint.tempo 20 ist ja kompletter blödsinn

Re: Re: Re: Wahnsinnakuh

Ist aber der Verrückten auch noch zuzutrauen :-((

Re: Vassilako

Ich bin für Tempo 0.

Re: Vassilako

Nicht gesünder, nur weniger Ungesund

wir könnten auch...

genau wie die italiener früher mit dem
lire, einfach bei den abgaswerten ein paar nullen wegstreichen.. dann sieht es gleich nicht mehr so schlimm aus:)

Muss Wien stärker gebremst werden?

Ja, bei der Zuwanderung.

 
12 3 4 5 6 7

Wetter

  • Aktuelle Werte von
    20:00
    Wien
    Steiermark
    Oberösterreich
    Tirol
    Salzburg
    Burgenland
    Kärnten
    Vorarlberg
    Niederösterreich

Jetzt Panorama-Newsletter abonnieren

Der tägliche Überblick mit den wichtigsten Meldungen zu den Themen Chronik, Wien und Umwelt. Kostenlos.

Newsletter bestellen

Code schwer lesbar? » Neu laden

AnmeldenAnmelden