Sternwartepark nun öffentlich zugänglich - werktags

Ein Jahr lang diskutierten Eigentümer BIG, Stadt Wien und Bürgerinitiative. Jetzt wird das Naturdenkmal Sternwarteareal in Währing öffentlich zugänglich gemacht – allerdings nicht am Wochenende.

Symbolbild Park
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Symbolbild Park – (c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at (Erwin Wodicka)

Wien. Es geht ums Prinzip. Denn eigentlich kann der Sternwartepark, der genau genommen gar kein Park ist, sondern ein als Naturdenkmal geschütztes Grünareal, schon lange besucht werden. Offiziell, indem man sich bei der Universität Wien, die die dort angesiedelte Sternwarte betreibt, für eine Führung durch das 5,5 Hektar große Areal anmeldet. Inoffiziell, indem man – während der Öffnungszeiten der Sternwarte – einfach den Türöffner betätigt. Denn Mitarbeitern und Studenten der Sternwarte ist der Zutritt zum Areal seit jeher erlaubt – und so genau wurde das bis jetzt nicht kontrolliert.

Ab heute, Donnerstag, braucht es aber keinen Türöffner mehr, ab heute ist nämlich der Sternwartepark offiziell eröffnet, wenn auch nur im Rahmen der Öffnungszeiten der Universitätssternwarte, sprich ausschließlich werktags.

 

Debatte seit 1973

Dem vorangegangen ist eine rund einjährige Diskussion um die Öffnung des Parks, mit allem was dazugehört: ein verschwiegener Eigentümer (die Bundesimmobiliengesellschaft, BIG), die Stadt Wien, die sich als Retter der Naturdenkmäler präsentiert und gleichzeitig die schönen Plätze den Wienern zugänglich machen will, eine Bürgerinitiative, die wiederum die dort angesiedelten Bäume und Tiere retten will, und die „Kronen Zeitung“, die nach dem letzten Einsatz für den Sternwartepark vor 40 Jahren eine 180-Grad-Drehung gemacht hat und nun nach der Öffnung des Parks schreit.

1973 sah das noch anders aus. Damals führte eine Debatte um die Öffnung und Bebauung des Sternwarteparks nämlich nicht nur zur ersten Wiener Volksbefragung, sondern auch wegen des negativen Ausgangs zum Rücktritt des damaligen Bürgermeisters Felix Slavik (SPÖ).

Aber zurück ins Jahr 2013. Heute soll der Park geöffnet werden. Dass sich in unmittelbarer Nähe der weitaus größere Türkenschanzpark befindet und der nun neu geöffnete Sternwartepark eher ein Wald als ein Park ist, tut dabei nichts zur Sache. Denn Sitzgelegenheiten findet man bei der Sternwarte ebenso wenig wie Mistkübel oder Toiletten. Lediglich ein 1,2 Kilometer langer Rundweg wurde angelegt, damit die Besucher das tun, was sie dort ab heute dürfen: einmal durchgehen, die Natur betrachten und wieder rausgehen. Genau das hat aber bei den Anrainern und der Bürgerinitiative Rettet den Sternwartepark Proteste hervorgerufen. „Wir haben in den letzten zwölf Monaten versucht, mit der Initiatorin der Öffnung, Stadträtin Ulli Sima, in Kontakt zu treten – erfolglos. Wir waren nur mit dem Eigentümer, der BIG, und der MA 22 im Gespräch. Es hat immer geheißen, es wird ein Konzept geben, in das die Bürgerinitiative eingebunden ist, und dass keine Bäume gefällt werden“, sagt Alexander Peschke, Sprecher der Bürgerinitiative.

 

45 Bäume wurden gefällt

Umso überraschter war er, als dann vor eineinhalb Wochen das Wiener Forstamt damit begonnen hat, im Areal Bäume zu fällen. 45 von knapp 600 Bäumen mussten für den dort angelegten Rundweg Platz machen, um die Sicherheit der Besucher nicht zu gefährden. Bis jetzt hatte der Eigentümer BIG lediglich für den Zugang zum Universitätsgebäude garantiert – und sich auch wenig für die Öffnung des Parks interessiert. „Die BIG stand einer Öffnung des Areals immer zumindest kritisch gegenüber“, sagt BIG-Sprecher Ernst Eichinger. Die Öffnung erfolgte dann „auf expliziten Wunsch der Stadt Wien. Anfang Februar hat die BIG mit der Stadt einen Vertrag geschlossen, in dem sich die Stadt Wien verpflichtet, die Pflege und Haftung zu übernehmen.“

Zuständig ist dafür nun das Wiener Forstamt (MA 49). Direktor Andreas Januskovecz zeigt sich angesichts der Kritik vonseiten der Bürgerinitiative verständnisvoll, weshalb er diese Dienstagabend zu einem Gespräch und Rundgang auf dem Areal eingeladen hat. „Der Termin war eine reine Beruhigungsaktion, wir fühlen uns von der Politik betrogen“, sagt wiederum Initiativensprecher Peschke, der eigentlich nichts gegen eine Öffnung hat, allerdings nur unter Beibehaltung des Altbestands, sprich aller Bäume, und unter Rücksichtnahme auf das Naturdenkmal. Das will die Stadt ja eigentlich auch. Nur mit der Kommunikation hat es eben wieder einmal nicht geklappt.

Versteckte Naturoasen

Sternwartepark

Genau genommen ist der Sternwartepark ein künstlich angelegtes Areal, das vor 130 Jahren in Wien-Währing rund um die Universitätssternwarte angelegt wurde. Seitdem kann sich dort die Natur entfalten, weshalb sich seltene Vogelarten, Schmetterlinge, Füchse und auch Dachse angesiedelt haben.

Das Paradies

2010 wurde das 7,5 Hektar große Areal des ehemaligen Kinderfreunde-Heims Paradies in Wien-Penzing öffentlich zugänglich gemacht. Zuvor war der Teil des Landschaftsschutzgebiets Penzing 20 Jahre lang den Wienern verschlossen gewesen. Heute gibt es dort einen Spielplatz, eine Fußball- und eine Liegewiese.

Johannser Kogel

1972 wurde der Johannser Kogel beim Lainzer Tiergarten zum Naturwaldreservat erklärt und für die Öffentlichkeit gesperrt. Rund 45 Hektar des 70 Hektar großen Lainzer Tiergartens wurden der natürlichen Entwicklung überlassen und stehen nur der Wissenschaft offen. Es ist Wiens letzter Urwald mit bis zu 500 Jahre alten Eichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2013)

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