Lokalaugenschein: Test für autofreie Mariahilfer Straße

Drei Tage lang wird eine Mini-Version der künftigen Fußgängerzone in der Einkaufsstraße getestet. Die Passanten reagieren ratlos - aber Chaos blieb vorerst aus.

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Lokalaugenschein Probe fuer autofreie
Lokalaugenschein Probe fuer autofreie – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Ein Autofahrer schlägt vor Zorn aufs Lenkrad, wartet, vor ihm zwei Autos. Davor wird gerade die Sperre aufgestellt. Von Freitagmittag bis Sonntag 17 Uhr sind 150 Meter der Mariahilfer Straße - von Neubaugasse bis Esterházygasse - schließlich für Autos gesperrt. Die neue Fußgängerzone, oder zumindest eine Mini-Variante dessen, was im Herbst kommt, wird getestet. Ein Chaos ist am Freitag zwar ausgeblieben, aber dennoch, die Anrainer, Passanten und Einkäufer sind zunächst erst einmal ratlos.

„War ein Unfall?", fragt einer und beobachtet Feuerwehrmänner, die eine Vespa aus der gesperrten Zone schieben. Nur zögerlich trauen sich die ersten Fußgänger mitten auf die leere Fahrbahn. So, wie es ab Herbst zwischen Andreasgasse und Kirchengasse rund um die Uhr möglich sein wird. Die Zonen zwischen Museumsplatz und Kirchengasse bzw. zwischen Andreasgasse und Kaiserstraße werden dann Begegnungszonen.

Eine, die dieser Ratlosigkeit entgegenwirken soll, ist Gitti Dorfstätter. Sie arbeitet für das Raumplanungsbüro Stadtland und betreut die Dialogbox, einen Container nahe der Neubaugasse, in dem sich Interessierte seit Mitte April informieren und Anregungen abgeben können. „Am Anfang", sagt sie, „war das Interesse groß." 65 Leute seien im Schnitt am Tag gekommen. Ihre Anregungen pinnen die Anrainer, auf bunte Zettel notiert, auf ein riesiges Luftbild des Areals an der Containerwand.

"Hundezone. Einkaufen mit Pkw", steht auf einem. „Anrainerdurchfahrten ermöglichen", „Kein programmiertes Chaos. Querungsmöglichkeiten bewahren. Kein Straßenlabyrinth" auf anderen. Oder einfache Wünsche. „Steckdose (um Handy aufzuladen)", „Basketballplatz", hat jemand notiert. Die positiven und negativen Simmen, so Dorfstätter, hielten sich bisher etwa die Waage.
„Klar ist: Das Thema polarisiert. Viele sind verärgert, besonders die, die sich zu Unrecht nicht befragt fühlen." Schließlich wurden nur die Anrainer einiger Straßen befragt - und die auch nur zu möglichen Querungen, nicht zum gesamten Projekt.

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(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)

„Man muss viel weiter denken"

Einer, für den mit der autofreien Mariahilfer Straße eine „lange Sehnsucht" in Erfüllung geht, ist Walter Vertat. Er hat lange in der Straße gearbeitet, zum Start der Test-Fußgängerzone ist er extra vorbeigekommen. Ihm hat es ohnehin zu lang gedauert, war die Straße doch schon beim Bau der U-Bahn in den 1980er-Jahren als Fußgängerzone angedacht.

„Auch jetzt muss man noch viel weiter denken. Der Bereich könnte bis in die Stadt, über die Praterstraße und bis zum Lusthaus eine wunderschöne Route werden", träumt er, spricht aber von „provinziellem Denken" und „Querulantentum" in Wien.

Zum Start des Testbetriebs ist davon nicht viel zu bemerken. „Skeptisch" sei sie, meint Maja Kojwer, eine junge Mutter aus dem siebten Bezirk. Schließlich fürchtet sie, dass der Autoverkehr in ihr Viertel verdrängt wird. Und schon am Testtag stockt der Verkehr. Nicht zuletzt, weil zugleich, am Freitag und Samstag, der Frühlingsflohmarkt in der Neubaugasse stattfindet - die ist dann für Autos auch gesperrt. Aber, so Maja Kojwer, es könnte auch gut ausgehen, die neue Fußgängerzone könnte eine neue Anziehungskraft entwickeln, für ihre Kinder sicherer werden. „Ich bin noch skeptisch - aber offen", sagt sie.

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Zumindest am Probewochenende bietet die Mini-Fußgängerzone Kindern eine neue Qualität. Teilen doch Stelzengeher vor der Dialogbox Luftballons aus, am Samstag stehen Kinderschminken und ein fahrradbetriebenes Kino auf dem Programm, am Sonntag wird die Straße zur Picknickfläche. Ab Sonntagabend gehört die Straße aber wieder den Autos - wenn auch nur bis zum Spätsommer. Denn dann wird das umstrittene Konzept in vollem Umfang getestet. Im Herbst werden noch einmal die Anrainer befragt - und im Frühjahr 2014 soll die Fußgängerzone stehen. Dann allerdings permanent, und nicht nur zur Probe.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 4. Mai 2013)

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