Mala-Strana-Theater könnte Fitnesscenter werden

Die traditionsreiche Bühne auf der Wieden steht schon seit Jahren leer. Nach der laufenden Sanierung soll ein neuer Mieter einziehen: eine weitere Station in der langen Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes.

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Mala-Strana-Theater
(c) Bruckberger

Wien. Am Mittersteig 15 in Wien wird seit Ende August gebohrt und gehämmert. Das denkmalgeschützte Vorstadttheater „Mala Strana“, das schon seit Langem keine echte Bühne mehr ist, wird renoviert. Hier soll ein neuer Mieter einziehen. Gerüchten zufolge könnte es zu einem Fitnesscenter umfunktioniert werden.

Das 1910 errichtete Mala Strana hat wahrhaftig eine bunte Geschichte hinter sich. Neben seiner Funktion als Theater fungierte das Gebäude auch schon als Bordell, Boxstudio, Kino, Lager- und Konzerthalle. Und es gibt die Geschichte, dass Rainhard Fendrich hier seinen ersten Konzertauftritt hatte. Auch Profiboxer Hans Orsolics soll hier früher trainiert haben.

 

Ernennung zum Denkmal

Weiterer Höhepunkt des Hauses war die Ernennung zum Denkmal im Herbst 2012. Der Theatersaal und das Foyer im Untergeschoß wurden als eines der letzten ihrer Art vom Bundesdenkmalamt eingestuft. Die lila gestrichene Fassade mit den goldenen Bemalungen dagegen nicht – diese könnte daher auch in Zukunft abgerissen werden.

 

Hohe Kosten, große Schäden

Seit vielen Jahren stehen die Räumlichkeiten jedoch leer und können aufgrund eines Wasserschadens im Untergeschoß nicht adäquat genutzt werden. Immer wieder gab es Ideen und Versuche, das ehemalige Theater wiederzubeleben und eine kulturelle Einrichtung daraus zu machen – ohne Erfolg. Die Kosten seien zu hoch und die Schäden des Objekts zu groß, so Bezirks-Vize Barbara Neuroth (Grüne).

Begeistert vom möglichen Einzug eines Fitnesscenters sei sie zwar nicht, aber so könnten die Räumlichkeiten wenigstens wieder genutzt werden. Durch die hohen Umbaukosten, mit denen der nächste Mieter rechnen muss, kommt wohl nur eine gewerbliche Nutzung infrage. Nach den derzeitigen Sanierungsarbeiten soll das Objekt im Rohbauzustand an den Mieter übergeben werden. Das Bundesdenkmalamt unterstützt die Sanierung mit Subventionen.

 

Nein zum Supermarkt

Als vor einigen Jahren ein Supermarkt einziehen wollte, kam es zum Aufstand im Grätzel und die Idee war gleich wieder vom Tisch. Problem wäre vor allem die geplante Tiefgarage gewesen. Denn der Großteil der Räumlichkeiten des 1300 m großen Theaters befindet sich im Untergeschoß und wäre dadurch zerstört worden.

Die Antwort auf den Supermarkt war die Ernennung zum Denkmal. Beim Einzug eines Fitnesscenters gäbe es dieses Problem nicht. Die Räumlichkeiten könnten gut angepasst werden, heißt es von „Conwert Immobilien“, Eigentümer des Hauses. Erst nach Ende der Bauarbeiten im Laufe des nächsten Jahres soll ein Mieter bekannt werden. Fitnesscenter hin oder her – das Mala Strana soll nach vielen Jahren als leer stehendes Gebäude wieder einen Nutzen finden. (ds)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2014)

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