15 Jahre "Condomi": Das Lust-Reich der Ingrid Mack

Mit der ersten Kondomerie Wiens wollte Besitzerin Ingrid Mack den Zugang zu Präservativen erleichtern. Damit machte sie sich nicht nur Freunde. Der Kampf gegen Aids war ihr ein Anliegen.

Condomi-Besitzerin Ingrid Mack
Schließen
Condomi-Besitzerin Ingrid Mack
(c) APA (Georg Hochmuth)

Mitte der 1990er Jahre, das Thema Aids war in aller Munde: Zu dieser Zeit hat Ingrid Mack eine Marktlücke entdeckt und die erste Kondomerie in Wien eröffnet. Eine ihrer besten Schulfreundinnen infizierte sich Mitte der Achtziger als eine der ersten mit dem HI-Virus. "Das öffnete mir die Augen." In Deutschland und der Schweiz, wo Mack als Kellnerin arbeitete, war der Zugang zu Kondomen viel leichter, was Mack "beeindruckt und fasziniert" hat.

"Jeder sollte sich in einem ganz normalen Geschäft sein passendes Kondom aussuchen und kaufen können, aus der europaweiten Angebotspalette auswählen und so verantwortungsvolle Sexualität leben können", ist Mack überzeugt. Nach einem harten, fast drei Jahre andauernden Kampf mit Bürokratie und Kondomprüfungsverordnungen war es soweit. Am 27. Jänner 1994 eröffnete Mack das "Condomi" in der Otto-Bauer-Gasse 24 in Wien-Mariahilf.

Ihr Motto: "Ein Kochlöffel und ein Vibrator gehören in jeden guten Haushalt!" Demgemäß verkaufte sie auch allerlei Accessoires und Spielzeug rund ums Thema Sex. Im Sortiment finden sich auch essbare Schoko-Penisse und Nudeln in Form von weiblichen Brüsten.

Unterstützer und Gegner

Unterstützung bekam sie als Franchise-Nehmerin von ihrem Unternehmens-Partner "Condomi" aus Köln, der zwei Jahre zuvor Deutschlands erstes Kondomfachgeschäft gründete, sowie den Aids-Hilfen. "Endlich wurde darüber geredet, wie wichtig Kondome sind und dass man sich nicht genieren muss, diese zu kaufen und auch zu verwenden", erinnert sich Mack.

"Natürlich gab es auch Menschen, denen diese Art von Geschäftsidee nicht ganz geheuer war. 'Pornojäger' Martin Humer etwa dachte, er könne uns von unserer wichtigen Arbeit abhalten, indem er die Polizei und die Wirtschaftskammer informierte über meine 'schmutzige' Geschäftstätigkeit."

Das "Condomi" in Wien wurde bald zu einem produzierenden Betrieb, der 1997 mit seinen Marken "Condomis Mix" und "Condomis Fruit" die ersten Automatenpackungen herstellte. "Genauso bahnbrechend waren unsere Fun-Condomis, die auf spielerische Weise den Umgang mit Kondomen thematisierte: In jeder Packung waren ein handbemaltes Scherzkondom und zwei geprüfte", erläuterte Mack.

Radelnder "Condomi"-Express

Für Schnellentschlossene bot Mack eine Zeitlang den radelnden Kondomboten an. Von 2003 bis 2004 war der "Condomi"-Express am Wochenende von 22.00 bis 2.00 Uhr in Wien unterwegs und brachte auf telefonische Bestellung zwei Packungen Kondome plus Gleitgel mitunter zu den sonderbarsten Adressen. Pärchen auf Parkbänken wurden ebenso beliefert wie Besteller in Discos.

Kurioses sowie Wissenswertes rund um Verhütung und Safer Sex will man auch zum Jubiläum bieten. Am 12. Februar eröffnet das Condomi-Museum, das auf 100 Quadratmetern einen Streifzug durch die Geschichte des "Gummis" zeigt. So wurde mit Leinensäckchen, Schafdärme oder Fischblasen verhütet. Aber auch das flüssige Kondom hat Einzug in die Schau gehalten. Das Museum ist im Gewölberaum des Erotikfachgeschäft "Liebens-wert" eingerichtet. Ein geführter Rundgang dauert etwa eine Stunde. Auch Schulen werden eingeladen, um im Rahmen ihres Aufklärungsunterrichts ab siebenten, achten Schulstufe das Museum zu besuchen.

 

(APA)