Wien: Zahl der Muslime verdoppelt sich in 30 Jahren

Laut einer neuen Hochrechnung sind im Jahr 2046 nur noch ein Drittel der Wiener Katholiken. Der Anteil der Muslime wird stark steigen.

Archivbild: Ein Besucher des Islamischen Zentrums Wien
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Archivbild: Ein Besucher des Islamischen Zentrums Wien
Archivbild: Ein Besucher des Islamischen Zentrums Wien – APA/HERBERT NEUBAUER

Religionen in Wien verändern sich: Vor allem der Trend zur Säkularisierung und Migration machen die noch in den 1970er-Jahren relativ homogen-christliche Glaubenslandschaft bunter. Blickt man statistisch in die Zukunft, wird in gut 30 Jahren nur noch ein Drittel der Bundeshauptstädter katholisch sein, der Anteil der Muslime wird sich mit dann 21 Prozent hingegen beinahe verdoppeln.

Das sind die Ergebnisse des WIREL-Projekts der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, das die Struktur der Religionszugehörigkeit und des Glaubens in Wien untersucht, wobei bis 2046 hochgerechnet wurde. Ab Donnerstag werden die Detailresultate bei einer Konferenz in Wien vorgestellt. Zudem will man die Bundeshauptstadt mit anderen großen Städten Europas vergleichen, wie Projektmitarbeiter Ramon Bauer erklärte.

Schon die religiöse Gegenwart ist dabei statistisch gar nicht so einfach zu erfassen. Denn die letzten konkreten Zahlen gibt es aus dem Jahr 2001, als die letzte offizielle Volkszählung mit Religionszugehörigkeitserfassung durchgeführt wurde. Seit diesem Zeitpunkt können die Wissenschaftler nur noch rekonstruieren.

2011 haben in Wien nach diesen Schätzungen Anhänger folgender Religionen gelebt:

  • 41 Prozent Katholiken
  • 4 Prozent Protestanten
  • 9 Prozent Orthodoxe (vor allem Serbisch-Orthodoxe)
  • 12 Prozent Muslime
  • 0,5 Prozent Juden
  • 3 Prozent mit anderen Religionen
  • 30 Prozent ohne Bekenntnis

Katholiken treten aus, Muslime und Orthodoxe ziehen zu

Denn seit den 1970er-Jahren befindet sich die Wiener Glaubenslandschaft im Wandel: Immer mehr Menschen traten aus der katholischen Kirche aus, Migration stärkte vor allem die Gruppen der Muslime und der Orthodoxen. "Der Trend geht in Richtung Privatisierung und Individualisierung der Religion", erklärte der Experte. Statt institutionalisierter Kirche, mit etwa einem fixen Messebesuch am Sonntag, bewege sich die Hauptstadt in Richtung Spiritualität und privatem Glauben. Dabei habe Wien sowohl bei der Diversifizierung der Religionen als auch bei der Abwendung von der traditionellen Kirche im Vergleich zu den anderen Bundesländern eine "Vorreiterrolle".

Die Zahl der Kirchenaustritte habe nun aber den Plafond erreicht, meinte Bauer. "Jetzt ist nur noch der religiöse Kern über, der auch in Zukunft nicht vorhat, auszutreten." Deshalb wird auch die Zahl der Menschen ohne Bekenntnis laut den Prospektionen von WIREL nicht steigen, sondern sogar leicht sinken: Sind es heute 30 Prozent, werden es 2046 27 Prozent sein. Katholiken wird es dann allerdings nur noch 33 Prozent geben, Protestenten bleiben konstant bei 4 Prozent.

Muslime sind im Durchschnitt jünger

Ein Grund, warum der Anteil der Muslime sowie der Orthodoxen in Zukunft steigen wird: Sie sind vergleichsweise "junge" Religionen - muslimische Jugendliche gehören zu den religiösesten ihrer Altersklasse, generell ist der Altersdurchschnitt der muslimischen Bevölkerung geringer. Deshalb rechnen die Experten 2046 mir 21 Prozent Wienern, die dem Islam angehören (2011: 12 Prozent). Die Orthodoxen wachsen von 9 auf 11 Prozent. Keine Veränderung prognostizieren die WIREL-Ergebnisse bei Juden und anderen Religionen.

"Zusätzlich spielen künftig Geburtenraten innerhalb der Religionen sowie Partnerschaftsentscheidungen eine große Rolle. Denn Religion wird vererbt", so Bauer. Für die Hochrechnungen bis 2046 hat man sich deshalb auch diese Faktoren angesehen. Dabei zeigte sich, dass vor allem muslimische und jüdische Frauen überdurchschnittlich viele Kinder bekommen - allerdings waren auch diese Zahlen in den vergangenen Jahren im Sinken. Gleichzeitig gibt es einen Anstieg bei interreligiösen Partnerschaften. Hier steht die Religion aber oft im Hintergrund, gemischt-religiöse Familien bekommen durchschnittlich weniger Kinder und diese werden meist ohne Bekenntnis erzogen.

"Ghettos gibt es gar nicht"

Neben Trends und Zahlen hat sich WIREL die geografische Verteilung der einzelnen Glaubensgemeinschaften und Ethnien angesehen. "Der Großteil der Wiener lebt in gemischten Grätzeln, starke Konzentrationen, sogenannte Ghettos, gibt es gar nicht", schilderte Bauer. Grundsätzlich gelte: Je innerstädtischer und dichter besiedelt, desto diverser. Nur an den wenig besiedelten Stadträndern gebe es noch einen hohen Anteil an Katholiken.

Anmerkung der Redaktion:
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(APA)

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