Lokalaugenschein: Besuch im „verbotenen“ Augarten

Nach sieben Jahren wurde das Protest-Camp der „Freunde des Augartens“ abgebaut, da zumindest im Sommer der Park der Sängerknaben geöffnet wird.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Der Augarten wächst. Zumindest diesen Sommer, denn im Juli und August wird jener Teil des Parks öffentlich zugänglich, der gewöhnlich nur dem Verein der Wiener Sängerknaben zur Verfügung steht: die historische Gartenfläche vor dem Palais Augarten, eine Wiese mit seltenen Bäumen, derzeit in voller Blüte – und ein Weg, der vom Augartenspitz in Richtung Palais und von dort durch ein eisernes Tor in den öffentlichen Teil des Augartens führt. Alles in allem öffentlicher Grund, aber gewöhnlich durch einen Zaun abgeschottet. Dienstagnachmittag steht das Tor (mit Überwachungskameras und Verbotsschildern) offen. Touristen spazieren ungehindert zum Palais, aus dem man sanfte Klassik hört. Offiziell soll der Park aber eben erst im Juli und August, den Ferien der Sängerknaben, geöffnet werden. Nachdem das nach langen Debatten jüngst fix vereinbart worden ist, hat der Verein Freunde des Augartens voriges Wochenende auch sein Protest-Camp abgebaut.

Allerdings sei das vorerst eine Goodwillaktion, mit dem Aktivismus ist es noch nicht vorbei, wie Jutta Matysek vom Verein der Freunde des Augartens sagt. Die Anrainer, die sich gegen Verbauung und Privatisierung des Augartens einsetzen, fordern nun eine ganzjährige Öffnung des bisher gesperrten Teils des Parks. Denn das Areal werde von den Sängerknaben nicht genutzt – beziehungsweise diene es nur als Zufahrt und Parkplatz. Den Schülern des Internats stehen hinter dem Palais ohnehin Sportplätze und Freizeitflächen zur Verfügung. Die Freunde des Augartens kritisieren, dass damit ein Park im Besitz des Bundes von öffentlicher Hand erhalten wird, aber nur von einem privaten Verein genutzt wird.

Sicherheit versus Öffnung

Wie der gesamte Augarten untersteht auch dieser Teil der Burghauptmannschaft und damit dem Wirtschaftsministerium. Betrieben wird auch der Teil des Augartens von den Bundesgärten, wie Burghauptmann Reinhard Sahl sagt. Dass dieser Teil öffentlich zugänglich wird und damit ein öffentlich zugänglicher Weg vom Augartenspitz in den Hauptteil des Gartens entsteht, das ist seit Jahren in Diskussion. Dagegen sprechen aber vor allem die Interessen der Sängerknaben. „Es gibt zum einen das Sicherheitsproblem, zum anderen architektonische Überlegungen“, so Sahl. Aus Sicht der Sängerknaben ließe sich ein Zugang nur realisieren, wenn man Schüler und Internat durch einen Zaun schützte. Und so einem Zaun durch den barocken Garten würde das Bundesdenkmalamt nicht zustimmen.

Auch die Augarten-Aktivisten hätten damit keine Freude. „Schon dieser Zaun, sagt Matysek beim Lokalaugenscheins entlang des bisherigen Zauns, der das Gelände abriegelt, „widerspricht ja der Idee eines englischen Gartens. Die Sicherheit der Schüler könnte man wohl anders gewährleisten, mit einem Portier oder einem Parkwächter. Nicht nur mit einem Glacis wie im Mittelalter.“ Auch hinter dem Palais spielen die Schüler beobachtet von Aufsichtspersonen – und auf einem zumindest an diesem Nachmittag auch für Touristen frei zugänglichen Areal.

Vorerst aber ist eine ganzjährige Öffnung kein unmittelbares Thema. „Wir schauen uns das jetzt einmal im Juli und August an“, sagt Sahl. Der Verein der Freunde des Augartens will diese Öffnung im Juli mit einem großen Fest begehen. Und damit zeigen, dass der Aktivismus auch ohne Protestzelt weitergeht. Denn das, was 2007 als Bürgerprotest gegen die Errichtung des Konzertsaals der Sängerknaben begann, soll so etwas wie eine Dauereinrichtung werden: „Verbauung und Privatisierung sind ja nach wie vor Themen“, sagt Matysek. Wenn es um Überlegungen, im Flakturm ein Datencenter einzurichten, oder um einen zusätzlichen Musikpavillon geht, zum Beispiel. „Das alles würde Straßen, Verkehr, Verbauung bringen. Wir sind bereit, da unseren Protest jederzeit wieder aufzunehmen“, kündigt Matysek an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2015)

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