Museumsquartier: Aufruhr um neue Hausordnung

Im Museumsquartier darf kein selbst mitgebrachter Alkohol mehr konsumiert werden, weil es "wiederholt zu Exzessen gekommen ist". Via Facebook formiert sich Protest gegen die verschärften Regeln.

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(c) Michaela Bruckberger

Wien. Für die einen ist es eine „vollkommene Überregulierung“. Das Museumsquartier (MQ) selbst spricht von „notwendigen Sicherheitsmaßnahmen“. Sie regt jedenfalls auf, die neue „Hausordnung“, die in den MQ-Höfen, dem wohl am intensivsten genutzten öffentlichen Raum in Wien, seit dem vergangenen Wochenende – und ohne große Ankündigung – gilt.


Ab sofort dürfen Besucher keine mitgebrachten alkoholischen Getränke mehr auf den Sitzmöbeln, den Enzis, und Bänken konsumieren, sondern nur noch Getränke, die bei den MQ-Lokalen gekauft werden. Weiters dürfen die Enzis nicht mehr via MP3-Player beschallt, keine Musikinstrumente gespielt werden. Stiegen, Gänge, oder auch die Betonsockel um die Bäume, bislang bei Enzi-Vollbesetzung gerne als Sitzplätze benutzt, müssen freigehalten werden.

>> Presseaussendung des MQ: "Kein Alkoholverbot" (pdf)

Verbote, die das überwiegend junge, studentische Publikum, das tagsüber und abends die Enzis okkupiert, nicht so hinnehmen will. Zwei 20-jährige Studenten, Florian Glöcklhöfer und Daniel Renn, denen im MQ der Konsum von mitgebrachten Alkohol von Securitys (höflich, aber doch) verboten wurde, haben im sozialen Netzwerk „Facebook“ eine Gruppe gegründet, die dagegen friedlich protestieren will. „Freiheit im MQ!“ nennt sich die Gruppe, innerhalb weniger Stunden sind fast 5000 Facebook-User beigetreten. „Das MQ soll ein Ort der kulturellen Freiheit bleiben“, sagt Glöcklhöfer, „an dem es eben so wenig verboten sein soll zu musizieren wie für einen Augustin-Verkäufer, seine Zeitung zu verkaufen.“ Auch Letzteres ist ab sofort nämlich nicht mehr erlaubt. Die Gruppe plant Protestaktionen, etwa ein „Dauerfahrradschieben“, da auch Radfahren und Inlineskaten nun verboten sind. Eine andere Facebook-Gruppe organisiert für 20. Juni (18 Uhr) einen Flashmob: Fünf Minuten lang sollen sich möglichst viele Teilnehmer mit mitgebrachten Getränken laut zuprosten.

Die MQ Errichtungs- und Betriebsgesellschaft weiß vom Widerstand und räumt ein, dass es „einige negative Reaktionen“ gegeben habe. Es handle sich um einen „Probebetrieb“ (wie lange, steht nicht fest), von dem die Besucher wohl „überrascht“ wurden. Wird man die Protestaktionen zulassen? Dazu will das MQ noch nichts sagen.

Beim Privat-Getränke-Verbot, so betont man, gehe es nicht darum, den MQ-Gastronomen  zu mehr Umsatz zu verhelfen. Vielmehr seien die Maßnahmen „auf Anraten der Polizei“ und nach wiederholten Alkoholexzessen am Areal beschlossen worden. Weiters sind die Durchgänge Mariahilferstraße auf der einen und Burggasse (bei der U2) auf der anderen Seite ab sofort von 24 Uhr bis 5:30 Uhr geschlossen, um weniger Durchzug und damit weniger Lärm zu haben. Ein Zugeständnis an die MQ-Bewohner, die wiederholt über Lärm und Vandalismus geklagt haben.

"Bring your beer to the Museumsquartier"
20. Juni von 18.00 bis 18.05 Uhr im Innenhof des Museumsquartiers, Museumsplatz 1/5, 1070 Wien

("Die Presse" Printausgabe vom 9. Juni 2009)

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