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Cityguide: Margareten, dann Manhattan

15.06.2009 | 12:57 |  von Mirjam Marits (Die Presse)

Wien findet der viel gereiste Schriftsteller Michael Stavaric ziemlich klein und harmlos, und oft ist er ohnehin nicht da. Wenn doch, dann ist der gebürtige Tscheche gerne rund um sein Wohnviertel im fünften Bezirk unterwegs.

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Als er nach dem Bundesheer zum Studieren in die Stadt gezogen ist, da kam ihm Wien noch groß vor. „Man geht hier leicht verloren“, dachte Michael Stavaric, der Autor (aktueller Roman: „Böse Spiele“, C.H. Beck Verlag) und Übersetzer, damals. Heute, nach vielen Jahren des Vielreisens, sieht er das anders. Klein und überschaubar findet er die Stadt heute. In den asiatischen Großstädten wie Shanghai, die er bereist hat, wäre Wien von der Fläche her „ maximal ein Stadtteil“, sagt er. Stavaric, 37, sitzt, in einer fast bodenlangen schwarzen Jacke und knallgelbem T-Shirt, am Gaudenzdorfer Gürtel im 12. Bezirk. Die „Fabrik“ hat er sich als Treffpunkt ausgesucht, ein an sich unauffälliges Lokal mit einem auffällig hübschen Gastgarten im Innenhof eines Backsteinhauses. Der mit Efeu bewachsene Schornstein im Hintergrund erinnert daran, dass das Gebäude hier tatsächlich einmal als Fabrik genützt wurde. Stavaric bestellt einen Cappuccino (der hier mit Schlagobers serviert wird) und erzählt. Davon, dass er im Herbst vier Monate nach New York zieht. Er wird an der Rutgers University neue deutsche Literatur lehren – und an seinem nächsten Roman schreiben. Danach wird ihm Wien vielleicht noch ein Stück enger vorkommen.

Noch nicht so hip. Und doch, sagt der gebürtige Tscheche(der in Brno geboren wurde), lebt er gerne hier. Seine Wohnung im Fünften, nahe der Grenze zwischen Margareten und Meidling, liegt in einem guten Grätzel, findet er. Stavaric mag, dass es im Fünften „noch nicht weiß Gott wie viele hippe Läden gibt. Ich mag es sehr, wenn Bezirke noch nicht so durchgestylt sind.“ Aber, sagt er, als er am Gürtel Richtung stadteinwärts spaziert, „ich glaube Margareten ist als Nächstes dran.“ Da hat er sicher recht, zieht es doch viele Kreative, Modemacher, Läden vom Vierten (Kettenbrückengasse!) via Margaretenstraße immer mehr in Richtung fünfter Bezirk. Auch wenn sie oft noch allein auf weiter Flur sind. So wie der neue, im design minimalistische Frisör (der sich mit „ö“ schreibt) „Herr Smiljan“ in der Schönbrunner Straße. Den hat Stavaric kürzlich entdeckt, im Vorbeigehen, das hübsche weiße Logo, die Atmosphäre, Herr Smiljan, der Haarschneider selbst, „gefällt mir“, sagt er.

Und geht weiter in Richtung Reinprechtsdorfer Straße, die von Billigshops, Wett- und Internetcafés dominiert wird. Viel gibt es hier nicht, was übermäßig interessant wäre. Einen der wenigen außergewöhnlichen Orte hat Stavari? als „diesen kleinen Plattenladen“ angekündigt. Tatsächlich heißt der „Record Shack“, und fast übersieht man ihn trotz der auffälligen rosa Vespa in der Auslage. „Schallplatten An- und Verkauf“ steht auf der Eingangstür, drinnen ist es so eng, dass man sich zwischen den Regalen voller LP kaum bewegen kann. Stavaric sieht sich ein wenig um. Er höre viel Musik, erzählt er, gern „soulige Sachen“, aber auch Klassik oder Heavy Metal.
Wohnzimmer-Atmosphäre. Quasi ums Eck, in der stillen Schwarzhorngasse, liegt das portugiesische Lokal „Senhor Vinho“, das an diesem Vormittag noch geschlossen hat. Stavaric blickt durch die Scheibe ins Innere. „Fast privat, wie in einem großen Wohnzimmer“ sitze man hier beim Essen. Speisekarte gibt es keine, die Inhaber kommen mit einer Tafel an den Tisch, auf dem die Gerichte mit Kreide aufgeschrieben stehen. Die Fischeintöpfe seien empfehlenswert, der gute Rotwein sowieso. Man merkt schon: Stavaric isst oft hier.

Oder auch ein Stück weiter stadteinwärts, im asiatischen Restaurant „On“ (Wehrg.) Ein authentisches Lokal, sagt Stavaric. Auf seinen Asien-Reisen habe er viele gehobene Lokale kennengelernt, die dem „On“ sehr ähneln. Davon gibt es in Wien, der Stadt der „verkitschten, überladenen Chinarestaurants“, nur wenige. Das „On“, das „ra'mien“, das „Shanghai Tan“. Drei in ganz Wien? Die Stadt, sagt StavariC, ist eben klein und überschaubar.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2009)

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1 Kommentare
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Stavari? (warum immer mit ?), der vielgereiste.....

findet weltmaennisch - wien ist klein und harmlos - wie recht er doch hat - das sollte er dem derzeitigen bm sagen.........