Rothneusiedl: Was kommt nach der "Ära Stronach"?

Die Ära Stronach ist beendet: Jetzt mehren sich die Diskussionen über die Zukunft des Bezirksteils Rothneusiedl.

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(c) APA (MARTIN FICHTER)

Wien. Seit Ende vergangener Woche der geplante Abriss des Haschahof, eines Favoritner Wahrzeichens, in letzter Minute verhindert werden konnte, (die „Presse“ berichtete), herrscht im betroffenen Bezirksteil Rothneusiedl Unruhe. Denn einerseits wird der versuchte Abriss als Signal des Grundeigentümers Wohnfonds (zum Wohnbauressort gehörig) gedeutet, dass man in Rothneusiedl gern schnell Wohnbau sehen möchte. Anderseits ist die Sorge um den weit über den Bezirk bekannten Hof, wo viele Wiener über Jahre ihre eigenen Selbstanbaufelder gemietet hatten, weiterhin groß. Denn immerhin hieß es, dass der Abbruch nur „vorübergehend“ gestoppt ist.

Doch mittlerweile sind sich rotes Wohnbauressort und grünes Planungsressort einig, dass der Haschahof auch längerfristig erhalten bleiben solle, möglicherweise wird es dort Kulturnutzung geben. „In den kommenden Tagen wird es in dem Sinne Gespräche von Interessenten mit Stadtverantwortlichen geben“, bestätigt der grüne Planungssprecher Christoph Chorherr im Gespräch mit der „Presse“.

Zugleich wird auch das Bundesdenkmalamt prüfen, ob man den Hof mit seinen Nebengebäuden unter Denkmalschutz stellen könne. Eine Kultur-Nutzung würde übrigens auch den Vorschlägen der Favoritner Volkspartei entsprechen. „Wir könnten uns dort eine Einrichtung, ähnlich wie etwa die Ankerbrot-Fabrik, vorstellen“, meint etwa VP-Chef Alfred Hoch. Diese habe den Bezirksteil deutlich belebt.

Auch wenn der Haschahof, gelegen im südlichen Favoriten inmitten von Grünland und Äckern, in den nächsten Jahren erhalten bleibt, ist die Zukunft des Areals rundherum noch offen. Denn Rothneusiedl ist eines der letzten großen Gebiete am Stadtrand, das von Bauinteressenten noch wenig angetastet wurde. 2005 wurde Rothneusiedl – damals unter Planungsstadtrat Rudolf Schicker – als prioritäres Stadtentwicklungsgebiet definiert. Dass es mit der geplanten Verbauung nichts wurde, liegt auch an Frank Stronach. Denn dieser schaffte es, seinen Einfluss im Rathaus schlagend zu machen, und er, besser gesagt seine Firma Magna, bekam eine lang laufende Option auf stadteigene Gründe in Rothneusiedl. Dort wollte Magna ein Einkaufszentrum errichten, Wohnbauten und ganz besonders ein großes Fußballstadion für die Austria. Das war 2007: Die Verhandlungen mit Stadt und Grundstückseigentümern zogen sich, Stronach verlor bald persönlich Geduld und Lust an dem Projekt. Ende vergangenen Jahres ist diese Option nun ausgelaufen.

 

Großer Wohnbaudruck

Die Grünen aber, die seit 2010 für die Stadtplanung verantwortlich sind, konnten dem Projekt im Grünen absolut nichts abgewinnen. Mittlerweile sehen sie das etwas anders. „Wenn das rasante Stadtwachstum so weitergeht“, sagt Chorherr, werde man „irgendwann einmal, so in zehn, 15 Jahren“, auch dort über Wohnbau reden müssen. Und genau dafür habe der Wiener Wohnfonds in den vergangen Jahren in Rothneusiedl Grundstücksreserven aufgebaut.

Ob die Zehn-bis-15-Jahre-Prognose des Planungssprechers hält, ist eine andere Frage. Denn der Wohnbaudruck ist schon derzeit sehr groß, wie an der rasanten Bautätigkeit in den freien Flächen in Wiens Norden (Stichwort Aspern) oder im Südwesten (Stichwort: Atzgersdorf/Wiesen) zu sehen ist.

Dazu kommt der Faktor U1. Diese führt über die Favoritner Straße und biegt dann zur Therme Wien in Oberlaa ab. 2017 soll diese Route fertig sein. Technisch wurde aber schon vorgesehen, dass die U-Bahn relativ rasch gerade in den Süden weitergebaut werden kann – bis Rothneusiedl. Dies bedarf nur einer obersten Entscheidung.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2016)

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