Augarten-Besetzung: Wega räumt das Gelände

Aktivisten besetzten seit Montag den Augartenspitz, um gegen den Bau des Sängerknaben-Konzertsaals zu protestieren. Sie wurden von der Polizei weggetragen. Rückendeckung erhalten die Demonstranten von den Grünen.

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Grüne Wien

Im Konflikt um den geplanten Konzertsaal der Wiener Sängerknaben im Augarten hat die Polizei Mittwoch Früh den Augartenspitz in Wien geräumt. Die Demonstranten der Bürgerinitiative "Josefinisches Erlustigungskomittee" besetzten einen Bereich des Augartens seit Montag, um Probebohrungen für die Errichtung des Saals zu verhindern.

Die Demonstranten hatten unter anderem ein kleines Zeltlager errichtet, Infostände aufgestellt und einen Kinderspielplatz eingerichtet. Einige der Aktivisten waren am Eingangstor angekettet und mussten erst von der Polizei losgeschnitten werden. Die Einsatzkräfte trugen schließlich 13 Aktivisten vom Grundstück.

Video der Räumung (Die Grünen)

Rückendeckung von SPÖ und Grünen

Rückendeckung erhielten die Konzertsaal-Gegner von den Grünen. Deren Kultursprecher Wolfgang Zinggl kritisierte, dass die Besetzung mit "unverhältnismäßiger Härte" beendet worden sei.

Der Bezirksvorsteher der Leopoldstadt, Gerhard Kubik (SPÖ) bezeichnete die Ereignisse als "äußerst bedauerlich". Geplant sei ursprünglich gewesen, einen Leitbildprozess durchzuführen und erst danach zu entscheiden, was im Augarten passieren soll. "Dieser Plan ist im Jahr 2007 leider vom damaligen Wirtschaftsministerium torpediert worden."

Burghauptmann Wolfgang Beer, auf dessen Geheiß die Räumung durchgeführt wurde, hat für die Aktivisten kein Verständnis. "Erst dann zu protestieren, wenn das fertige Projekt da ist, ist ein bisschen zu spät", sagte er. So hätten die Aktivisten beispielsweise versäumt, den Flächenwidmungsplan zu beeinspruchen.

Aktivisten setzen Protest fort

Die Aktivisten selbst zeigten sich erbost. Sie wollen ihre Proteste fortsetzen. Der Ort werde nun noch mehr Aufmerksamkeit erhalten, so Sprecherin Raja Schwahn-Reichmann. Für  Mittwoch 15.00 Uhr kündigte sie eine Demonstration gegen die "kalte Enteignung des öffentlichen Raums" an.

Erst am Dienstag bekamen die Besetzer prominente Unterstützung. Zahlreiche Künstler, darunter Viennale-Chef Hans Hurch, Schriftsteller Robert Menasse und Regisseurin Barbara Albert präsentierten sich als "Baumpaten", um zu verhindern, dass Bäume im Zug der Bauarbeiten gefällt werden.

Am Augartenspitz soll der Konzertsaal für die Wiener Sängerknaben errichtet werden. Das Projekt wird seit Jahren geplant und ist höchst umstritten. Im April 2008 gründete sich die Bürgerinitiative gegen das Vorhaben, die mittlerweile 10.000 Unterschriften gesammelt hat.

 

(Ag., Red. )

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