„Ich will kiffen dürfen“: Umstrittene Demo von Hanf-Aktivisten

Legalisierungs-Demo am Samstag in Wien. Laut Umfragen kann die Bevölkerung einer Freigabe nichts abgewinnen. Rathaus-Opposition kritisiert umfangreiche Verkehrssperren "für ein paar eingekiffte Vollhappeln".

Schon der Hanfwandertag 2015 fand unter starker Polizeibeteiligung statt
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Schon der Hanfwandertag 2015 fand unter starker Polizeibeteiligung statt
Schon der Hanfwandertag 2015 fand unter starker Polizeibeteiligung statt – David Rosse

"Ich will kiffen dürfen." Mit diesem Zitat des deutschen Jugendrichters und Buchautors Andreas Müller werben die Veranstalter für den Wiener Hanfwandertag 2016. Die Demonstration, die diesen Samstag durch die gesamte Innenstadt führen wird, wirbt u. a. für die Freigabe von Cannabis-Produkten für den Eigengebrauch. Sowohl die Absicht, also auch die Veranstaltung selbst sind jedoch umstritten.

In einer aktuellen und repräsentativen Befragung (4000 Interviews) des Kompetenzzentrums Sucht ist nämlich keine Rede davon, dass die Bevölkerung ebenfalls hinter dieser Forderung steht. Lediglich vier Prozent der Befragten gaben an der Meinung zu sein, Cannabis solle künftig frei erhältlich sein. 20 Prozent wollen den Konsum strafrechtlich verfolgt sehen, weitere 23 Prozent zumindest verwaltungsrechtlich.

 

Umfrageergebnis des Kompetenzzentrums Sucht
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Umfrageergebnis des Kompetenzzentrums Sucht
Umfrageergebnis des Kompetenzzentrums Sucht –

Immerhin: 42 Prozent, also annähernd die Hälfte, sind der Ansicht, das Rauchen von Marijuana könne gesetzlich erlaubt sein, dessen Abgabe müsse dabei jedoch streng kontrolliert werden. Elf Prozent meinen, der Konsum solle zwar verboten sein, Strafen seien jedoch nicht nötig. Die medizinische Abgabe von Cannabisprodukten, etwa zur Schmerztherapie, fordern 86 Prozent.

Klischees auf beiden Seiten

Vergangenes Jahr nahmen 15.000 Personen am Hanfwandertag teil. Die Route heuer führt vom Westbahnhof über den Gürtel, die Alserstraße und den Ring bis zum Burgtor. Um die Sicherheit zu gewährleisten sind umfangreiche Straßensperren vorgesehen. Sperren, die vor allem die Wiener Oppositionsparteien ÖVP und FPÖ ablehnen. Dabei geht es wohl nicht nur um den Verkehr, sondern auch die Weltanschauung. Veranstalter und Kritiker lassen nämlich beide kein Klischee aus.

Die einen kündigen öffentliche Hanfblütenschauen im "Bushmobil" an, untermalt von szenetypischen Reggaeklängen. Die anderen, etwa der FPÖ-Abgebordnete Toni Mahdalik, schießen gegen dieses umstrittene Lebensgefühl verbal scharf: "Wenn am Samstag ein paar eingekiffte Vollhappeln mit dem Hanfwandertag den Verkehr in halb Wien lahmlegen und für ein feinstaubmaximierendes Stauchaos sorgen, werden sich vielleicht Glawischnig, Vassilakou & Co. einen Haxen ausfreuen. Wirtschaft und Umwelt werden jedoch massiv leiden."

Übrigens: Zwei Besuchern des Hanfwandertags des Vorjahres wurde ein Einkauf während der Veranstaltung zum Verhängnis. Die beiden hatten dort Cannabissamen gekauft und diese in einem Wohnhaus in der Deutschordenstraße eingesetzt und die Pflanzen großgezogen. Nachbarn riefen schließlich die Polizei. Es folgten Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz.

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