26.05.2012 07:29 | Meine Presse Merkliste 0

Weiter Streit um Krankenhaus Nord

30.07.2009 | 18:21 |  GERHARD BITZAN (Die Presse)

Ständig wachsende Kosten, Verzögerungen beim Bau: Im Streit um das Medizin-Großprojekt Krankenhaus Nord werden Assoziationen zum „Skylink“ hergestellt.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

WIEN. Kein Skandal, korrektes Vergabeverfahren: Für Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely und für den Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) läuft bei der Planung für das neue Krankenhaus Nord alles richtig ab. Die steigenden Kosten seien in der steigenden Bettenanzahl begründet, heißt es. „Das Krankenhaus wird 2015 in Betrieb gehen“, gibt sich Wiens oberste Gesundheitspolitikerin optimistisch. Architektur-, Medizinexperten und die Rathausopposition sehen dies jedoch deutlich anders, es gibt immer massivere Bedenken an der Abwicklung dieses größten medizinischen Bauwerks seit Jahrzehnten in Wien. Sogar ein Gesundheitssonderausschuss wurde einberufen.

Ein „Presse“-Überblick zu den einzelnen Vorwürfen:

Die Ausschreibung. Überlegungen für ein neues Großspital im Norden Wiens gab es schon seit vielen Jahren. 2006 wurde eine EU-weite Ausschreibung durchgeführt. Im Prinzip eine korrekte Vorgangsweise, allerdings sorgte für Verwunderung, dass als Ausschreibungsbedingung das Mitbringen eines Spitalgrundstückes verlangt wurde. International ist dies nicht üblich. So war es auch nicht verwunderlich, dass es nur wenige Einreichungen gab und letztlich nur zwei Bieter übrigblieben. Einer davon, die Strabag, warf bald das Handtuch, weil man angeblich bei den Kampfpreisen des Konkurrenzkonsortiums Porr/Siemens/Vamed nicht mitkonnte.

Die Grundstücksfrage.
Wehsely argumentiert auf die Frage, warum man dieses Ausschreibungsmodell gewählt habe, sehr ungewöhnlich. Die Stadt habe unbedingt in Floridsdorf ein Spital errichten wollen. Daher sei die Vorgabe an mögliche Bieter gewesen, ein Grundstück von dort mitzubringen. Allerdings gehört das Areal an der Brünner Straße, wo das Spital gebaut werden soll, immer noch den ÖBB. Das Bieterkonsortium Porr/Siemens/Vamed hat zwar ein Verfügungsrecht über die Immobilie, die Stadt Wien hat sich über den KAV aber ein Vorkaufsrecht gesichert. Warum die Stadt dann das Grundstück nicht gleich selbst kauft und für den Bau zur Verfügung stellt, ist ungeklärt.

VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec wundert sich auch sehr darüber, warum für ein Grundstück, das noch gar nicht verkauft wurde, und dessen Preis daher noch verhandelbar ist, schon ein Architektenwettbewerb gemacht wurde.

Das Bieterkonsortium.
2008 wurde (nach dem Absprung der Strabag) in den KAV-Gremien der Beschluss gefasst, nur mit einem Konsortium zu verhandeln, konkret also mit Porr/Siemens/Vamed. Für Experten ist dies wirtschaftlich unverantwortlich, da mangels Konkurrenz hohe Preise verlangt werden können. An eine Neuausschreibung, wie es bei Bauwerken dieser Größenordnung nötig sein sollte, wurde aber nicht gedacht. Zugleich ließ Leiter Wilhelm Marhold schon vor Monaten verlauten, dass der Zuschlag bereits an das Konsortium erteilt sei und man mit der Arbeit beginnen könne.

Das war voreilig, denn tatsächlich ist dieser Zuschlag bis heute offiziell nicht erteilt, man werde weiter hart verhandeln, um zu einem guten Preis zu kommen, heißt es jetzt. Und wenn das Konsortium im Wissen, dass es alleiniger Anbieter ist, preislich starr bleibt? Es gebe einen Plan B, ließ Marhold verlauten. MöglichesSzenario: Die Stadt kauft das Grundstück selbst und lässt dort bauen. Ob der geplante Baustart 2010 damit zu halten wäre, ist mehr als zweifelhaft.

Der Architektenwettbewerb. Den internationalen Wettbewerb gewann das Architekturbüro Albert Wimmer. Doch wie sich jetzt herausstellt, saßen in der Jury bereits Vertreter von Siemens, Vamed und Porr, also aus dem Konsortium, mit dem zum Wettbewerbszeitpunkt (Herbst 2008) noch verhandelt wurde.

 

Schlechte Wettbewerbsoptik

Zwar waren die genannten Konsortiumsvertreter nicht als Fachpreisrichter (das sind Architekten) in der Jury tätig, sondern „nur“ als Sachpreisrichter bzw. Ersatzpreisrichter. Die Optik ist dennoch schlecht, üblich ist so etwas bei Wettbewerben auch nicht. Die grüne Planungssprecherin Sabine Gretner glaubt, dass Mitbewerber den Wettbewerb beeinspruchen hätten können. Allerdings ist die Frist dafür schon abgelaufen.

Die Kosten.
Bürgermeister Michael Häupl hat sich zuletzt zwar darüber lustig gemacht, dass die Opposition bereits über Kostenexplosionen spreche, obwohl noch gar nicht gebaut wird. Experten weisen aber darauf hin, dass man ein frühzeitiges genaues Kostenmanagement brauche, um eine Entwicklung à la Skylink am Flughafen zu vermeiden.

Sicher ist, dass in ersten Kostenschätzungen von „unter 450 Mio. Euro“ gesprochen worden ist. So geht es nachweisbar aus einer Anfragebeantwortung im November 2006 der damaligen Gesundheitsstadträtin Renate Brauner hervor. Bei der SPÖ-Klubklausur in Rust im Februar 2008 wurde schon von 605 Mio. Euro gesprochen, und zuletzt rechneten Spitalserrichtungsexperten mit mindestens 800 Millionen. Für Wehsely ist diese Steigerung nur in der wachsenden Bettenanzahl und Geldabwertung begründet. Siehe oben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

9 Kommentare
Gast: doppi
03.08.2009 16:38
0 0

Warum macht keiner was daggegen?

Wozu die EU weite Ausschreibung?
Die hätte man sich sparen können!
Von wo sollte ein möglicher ausländischer Bieter ein Spitalsgrundstück hernehmen?

Warum warf die STRABAG das Handtuch?
Weil sie möglicherweise nur scheinbar mitgeboten hat, wissend beim nächsten Projekt zum Zug zu kommen, oder von der ARGE mit Subfirmenarbeiten betraut wird.
Wenn die Angebote der ARGE Kampfpreise waren, wieso sind die Errichtungskosten nun mehr als doppelt so hoch wie geplant?

Die Lösung der kostspieligen Grundstücksfrage scheint mehr als dubios.
Es gibt noch genügend freie Grundstücke in Floridsdorf die für eine Spitalserrichtung optimaler geeignet sind wie das beengte, laute Betriebsgelände der ÖBB.
Warum klärt niemand die Frage warum die Stadt Wien dieses Grundstück nicht selbst kauft?

Zur Auftragsvergabe, entweder es gibt Ausschreibungs- und Vergaberichtlinien die von jedem einzuhalten sind oder es macht in Hinkunft jeder Bauträger was er will!

Der „Architektenwettbewerb“ zeigt wieder einmal wie in Wien gepackelt wird.
Nicht nur die Optik ist mehr als schlecht.

Wiens Bürgermeister kann sich leicht lustig machen über mögliche und sichere Kostensteigerungen, er zahlt sie ja nicht und bis die zum tragen kommen ist er nicht mehr im Amt!
Nicht das weisungsgebundene Kontrollamt, nein der Rechnungshof sollte auch hier prüfen!

Gast: Hannibal
31.07.2009 09:29
2 0

SPÖ Abzocke der Steuerzahlerinnen

typische SPÖ Abzocke der SteuerzahlerInnen.

Ein Bieterverfahren, wo der Bieter ein grundstück beibringt????, wie kann man da einen Preis vergleichen, wenn das Grundstück genau in Floridsdorf liegen soll???
was ist wenn das grundstück des ersten Bietes wertvoller ist als das des

Wenn es nur einen Bieter gibt, braucht man auch kein Verfahren , der eine Bieter kann dann jeden Preis verlangen!

1.) zufällig sind die "Sieger" PORR und Siemens - wo der SPÖ Mayer PORR Chef und SPÖ Ederer Siemens Chefin ist.....

2.) dann gibt es schon einen Architekturwettbewerb, obwohl das Grundstück noch nicht gesichert ist???

3.) zufällig gewinnt de Architekt, der mit der SPÖ verbandelt ist

4.) Die projektkoordination macht natürlich das Büro, das beim Skylink so erfolgreich war -- natürlich ohne Ausschreibung

Fazit: SPÖ ABZOCKE ohne ende....

PRATERVORPLATZ, SKYLINK, KRANKENHAUS NORD

der Häupl und Genossen gehört dringend weg, SPÖ raus aus der Wiener Regierung....
Ich hoffe nur, dass die WÄHLER SO INTELLIGENT SIND; die SPÖ NICHT zu WÄHLEN!!


Antworten Gast: doppi
03.08.2009 17:54
0 0

INFO

DI Horst Pöchhacker war bis 2007 Generaldirektor der Firma PORR und ist seither Aufsichtsratsvorsitzender bei der ÖBB und Aufsichtsratsvorsitzenderstellvertreter der ASFINAG.

Der 2003 von der TEERAG-ASDAG gekommene Finanzvorstand Helmuth Mayer war bis 2008 Finanzchef bei PORR. 2008 wurde die TEERAG-ASDAG von PORR gekauft

10 Jahre zuvor gab es einen Skandal um das Wiener U-Bahnbaukartell.
http://homepage.univie.ac.at/emo.gotsbachner/DA/Skandal.pdf

Der bereits verstorbene ehemalige Finanzstadtrat und Vizebürgermeister Hans Mayr,
war von 1995 bis 2002 Aufsichtsratsvorsitzender bei PORR

PORR kaufte 2004 trotz kartellrechtlicher Bedenken die Baufirma WIBEBA.

Der jetzige Generaldirektor der PORR, DI Wolfgang Hessoun(Neffe des ehemaligen SPÖ Sozialministers Josef Hessoun) hat 5 Jahre bei Siemens in Deutschland gearbeitet.

Ein Schelm der sich daraus schlechtes zusammenreimt!

2 0

Re: SPÖ Abzocke der Steuerzahlerinnen

64 Jahre absolute SPÖ-Mehrheit in Wien (seit Kriegsende) lassen gewisse Zweifel an der Intelligenz der Wähler aber zu ...

Gast: Wahlvolk
30.07.2009 21:47
2 1

Die nächste rote Geldverschiebung

vom steuerzahlenden Bürgern in parteinahe Kreise.
Steigerung des Baukostenindex (Statistik Austria) von Ende 2006 bis heute etwa 10% (= 450 auf 500 Mio €). Und wieviele Betten mehr gibt es für die restlichen 300 Mio €, Frau Gesundheitsstadträtin?

Antworten leokoller3
31.07.2009 07:34
2 0

Re: Die nächste rote Geldverschiebung

AKH II

1 0

Re: Re: Die nächste rote Geldverschiebung

Vulgo "AKH Transdanubien" :-)

Gast: der kritische
30.07.2009 19:45
2 1

provisionen?

wieviel % an provisionen fliessen hier zurück in die parteikassen oder in deren nahestehende institutionen? warum erhält so oft die porr den zuschlag bei wiener ausschreibungen? wie lange werden die steuerzahlen noch getäuscht und für dumm verkauft?

Antworten enzo
31.07.2009 08:37
2 1

Re: provisionen?

Ganz einfach weil die Porr genauso gut die Rote Rathausbrut schmiert wie die Vamed.
Da die Roten die Minusmacher NR.1 sind brauchen deren Parteikasssen immer Nachschub.