Fleischer mit Zitronenphobie

Gericht. Mann wurde von Kollegen gehänselt und stach zu.

Wien. Wegen schwerer Körperverletzung ist ein 45-Jähriger am Mittwoch am Landesgericht Wien rechtskräftig zu zwölf Monaten bedingt verurteilt worden. Der türkische Fleischer mit Zitronenphobie war im Dezember 2016 von einem Arbeitskollegen mit Schlürfgeräuschen, die man beim Beißen in diese Frucht macht, gehänselt worden und hatte dem 31-Jährigen mit dem Messer in den Brustkorb gestochen.

Der Angeklagte hat offenbar gleich mehrere Ticks: Berührt man ihn, berührt er denjenigen auch. Und er hat eine Phobie vor Zitronen und entsprechenden Schlürfgeräuschen, was seine Kollegen wussten.

Der 45-Jährige war mit der Fleischverarbeitung beschäftigt, als er vom späteren Opfer gehänselt wurde. Der Angeklagte gab an, völlig auf das frisch geschliffene Messer in seiner Hand vergessen zu haben, als er versuchte, den Kollegen mit dem Handrücken wegzuschieben. Dieser wurde dabei schwer verletzt – ihm wurde ein Lungenflügel durchstochen. Dass der Angeklagte absichtlich zugestochen hatte, glaubte auch das Opfer nicht.

Dem Beschuldigten fiel es nicht leicht, der Verhandlung zu folgen, da er jedesmal mit heftiger Mimik auf das Wort Zitrone reagierte. Die Richterin empfahl ihm, deshalb einen Arzt aufzusuchen. (APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2017)

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