Schönbrunn und sein Gartenproblem

Der Zoo möchte den Botanischen Garten pachten. Doch damit könnte auch das Unesco-Welterbe betroffen sein. Der Denkmalrat Icomos warnt vor dieser Entwicklung.

Im Südamerika-Park im Zoo Schönbrunn leben Ameisenbären, im Botanischen Garten soll Platz für Vögel geschaffen werden.
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Im Südamerika-Park im Zoo Schönbrunn leben Ameisenbären, im Botanischen Garten soll Platz für Vögel geschaffen werden.
Im Südamerika-Park im Zoo Schönbrunn leben Ameisenbären, im Botanischen Garten soll Platz für Vögel geschaffen werden. – (c) GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com

Wien. Wenn in den ersten Julitagen die Weltkulturorganisation Unesco bei ihrer Tagung in Krakau über den Stand des Weltkulturerbes berät, wird Österreich eine nicht unbedingt positive Rolle spielen. Sollte es nicht vorher noch einen letzten Kompromiss geben, stehe Wien wegen der Hochhauspläne am Heumarkt eine Aberkennung des Weltkulturerbe-Status im Raum, heißt es bei der Unesco.

Bis vor Kurzem stand noch ein zweites für Wien unangenehmes Thema im Raum: die geplante Eingliederung des Botanischen Gartens in Schönbrunn in das Tiergartenareal. Zwar ist das Problem nicht mit dem Heumarkt vergleichbar, aber auch dieses Projekt gefährdet nach Ansicht mancher Kulturschützer ein Weltkulturerbe, und zwar das von Schönbrunn. Mittlerweile aber ist das Thema für die Unesco vom Tisch, im Juli wird es sicher nicht auf der Tagesordnung stehen.

Worum geht's bei dem Streit? Der Botanische Garten ist Teil des Schlossparks Schönbrunn und liegt am Rande, an der Hietzinger Maxingstraße (s.Grafik). Angrenzend befindet sich der Tiergarten Schönbrunn, der seit Langem Platzbedarf und daher ein Auge auf dieses Areal geworfen hat. Man würde den Botanischen Garten ohnehin schonend nutzen, heißt es im Tiergarten. Er solle eine Ruhezone für Zoobesucher werden, und was die Tiere betrifft, würde man nur kleine Säuger dort ansiedeln oder Vogelvolieren aufstellen.

 

250 Jahre freier Zugang

Der Knackpunkt aber ist, dass das bisher frei zugängliche Areal in den Tiergartenbereich eingeschlossen und damit auch kostenpflichtig werden würde. Für Bezirkschefin Silke Kobald (VP) ein absolutes No-go: „Der Zugang und die Wege dort waren 250 Jahre frei, und so soll es auch bleiben.“ Mit dieser Einstellung hat sie auch die anderen Parteien hinter sich. Und die Hietzinger Bürger, die Petitionen gegen die Tiergarten-Pläne eingereicht haben.

Vor einigen Wochen gab es eine eindeutige Stellungnahme vom Denkmalrat Icomos, der die Unesco in Welterbefragen berät. Icomos Österreich schrieb an den damaligen Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, dass man „von dem Projekt Abstand nehmen“ solle. Begründet wird dies einerseits mit dem künftig fehlenden freien Zugang und andererseits damit, dass der Schlosspark Schönbrunn Weltkulturerbe sei und somit auch der Botanische Garten in seiner Ursprünglichkeit erhalten werden müsse.

In dem Schreiben wird unter anderem ein ungewöhnliches Argument angeführt. Laut einer EU-Verordnung sollen nämlich die Mitgliedstaaten künftig die „Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten“ verhindern. „Das heißt“, sagt Icomos-Vizepräsident Wilfried Posch zur „Presse“, „dass die Tiergärten bestimmte Tierarten ohnehin nicht mehr halten oder züchten können und damit das Argument des Platzbedarfs wegfällt.“

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Gerhard Kasbauer, der kaufmännische Leiter des Tiergartens, wundert sich etwas über dieses Argument, da es mit Denkmalpflege nur wenig zu tun habe. Die konkrete Liste mit den Tierarten, die betroffen seien, gebe es erst seit 2016. Die Tiergärten versuchten jedenfalls derzeit, das rechtlich genau zu klären und Ausnahmegenehmigungen zu bekommen. Das Thema sei aber Ländersache. In Wien sei allerdings noch nicht einmal definiert, wer genau dafür zuständig ist, sagt Kasbauer.

Differenzen um Zuständigkeiten gibt es auch auf einer anderen Ebene. So erklärte sich das Landwirtschaftsministerium in der Causa nicht zuständig, obwohl der Schlosspark Schönbrunn zu den Bundesgärten gehört und damit dem Ministerium untersteht. Also ist das Wirtschaftsministerium erster Ansprechpartner, dem sowohl Tiergarten als auch das Schloss Schönbrunn unterstehen. Dort hat aber gerade ein Chefwechsel stattgefunden, was laufende Verfahren nicht erleichtert. Auch im Schloss Schönbrunn wird ab September ein neuer Chef zuständig sein.

Sicher ist derzeit nur eines: Das Bundeskanzleramt arbeitet mit dem Bundesdenkmalamt an einer Stellungnahme, die der Unesco übermittelt werden soll. Und das wird einige Zeit dauern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2017)

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