Außenministerium soll Kindergarten-Studie bearbeitet haben

Beamte des Ressorts von ÖVP-Chef Kurz sollen auch inhaltliche Korrekturen vorgenommen haben, die ein ungünstiges Bild der Islam-Kindergärten darstellen sollten.

Archivbild: Außenminister Sebastian Kurz und Islamwissenschaftler Ednan Aslan bei einer Pressekonferenz 2015.
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Archivbild: Außenminister Sebastian Kurz und Islamwissenschaftler Ednan Aslan bei einer Pressekonferenz 2015.
Archivbild: Außenminister Sebastian Kurz und Islamwissenschaftler Ednan Aslan bei einer Pressekonferenz 2015. – Außenministerium/Dragan Tatic

Die viel beachtete Kindergartenstudie des Islamforschers Ednan Aslan dürfte vom Außenministerium bearbeitet worden sein. Das legt ein Bericht der Wiener Stadtzeitung "Falter" nahe. Demnach nahmen Beamte des Ressorts von ÖVP-Chef Sebastian Kurz, das die Studie in Auftrag gegeben hatte, auch inhaltliche Korrekturen vor, die ein möglichst ungünstiges Bild in den Islam-Kindergärten darstellen sollten.

Der "Falter" beruft sich auf ein Word-Dokument inklusive Korrektur-Modus, da sihm vorliege. Demnach wurden etwa Passagen, wo die Qualifikation der Pädagogen gelobt wurde, gestrichen und umgedeutet. Ein weiteres Beispiel: Aslan schrieb laut "Falter", dass auch muslimische Eltern in den Kindergärten für ihre Kinder "Werte wie Respekt, Gelassenheit, Individualität des Kindes, Hygiene, Zufriedenheit der Kinder, Pünktlichkeit, Liebe, Wärme und Geborgenheit, Selbstständigkeit und Transparenz der Regeln" suchten. Ein Beamter des Ministeriums formuliert stattdessen: "Besonders wichtig ist ihnen (den Eltern, Anm.), dass den Kindern islamische Werte vermittelt werden".

Integrationsminister Sebastian Kurz hat zur Kritik gemeint, dass alles in der Studie "die Handschrift Aslans" trage. Wenn jemand glaube, nun die Problematik schön reden zu können, halte er das für falsch, sagte der ÖVP-Obmann am Dienstag in Innsbruck. Kinder würden sprachlich und religiös abgeschottet aufwachsen und dies sei für die Integration äußerst problematisch. "Wir brauchen ein Miteinander und keine Parallelgesellschaft", erklärte Kurz. Diese würde durch islamische Kindergärten aber entstehen. 

Aslan steht zu Studie

Aslan verteidigt sich gegen die Kritik an seiner Studie: "Ich stehe hinter dem Bericht bis auf den letzten Punkt." Jene inhaltlichen Änderungen, die von Beamten des Außenministeriums vorgenommen worden seien, seien von ihm persönlich angeordnet worden: "Ich würde niemandem erlauben, mir für meine Arbeit Anweisungen zu geben", sagte er am Dienstag zur Austria Presseagentur.

Die Vorwürfe, wonach die Studie vom Ministerium überarbeitet worden sei, stellen für Aslan eine "wissenschaftliche Diffamierung und persönliche Beleidigung" dar. Man habe den Bericht ergänzen müssen, "um weitere Komplikationen zu vermeiden". Was er damit genau meint, sagte Aslan nicht. Der Wissenschaftler war im Zusammenhang mit der Studie in Kritik von muslimischen Organisationen geraten und soll auch Klagsdrohungen ausgesetzt gewesen sein.

Der für Kindergärten zuständige Wiener Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) will nach dem Bericht zunächst abwarten. Allerdings versicherte er am Dienstag gegenüber der Austria Presseagentur: "Wenn das auch nur im Ansatz stimmt, bin ich ehrlich bestürzt."

Neue Studie zu Islamkindergärten kommt im Herbst

Die Erhebung des Islamforschers Ednan Aslan über die Islamkindergärten sorgte schon 2015 für Debatten - und eine Verstimmung zwischen Integrationsministerium und Rathaus. Nachdem ein - später als Vorstudie titulierter - Text öffentlich bekannt geworden war, zitierte Minister Kurz die beiden zuständigen Wiener SPÖ-Stadträtinnen zu sich. Der damalige Medientermin verlief wenig harmonisch.

Die damals für Jugend bzw. Bildung zuständigen Stadträtinnen Sonja Wehsely und Sandra Frauenberger urgierten Fakten und übten Kritik an pauschalen Urteilen. Kurz versicherte jedenfalls: "Es hat sich aus meiner Sicht dargestellt, dass es Probleme gibt." Die Gefahr, dass Parallelgesellschaften "herangezüchtet" würden, bestehe - da Kinder religiös und ethnisch getrennt in Kindergruppen betreut würden.

Die Rathaus-Politikerinnen versicherten, dass man gemeinsam gegen Radikalismus und Extremismus kämpfen wolle. Leider seien Kurz und Aslan die Namen von konkreten Kindergärten, die angeblich sofort geschlossen hätten werden sollen, schuldig geblieben, wurde beklagt. Trotz aller Dissonanzen einigte man sich auf ein gemeinsames Vorgehen: Eine Studie soll das Thema umfassend erörtern. Sie soll bis Herbst 2017 vorliegen und von insgesamt sechs Autoren - darunter auch Aslan - erarbeitet werden.

"Konkretisierung" des Bildungsplans

Außerdem erstellt die Stadt derzeit einen Religionsleitfaden für private Träger. Dieser soll - ergänzend zum Bildungsplan - konkrete Vorgaben machen, wie religiöse Inhalte adäquat zu vermitteln sind. Das Handbuch wird im Herbst präsentiert, kündigte Bildungsstadtrat Czernohorzsky zuletzt an.

Dabei soll es sich um eine "Konkretisierung" des Bildungsplans handeln. Die Erarbeitung erfolgt unter Einbeziehung aller Religionsgemeinschaften. Der Leitfaden wird an alle privaten Kindergärten ergehen. Da er eine Ergänzung zum Bildungsplan darstellt, können Einrichtungen, die sich nicht daran halten, auch sanktioniert werden - bis zum Entzug der Bewilligung bzw. der Förderungen.

(APA)

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