Wieder eine Nacht der Verwüstung

Ähnlich regelmäßig wie die Hitzewellen in diesem Sommer über Österreich gezogen sind, kommen auch teils verheerende Unwetter und richten große Schäden an. Eine Bilanz.

Spektakuläre Blitze wie hier im Wechselgebiet gab es in der Nacht auf Freitag viele. In Niederösterreich waren es die blitzreichsten 24 Stunden dieses Jahres.
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Spektakuläre Blitze wie hier im Wechselgebiet gab es in der Nacht auf Freitag viele. In Niederösterreich waren es die blitzreichsten 24 Stunden dieses Jahres.
Spektakuläre Blitze wie hier im Wechselgebiet gab es in der Nacht auf Freitag viele. In Niederösterreich waren es die blitzreichsten 24 Stunden dieses Jahres. – (c) APA/EINSATZDOKU-LECHNER (EINSATZDOKU-LECHNER)

Wien. Mehr als 9000 Blitzeinschläge, ein Orkan, der mit Spitzengeschwindigkeiten von 130 km/h über Ostösterreich gezogen ist, riesige Bäume entwurzelt, Häuser abgedeckt oder Campingplätze verwüstet hat. Und das nicht nur in Österreich – an der oberen Adria in Italien wurden Badeorte unter Wasser gesetzt, Dutzende Menschen wurden verletzt. In Westungarn wurde ein Mann getötet, als ein Hausdach auf ein Auto krachte. In der Slowakei und in Tschechien kam es zu erheblichen Schäden.

Die Gewitter haben sich an der markanten Grenze zwischen kühler Luft im Westen und heißer Luft im Osten ereignet. Zum wiederholten Mal in diesem Sommer kam es in Österreich zu Muren, Starkregen, Überflutungen – und wieder einmal zu nächtelangen Einsätzen Tausender Feuerwehrleute.


130km/h. Diese Sturmspitzen – da spricht man längst von einem Orkan – wurden in der Unwetternacht auf Freitag in Ostösterreich gemessen. An den Wetterstationen der Zamg (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) wurden im Gebiet vom Burgenland über das Wiener Becken bis zum Weinviertel in vielen Regionen Sturmböen um 100 km/h gemessen. Am Flughafen Schwechat waren es fast 120 km/h, in Bruckneudorf (Bezirk Neusiedl am See) knapp 130 km/h. Selbst in der Wiener Innenstadt erreichten die Sturmböen um die 90 km/h.

70 Milliliter hat es in Dellach im Drautal von Donnerstagfrüh bis Freitagfrüh geregnet – mehr als halb so viel, wie in einem durchschnittlichen August dort in Summe zusammenkommt. Und nicht nur in Kärnten haben sich in kurzer Zeit laut Messungen der Zamg beachtliche Regenmengen gesammelt: In Innsbruck waren es in 24 Stunden 55 Millimeter Regen, dort regnet es im gesamten August im Schnitt rund 130 Millimeter.

9121 Blitzeinschläge hat das Blitzortungssystem Aldis von Donnerstagfrüh bis Freitagfrüh in Österreich gezählt. Die blitzreichsten Bundesländer waren Niederösterreich, die Steiermark und Oberösterreich. In Niederösterreich waren es die blitzreichsten 24 Stunden dieses Jahres. In den übrigen Bundesländern gab es heuer schon blitzreichere Tage, und von Rekorden sind die Einschläge dieser 24 Stunden weit entfernt: 2015 etwa gab es einen Tag mit rund 6800 Blitzen allein in der Steiermark.

40.000 Haushalte und mehr waren im Burgenland ohne Strom, nachdem der nächtliche Orkan den Stromleitungen arg zugesetzt hatte. Umgestürzte Bäume haben in sämtlichen Bezirken für Ausfälle gesorgt, noch Freitagvormittag waren im Burgenland 800 Haushalte ohne Strom. Zu erheblichen Ausfällen ist es auch in Kärnten gekommen, da waren Freitagfrüh rund 650 Haushalte ohne Stromversorgung, die meisten davon im Gitschtal. Von den Unwettern am meisten betroffen war in dieser Nacht Oberkärnten, dort gingen Muren ab, Bäche traten über die Ufer, Keller wurden überschwemmt.

50Menschen mussten in dieser Nacht von einem Campingplatz im Ferienort Möllbrücke in Kärnten in ein Notquartier gebracht werden. Drei Camper, darunter ein Kind, waren von herabfallenden Ästen verletzt worden.

200 Einsätze der Feuerwehr gab es in der Nacht auf Freitag allein in der Bundeshauptstadt Wien, die meisten waren wegen des Sturms bzw. wegen umgestürzter Bäume, loser Dachziegel oder umgestürzter Plakatwände gestartet worden. In Niederösterreich standen die Feuerwehren mit 1250 Feuerwehrleuten im Großeinsatz. Auch dort mussten vor allem Sturmschäden, großteils Bäume, die auf Stromleitungen und Straßen gestürzt waren, beseitigt oder auch Keller ausgepumpt werden.
30 Minuten – ungefähr so kurz konnte die Wiener Arena im schweren Gewitter Donnerstagabend bespielt werden, dann musste das Open-Air-Konzert der US-Band Interpol aus Sicherheitsgründen abgebrochen werden. Die Hallen wurden geöffnet, damit Besucher nicht im Gewitter auf die Straße mussten. Ob der Termin nachgeholt wird, ist noch nicht klar. Es werde an einer Lösung gearbeitet, Details gebe es bis Mittwoch kommender Woche, heißt es aus der Arena. Auch in der Steiermark musste das Lake Festival am Schwarzlsee südlich von Graz für mehr als eine Stunde unterbrochen werden.

1 Million Euro und mehr – im Burgenland haben die Unwetter vor allem Folientunnel und Glashäuser schwer in Mitleidenschaft gezogen, die Schäden sollen bei mehr als einer Million Euro liegen, wie die Landwirtschaftskammer mitteilte, das genaue Ausmaß stehe erst nach Begutachtungen durch Sachverständige fest. Zwei Drittel der heimischen Folientunnel sind laut Landwirtschaftskammer versichert, die Glashäuser zur Gänze. Bei Mais, wo es lokal ebenfalls zu Schäden kam, seien rund 60 Prozent versichert. Allerdings sei auch bei nicht versicherbaren Kulturen, etwa bei Wein, und an Wirtschaftsgebäuden Schaden entstanden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2017)

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