Rechtsstreit: Johann Strauss muss weg

Die Stadt Wien erzielt vor Gericht einen Erfolg gegen den Pächter. Das verfallene Schiff beim Donaukanal muss entfernt werden.

Die unbenutzte Johann Strauss beschäftigt seit Jahren die Gerichte.
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Die unbenutzte Johann Strauss beschäftigt seit Jahren die Gerichte.
Die unbenutzte Johann Strauss beschäftigt seit Jahren die Gerichte. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Seit Jahren ankert die Johann Strauss am Donaukanal nahe des Schwedenplatzes. Dort rostet das frühere Partyschiff vor sich hin und verfällt, während ein erbitterter Rechtsstreit zwischen Stadt Wien und Norbert Weber tobt. Jenem Norbert Weber, mit dem sich die zuständige Stadträtin Ulli Sima bereits bei der Copa Cagrana eine rechtliche Auseinandersetzung geliefert hatte.

Nun hat Sima im aktuellen Gerichtsverfahren gegen Weber, der sich mittlerweise Norbert Michael Waldenburg nennt, einen Erfolg erzielt. Demnach muss er das „völlig desolate“ Schiff laut Sima binnen drei Wochen auf seine Kosten entfernen – es muss an einen strömungsfreien, überwachten und hochwassersicheren Liegeplatz gebracht werden. Was passiert wenn Weber bzw. Waldenburg dieser Aufforderung des Gerichts nicht nachkommt? Dann werde die Stadt das Wrack auf dessen Kosten entfernen lassen, erklärt die Umweltstadträtin.

Die Vorwürfe der Stadt gegen Weber bzw. Waldenburg wiegen schwer: Notwendige Sanierungen und Wartungen wurden nicht durchgeführt, daher sei das 68 Meter lange und rund 16 Meter breite Schiff in einem derart desolaten Zustand, dass eine ordnungsgemäße Benutzung unmöglich ist und darüber hinaus Gefahr für Mensch und Umwelt sei.

Hintergrund: In der Vergangenheit wurde das abgesperrte Schiff von Personen immer wieder illegal betreten. Der Boden weist Löcher auf, ein Durchbrechen sei nicht auszuschließen, wird in einem Bescheid auf mehrere Gutachten nautischer Sachverständige Bezug verwiesen.

 

Schiff hat neuen Besitzer

Laut Gutachten könne die schwimmende Anlage auch jederzeit untergehen. In diesem Fall würde das Wrack abtreiben und bei der Anlegestelle des Twin-City-Liners bzw. dem Badeschiff „unabsehbare Zerstörungen“ verursachen, wird seitens der Stadt argumentiert. In diesem Fall müsste die öffentliche Hand für die enormen Kosten der Schiffsbergung aufkommen, nachdem sich Weber bzw. Waldenburg „in einem Insolvenzverfahren befindet“, heißt es in dem Bescheid.

Allein, Weber selbst sieht sich selbst gar nicht (mehr) als richtigen Ansprechpartner für die Stadt Wien: „Ich kenne diesen Bescheid nicht“, sagte er zur „Presse“. „Aber ich würde ihn auch gar nicht zugestellt bekommen, weil ich nicht mehr der Besitzer des Schiffs bin.“ Schon vor einigen Monaten habe er die Johann Strauss an einen Unternehmer verkauft – konkret handelt es sich um den Immobilieninvestor Jamal Al-Wazzan. „Wenn ein derartiger Bescheid erlassen und zugestellt wird, wird mein Mandant ihn bekämpfen“, sagt der Anwalt des neuen Besitzers zur „Presse“. Es sei geplant, das Schiff wieder imstande zu setzen. Zwar wirke es derzeit nicht besonders attraktiv, „aber es gibt keine gravierenden Mängel“. (stu/eko)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2017)

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