Neue Kritikpunkte an Aslan-Studie

Studienautor Aslan soll Teile der Forschungsarbeit ausgelagert haben – ein neuer Vorwurf rund um eine ohnehin schon umstrittene Studie. Die wichtigsten Antworten.

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Studienautor Ednan Aslan
Studienautor Ednan Aslan – (c) Clemens Fabry

Wien. Es ist die vermutlich meistdiskutierte Studie des Jahres. Und nun ist Ednan Aslans Arbeit zu den sogenannten Wiener Islamkindergärten mit einem weiteren Aspekt in die Kritik geraten. Der Religionspädagoge soll, wie „Kurier“ und „Falter“ berichtet haben, beträchtliche Teile der Arbeit ausgelagert und einen türkischstämmigen Unternehmensberater damit beauftragt haben. Die wichtigsten Fragen zum Thema.

1. Was ist das Neue an den Vorwürfen rund um die Kindergartenstudie?

Ein Unternehmensberater soll, so der Vorwurf, einen beträchtlichen Teil der wissenschaftlichen Feldforschung übernommen haben. Konkret behauptet er, dass Aslan ihm die Evaluierung der politischen und theologischen Zugehörigkeit der Vereine und Betreiber von Kindergärten übertragen habe. Auch sollen in dem Auftrag auch die Auswertung von Homepages der Vereine und eine Analyse der erzieherischen Zielsetzungen enthalten gewesen sein. Insgesamt 10.000 Euro soll der Mann dafür von Aslan erhalten haben – das ist rund ein Drittel des Projektbudgets.

2. Ist es denn ein Problem, Teile von Arbeiten an externe Dienstleister auszulagern?

Grundsätzlich nicht. In der akademischen Arbeit kommt es laufend vor, dass bestimmte Arbeiten von Externen durchgeführt werden – etwa wenn Meinungsforschungsinstitute anhand von von Wissenschaftlern erstellten Fragebögen die Umfragearbeit erledigen und die statistische Aufbereitung besorgen. Problematisch könnte es allerdings werden, wenn dabei nicht transparent vorgegangen wird – wobei es auch dafür Gründe geben kann, wenn etwa Mitarbeiter undercover recherchieren und demgemäß eine Nennung ihres Namens vermeiden wollen. Im aktuellen Fall ist der Unternehmensberater jedenfalls nicht als Ko-Autor angeführt – und er klagt auch, dass er seine Zuarbeiten in der Studie nicht so wiederfindet. Er meint, dass Aslan nicht aus einer neutralen Position heraus agiert habe, sondern alles sehr negativ betont habe. Er selbst hält die in der Studie genannte Zahl von 150 problematischen Kindergärten jedenfalls für zu hoch gegriffen – wenn er auch nicht bestreitet, dass es problematische Einrichtungen gebe, etwa was sprachliche Mängel betreffe. Aslan selbst war am Mittwoch für die „Presse“ nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Im Integrationsministerium, das die Studie beauftragt hat, heißt es, dass man von der externen Mitarbeit bisher nichts wusste, dass so etwas aber auch nicht unüblich sei.

3. Welche Probleme gab es schon bisher rund um die Kindergartenstudie?

Im Großen und Ganzen sind es zwei Themenbereiche, in denen es Kritik gibt. Zum einen ist das der Vorwurf, dass viele der politischen Aussagen, die nach Erscheinen des Berichts – laut Aslan eine „Vorstudie“ – aus der Arbeit nicht nachzuvollziehen waren. Und auch die Qualität der Arbeit selbst wurde bemängelt. Die Rede war von fehlenden Quellen, von zum Teil Jahre alten Beweisen und einer Stichprobengröße, die von Kritikern als zu gering erachtet wurde. Neben diesen methodischen Kritikpunkten kam Anfang Juli auch der Vorwurf, dass Mitarbeiter des Integrationsministeriums von Sebastian Kurz inhaltliche Korrekturen vorgenommen und Ergebnisse zugespitzt haben. Nachdem Aslan sich bei Bekanntwerden der Vorwürfe zunächst überrascht darüber gezeigt hatte, erklärte er später, dass er hinter der Studie stehe und jede inhaltliche Änderung mit ihm abgestimmt worden sei.

4. Läuft nicht ohnehin gerade eine Prüfung der umstrittenen Studie?

Im Grunde gibt es zwei Projekte, die Aufklärung bringen sollen. Zum einen ist das eine direkte Prüfung von Aslans Studie durch die Österreichische Kommission für wissenschaftliche Integrität. Diese Einrichtung prüft, ob Aslan gegen Regeln der wissenschaftlichen Praxis verstoßen hat. Dabei wird darauf geschaut, wie Ergebnisse zustanden gekommen sind, ob sie nachvollziehbar sind und die abgeleitete Interpretation zulässig ist. Ein Ergebnis soll Ende Oktober oder Anfang November vorliegen – noch wartet man auf das Einlangen externer Gutachten. Am Ende soll eine Zusammenfassung aller vorliegenden Daten stehen – und eine Empfehlung, wie man mit den Ergebnissen umgehen soll. Auf dieser Basis soll die Uni Wien entscheiden, ob und welche Konsequenzen es gibt.

Das zweite Projekt ist eine repräsentative Folgestudie zum Thema „Pluralismus in Kindergärten“, an der Wissenschaftler von Uni Wien und FH Campus Wien mitwirken – unter anderem auch Aslan. Diese Studie wurde von der Stadt Wien und dem Integrationsministerium in Folge von Aslans Arbeit in Auftrag gegeben. Um Zweifel an der wissenschaftlichen Qualität gleich von vornherein ausschließen zu können, wird der Bericht noch mit dem wissenschaftlichen Beirat abgestimmt. Die Ergebnisse, sagt Projektbetreuer Henning Schluß zur „Presse“, sollen aber noch heuer präsentiert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2017)

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