09.09.2010 12:48 | Meine Presse Merkliste0

Häftling gefoltert: Polizei entlässt erstmals Beamte

08.01.2010 | 18:26 |  KLAUS STÖGER UND MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Zwei Beamte, die 2006 einen Schubhäftling misshandelt hatten, wurden am Freitag aus dem Dienst entlassen. Damit wurden erstmals in Österreich Polizisten wegen schwerer Misshandlung eines Schubhäftlings entlassen.

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WIEN. Im April 2006 wurde BakaryJ. nach dem verunglückten Versuch, ihn abzuschieben, von vier Wega-Beamten in eine Wiener Lagerhalle geschleppt und dort schwer misshandelt – dem Gambier, der mit einer Wienerin verheiratet ist, wurden Jochbein, Kiefer und Augenhöhle gebrochen. Nach jahrelangen juristischen Querelen und aufgehobenen Urteilen gibt es seit Freitag eine rechtskräftige Entscheidung der Disziplinar-Oberkommission:

Zwei Polizisten wurden entlassen, ein Beamter (er soll an der Misshandlung nicht aktiv beteiligt gewesen sein) erhielt die höchstmögliche Geldstrafe (fünf Monatsbezüge) samt Versetzung in den Innendienst, ein weiterer Polizist (er wurde in der Zwischenzeit pensioniert) verliert alle aus seinem Dienstverhältnis resultierenden Ansprüche und Vergünstigungen. Damit wurden erstmals in Österreich Polizisten wegen schwerer Misshandlung eines Schubhäftlings entlassen – was Josef Phillip Bischof, Anwalt von Bakary J., so kommentierte: „Das ist die richtige Reaktion.“

Strafrechtlich waren die Polizisten wegen „Quälen eines Gefangenen“ bereits zu Haftstrafen zwischen sechs und acht Monaten bedingt verurteilt worden – weshalb der Disziplinaranwalt als dienstrechtliche Konsequenz eine Entlassung empfahl. Anfangs wurden die Beamten nur zu einer Geldstrafe verurteilt, die später noch reduziert wurde. Erst der Verwaltungsgerichtshof hob diese Urteile wegen Rechtswidrigkeit auf.

 

Polizeikommandant zufrieden

Während das Verfahren gegen Bakary J. weiterläuft (er hat beim Höchstgericht Einspruch gegen seine Abschiebung eingereicht), kommentierte Wiens Landespolizeikommandant Karl Mahrer die Entlassung der Beamten im Gespräch mit der „Presse“ positiv: „Es hat sich gezeigt, dass Übergriffe von Polizisten zu klaren Konsequenzen führen.“ Damit seien wichtige Zeichen nach außen, aber auch nach innen gesetzt worden, so Mahrer. Damit würde tausenden Beamten, die in Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen müssten und damit ihr Leben riskierten, der Rücken gestärkt.

Innerhalb der Wiener Polizei zeigten sich hohe Beamte mit dem Urteil ebenfalls zufrieden. „So ein Fall, wie er mit Bakary J. passiert ist, ist ja wirklich ein Worst-Case-Szenario für uns. Wenn es da keine Entlassungen gibt, wann denn dann?“, so ein Offizier, der ungenannt bleiben will. Ein anderer hoher Beamter erklärte, das Verfahren gegen die Polizisten habe viel zu lange gedauert. In der Bevölkerung sei dadurch der Eindruck entstanden, es tue sich nichts und die betroffenen Beamten würden nur halbherzig zur Rechenschaft gezogen werden.

Freude über das Urteil auch bei Amnesty International. Die Organisation begrüßte die „bahnbrechende und klare Entscheidung zu der Verschleppung und Folterung des Schubhäftlings Bakary J.: „Späte, volle Gerechtigkeit ist viel besser als fehlende Gerechtigkeit.“ Laut Heinz Patzelt, Generalsekretär von Amnesty International Österreich, habe das damals schwerst verletzte Folteropfer, das weiter an körperlichen und psychischen Spätfolgen leidet, bisher keinerlei Schmerzensgeld, Rehabilitation oder Schadenersatz angeboten bekommen.

Patzelt: „Ich halte es für zynisch, dem Folteropfer zu sagen, dass er sein Schmerzengeld bei Gericht einklagen soll, als ob er bei einem Verkehrsunfall mit unklarer Verschuldenslage verletzt worden sei.“

Auf einen Blick

Bakary J. wurde 2006 nach einer missglückten Abschiebung von vier Polizisten in eine Lagerhalle gebracht und misshandelt. Fast vier Jahre später gibt es nun dienstrechtliche Folgen: Entlassung für zwei Polizisten; Geldstrafe für einen Beamten, ein (inzwischen pensionierter) Polizist verlor alle dienstrechtlichen Ansprüche.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.01.2010)

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128 Kommentare
1 2 3 4
Gast: Patriot
13.01.2010 12:12
0 0

Zuständigkeit

Das Innenministerium sollte sich für seine Beamten einfach entschuldigen und aktive Schadensgutmachung betreiben . Das gebietet schon der Anstand , gell ?

curcuma
11.01.2010 23:31
0 0

er lebt noch hier!

ein krimineller darf weiter seinen geschäften nachgehen - ist der rechtsstaat auf einem auge blind?

Gast: Tiger-Ente
11.01.2010 20:06
1 0

Der wirkliche Skandal

ist in meinen Augen, dass Bakary J. noch immer in Österreich ist.

Antworten Gast: Ösi
11.01.2010 22:58
1 3

Re: Der wirkliche Skandal

Als österreichischer Jagdscheininhaber finde ich es einen Skandal, dass eine Tiger-Ente sich in Mitteleuropa ausserhalb von Tierparks aufhält. Gemäß östererichischem Jagdgesetz fällt die Tigerente nicht unter die geschützten Tierarten. Als Fremdling ist diese Art aus dem Biotop zu entfernen, weil es ein Neozoe ist. Schubhaft, Abschiebung etc ist im Jagdgesetz nicht zu finden. Da gibt es nur BUMM!!! BUMM!!
Aber Tigerente ist sich der Unrechtmäßigkeit ihtrer physichen Existenz in Mitteleuropa sicher bewusst!!
PS: eh nur Scherz!! Tiger-Ente als Rechts-blabla Strachesklave erkannt!!

Kantig
10.01.2010 13:22
1 0

Es wäre kein Thema, hätten Beamten jenes Quentchen Hirm mehr, das fehlt, um persönliches vom Job trennen zu können.

Wenn eine Gruppe aktiver Beamter auf Personen einschlagen, tun sie es in unser aller Auftrag.

So gesehen bin ich über das Durchgreifen froh, weil die Prügel machen einen Dealer nur berühmt.

Der Korpsgeist beim Durchsetzen von Recht ist in Ordnung, beim Decken von Unrecht wird es zur strafbaren Handlung.

Es ist wie Korruption - nicht verfolgt durch sofortige Anzeige verpflichtet zum Mitmachen.

Was in der Bevölkerung den Verdacht erhärtet - alle sind korrupt.


Gast: Blackangel
10.01.2010 03:35
2 1

so ist es auch nicht

Ein Drogendealer darf jetzt ungestraft hier weiter machen?
Das ist ja auch eine Frechhheit, der gehört sofort abgeschoben.
Zum Thema Polizei sollte wahrheitshalber auch etwas geschrieben werden.
Die Arbeitsverhältnisse bei den kleinen Beamten werden immer mieser, was in der Chefetage kein Schwein interessiert.
Ich bin nicht einverstanden, wenn ein Häftling so zugerichtet wird, aber eines muss gesagt werden.
So schlecht wie es gerade in Wien den kleinen Beamten geht, geht es in ganz Europa keinen Polizisten. Überstunden, miese Vorgesetzte, mediengeile unfähige Polizeispitzen. Mobbing und Burn Out wird unter den Tisch gekehrt.
Wer das abstreitet hat keine Ahnung oder ist ein Lügner.

Antworten Gast: jou
10.01.2010 11:28
0 0

Re: so ist es auch nicht

Sie haben natürlich Recht. Habe unlängst einen Artikel über einen ausgerasteten Marokkaner gelesen der ein Polizeiauto demoliert hat (vor den Augen der Polizisten, die zugeschaut haben!!!), Nach der Anzeige (na bum) sprach der Sataatsanwalt den Mann wegen "berechtigter Empörung" frei...aber hallo? Durch solche Deliriantenentscheidungen staut sich da langsam aber sicher was auf...was wäre denn dem Komiker bei ihm zu Hause passiert?Immerhin wurde hier Staatseigentum zerstört und die Beamten schauen nur mehr zu... warum wohl? Habe langsam das Gefühl (wieder einmal) in einem besetzten Land zu leben.

Der Fall Bakary

Über den Fall Bakary hat ERSTAUNLICH schon vor längerer Zeit berichtet.

http://www.erstaunlich.at/index.php?option=com_content&view=article&id=59:verpruegel-polizei&catid=1:erstaunliches

Es war von den Polizeiverantwortlichen weise, die Prügelpolizisten an die frische Luft zu setzen. Diese haben dem Ansehen der Polizei immens geschadet. Überhaupt nach dem erstaunlichen Gerichtsurteil, wo eine unverständliche Gnade vor Recht erging.

Allerdings stellt sich eine Frage: Warum ist Bakary eigentlich noch immer in Österreich?

Gast: Sam
09.01.2010 18:42
2 0

Arme Polizei

Nigerianer prügelt Polizisten bei Ruhestörungs-Amtshandlung

02.01.2010 | 17:54 | (DiePresse.com)

Wegen zu lauter Musik rückte eine Funkstreife in Wien aus. Anstatt zu kooperieren wurde die Musik noch lauter gedreht, ein Partygast attackierte die Beamten, die Zuseher beschimpften und bespritzten die Polizisten.

Warum waren hier Kommentare unerwünscht?

0 0

Re: Arme Polizei - harter Job!

Sollen jetzt alle Österreicher abgeschoben werden?

Schneeschaufler tragen das Risikio auszurutschen - aber was hat das damit zu tun, daß Schneeschaufler mit ihren Schaufeln Passanten verprügelnd, das dürfen?

Antworten Gast: plebs potus
10.01.2010 09:08
0 3

Re: Arme Polizei

und was hat das mit diesem Fall hier zu tun? Wieviele Österreichische Ruhestörer motzen die Polizei an, wenn die die Party abdreht? Fast alle.

Nur, ein Nigerianer, der einen Polizisten umbringt, das gabs hierzulande noch nicht, umgekehrt mehrfach geschehen.

Aber so ist das mit populistischer Argumentation, man blendet die Leute mit Rosinen, um die Felsen zu verstecken...

Gast: Ösi
09.01.2010 17:43
1 1

Keine Freiheitsstrafe für Folterbande

Ein schönes Zeichen österreichischer Rechtskultur, dass in aller Welt Anerkennung finden wird. Wenn sich 4 Polizisten zusammenfinden und einen wehlosen, an Händen und Füssen gefesselten auf ihren WEGA-Spielplatz verschleppen und ihn dort gemeinsm so Foltern, dass sogar der österreichische Staat dies nicht mehr abstreiten kann, dann gibt es nicht einmal lange Freiheitsstrafen!! Aber bei den österreichischen Naziverbrechern hat man ja auch solche Urteile gesprochen. Der typische österreichische Charakter!!!

Kantig
10.01.2010 13:28
0 0

Re: Ich verwahre mich, mit korrupten Beamten in eine Ösisuppe geworfen zu werden!

Bin selber und mit wachsend Vielen gegen diese korrupte Beamtenschaft.

2 1

Wirksamkeit der Strafen

die Strafen gegen die Polizeibeamten sollten eine Woche nach der erfolgten Abschiebung von Bakary J. wirksam werden, also eine Woche nachdem er außer Landes ist. Das würde den verurteilten Beamten zeigen, dass sie zwar einen Fehler gemacht haben, aber die Welt in der sie leben nicht völlig ungerecht ist.

Antworten Gast: Tiger-Ente
11.01.2010 20:09
0 0

Re: Wirksamkeit der Strafen

Gute Idee!

Gast: gudrun
09.01.2010 16:05
3 0

einseitig

die presse mögen auch einmal auflisten über schweren verletzungen von polizisten die im zuge von amtshandlungen ihnen von den sogenannten asylsuchenden zugefügt wurden. und wieviel leid sie durch ihren rauschgifthandel über tausenden von familien gebracht haben. da schweigt die presse. kein ruhmesblatt.

Gast: Moment mal
09.01.2010 14:09
5 0

Am Ausländerauge blind???

Die Beamten, die nach der Vereiteiung einer rechtmäßig entschiedenen Abschiebung die Nerven weggeschmissen haben, werden mit äußerster Härte, bis zur Existenzvernichtung bestraft.

Das ist die eine Seite.

Ein rechtskräftig vorbestrafter und durch alle Intanzen zur Anschiebung reifer Drogendealer stolziert weiterhin ungestört und von einschlägigen Medien bejubelt durch die Landschaft.

Das ist die andere Seite.

Wieder einmal (sieh Arigona und Tausende andere Fälle) ist der hochgelobte österreichische Rechtsstaat auf den Ausländerauge blind.

Leben wir noch immer oder schon wieder in einer fremden Besatzungszone?

Antworten Gast: Youngster
09.01.2010 14:53
1 0

Re: Am Ausländerauge blind???

Wir leben im Krieg aber noch ist er nicht heiß geworden.

Antworten Gast: Zahlemann & Söhne
09.01.2010 14:50
1 0

"äußerster Härte, bis zur Existenzvernichtung bestraft" ???


Kannst du nicht lesen ?

Folter und Scheinhinrichtungen werden kaum derart mild bestraft wie in diesem Fall.


Antworten Antworten Gast: Alles relativ
11.01.2010 07:00
0 0

Ein krimineller Migrant

der vergleichbare Verletzungen einem unbescholtenen Inländer zufügt, bekommt (wenn das Verfahren nicht ohnehin wegen Geringfügigkeit oder sonst wie versickert, nach dem Motto "Regens Ihnen net auf wegen de paar Watschn") bestenfalls eine bedingte Strafe (um seine Integration nicht zu gefährden).

Ist eben alles relativ.

Der Abzuschiebende ...

... gegen den ja offensichtlich ein rechtsgültiger Abschiebebefehl existierte, lebt immer noch in Österreich.
Wenn Gesetze nur gegen unsere Polizei angewandt wird, pfeif ich auf den Rechtsstaat.
Und zum sogenannten Qualitätsjournalismus: Wenn ich mir eine derartige Information aus der Kronen Zeitung holen muss, dann brauchen sich die STANDARD und PRESSE - Leser nicht über die KRONE mokieren.

Gast: Ösi
09.01.2010 12:04
1 1

Schön selber zahlen!

Das Schmerzensgeld, den Schadenersatz und sämtliche andere Kosten, die aus diesem Fall entstehen sollen aber jetzt bitte die Verursacher und ihre Komplizen selber zahlen. Die Polizei und die Beamtenschaft verdienen fett genug um eine ordentliche Zahlung selber aufzutreiben. Da sollen sich diese Asozialen nicht wieder an den Steuerzahler wenden, der die ganze Folterkacke der Exekutive bezahlen soll!

Antworten Gast: Zahler
09.01.2010 13:52
3 0

Re: Schön selber zahlen!

Leider muss der Steuerzahler die ganze Abschiebekacke und den ganzen sonstigen Aufwand für die Verbrechens-Bekämpfungskacke ja auch immer bezahlen. Alles verkackt!

Antworten Gast: Blahowetz
09.01.2010 12:55
2 0

Als Hartz-IV-Flüchtling sondern Sie aber auch viel Gacke ab, lieber Ösi.

Gefällt es Ihnen in D nicht mehr?

Antworten Antworten Gast: Ösi
09.01.2010 17:34
0 0

Re: Lieblingslokus Österreich

Und mein Lieblingslokus ist ihr Heimatland. Und da fällt ein bisschen mehr braune Substanz ja auch gar nicht auf!

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Die Gerechtigkeit hat gesiegt

spät aber doch, die vorherigen Strafen waren ein Witz !!!

Solche "Polizisten" brauchen wir nicht.

Jeder Mitbürger der diese Strafe zu hart findet, kann gerne in Länder auswandern wo Beamte aus Prinzip immer davonkommen !

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