WIEN.Seit dieser Woche beschäftigen sich die Wiener Linien nach eigenen Angaben „sehr intensiv“ mit Vorarbeiten für einen möglichen 24-Stunden-Betrieb der U-Bahnen an den Wochenenden. Es werden Gespräche mit der Personalvertretung geführt, außerdem wird der Einsatz des Wagenmaterials durchdacht. Sollte es bei der Volksbefragung vom 11. bis 13. Februar ein „Ja“ für den Nachtbetrieb geben, habe man schon „gut vorbereitete Grundlagen“ für eine baldige Umsetzung, wie der Wiener-Linien-Geschäftsführer, Günter Steinbauer, am Dienstag berichtete.
„Die Presse“ listet Vor- und Nachteile eines durchgehenden U-Bahn-Betriebs an den Wochenenden auf.
Schneller ans Ziel mit der U-Bahn als mit dem Nachtbus
In Wien verkehren derzeit 23Nachtbuslinien. Sie fahren in Halb- oder Viertelstundenintervallen. Dennoch werden Fahrgäste in der Nacht mit der U-Bahn schneller unterwegs sein als mit den Bussen. Auch wenn die Wiener Linien beteuern, über die U-Bahn-Intervalle für den Nachtbetrieb noch nicht genauer nachgedacht zu haben: Die Züge könnten alle 15 oder 20 Minuten verkehren.
Bessere Orientierung in der Nacht
Jeder Wiener, der halbwegs regelmäßig mit der U-Bahn fährt, hat die Stationen einigermaßen im Kopf. Das verbessert die Orientierung in der Nacht. Das Netz der Nachtbusse, die angefahrenen Stationen und die unterschiedlichen Abfahrtszeiten der Linien sind hingegen nur wenigen Benutzern bekannt.
Mehr Fahrgäste durch den nächtlichen U-Bahn-Betrieb
Die Wiener Linien gehen fix davon aus, dass durch den 24-Stunden-Betrieb an Wochenenden neue Fahrgäste gewonnen werden. Das habe sich in vergleichbaren Städten wie Stockholm oder Hamburg gezeigt, wo es bereits einen nächtlichen U-Bahn-Betrieb an Wochenenden gibt. Derzeit nutzen an Freitagen, Samstagen und vor Feiertagen rund 16.000 Menschen pro Nacht die Nachtbusse. Unter der Woche sind es derzeit knapp 8000.
U-Bahn-Betrieb führt zu weniger Lärm durch Nachtbusse
An jenen Streckenabschnitten, wo an den Wochenenden die U-Bahn die Fahrten der Nachtbusse übernimmt, sinkt der durch die Busfahrten erhöhte Lärmpegel.
Höhere Kosten durch den 24-Stunden-Betrieb
Der Nachtbetrieb der U-Bahn an Wochenenden verursacht rund fünf Millionen Euro an jährlichen Zusatzkosten. Zu einer allgemeinen Tariferhöhung soll es aber durch den 24-Stunden-Betrieb – zumindest vorerst – nicht kommen. Die Zusatzkosten entstehen nicht nur durch das Personal: Die Infrastruktur der Stationen (Licht, Rolltreppen, technische Anlagen) kostet ebenfalls Geld.
Komplizierteres System durch zwei Nachtbusnetze
Fahren die U-Bahnen künftig an den Wochenenden rund um die Uhr, muss in diesen Nächten auch das Nachtbussystem adaptiert werden. Es wird dann zwei Netze geben: Eines unter der Woche und eines als Ergänzung der U-Bahnen am Wochenende. Linien, die jetzt entlang von U-Bahnen fahren, werden dann aufgelassen oder über eine neue Route geführt. Komplizierte Abstimmungen mit den Fahrplänen der nächtlichen U-Bahn-Linien sind dann jedenfalls notwendig.
Höherer Aufwand im Bereich der Sicherheit
Die Wiener Linien geben unumwunden zu, dass ein höherer Sicherheitsaufwand durch den Nachtbetrieb entsteht. Nachtbusse sind in den meisten Fällen dicht besetzt, der direkte Kontakt mit dem Buslenker ist gegeben. In den U-Bahnen fehlt hingegen der direkte Zugang zum Fahrer. In wenig belebten U-Bahn-Stationen soll auch zwischen zwei und fünf Uhr früh das subjektive Sicherheitsgefühl nicht gegen null tendieren. Daher müsse man auch Gespräche mit der Polizei führen, damit diese in den Stationen regelmäßig Streifen durchführt.
Vereinzelt mehr Lärm durch oberirdische U-Bahnen
Dort, wo U-Bahnen oberirdisch verkehren (etwa U6), kann es zu vermehrtem Lärm in der Nacht kommen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2010)
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