Augartenspitz als Zerreißprobe für die Grünen

Die Grünen haben sich bei den Koalitionsverhandlungen gegen den Bau der Sängerknaben-Konzerthalle ausgesprochen. Die Bürgermeisterpartei hingegen befürwortet das von vielen Anrainern bekämpfte Projekt.

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(c) APA (BARBARA GINDL)

Wien. Bürgermeister Michael Häupl, so die Wiener Grünen-Chefin Maria Vassilakou, lasse „brutale Räumungen und Baumrodungen“ zu. Das war bei einer Protestveranstaltung im März gegen die geplante Konzerthalle der Wiener Sängerknaben im Augarten. Die Grünen sind gegen den Bau, Häupl hat sich mehrmals für die Konzerthalle ausgesprochen.

Nun führen Vassilakou und Häupl die Schlussverhandlungen für eine rot-grüne Koalition. Dabei könnte die Konzerthalle zum Stolperstein für die Grünen werden, denn hier haben sie wenig Spielraum. Es liegt eine gültige Baubewilligung vor. Die ersten Bäume wurden bereits gerodet, auf den Mauern rund um die Baustelle wurde Stacheldraht angebracht, Probebohrungen wurden bereits durchgeführt.

Der Augartenspitz war jedenfalls Thema bei den Koalitionsverhandlungen, heißt es aus grünen Kreisen. Allerdings werden die Ergebnisse noch nicht nach außen kolportiert – und auch nicht nach innen. „Ich bin leider nicht ganz informiert über den Stand der Verhandlungen“, sagt Uschi Lichtenegger, Aktivistin und Klubobfrau der Grünen in der Leopoldstadt. Dennoch glaubt sie, dass der Bau noch verhindert werden kann. Sie verweist auf die Proteste gegen die Volksgarage am Bacherpark in Wien-Margareten vor vier Jahren. Auch hier lag eine gültige Baubewilligung vor. Die Grünen waren als einzige Partei gegen den Bau und haben die Proteste der Anrainer unterstützt. Erfolgreich. Die Garage wurde nicht gebaut.

 

Hoffen auf zweiten „Bacherpark“

Auch die Anrainer am Augarten hoffen auf einen zweiten „Bacherpark“ – und setzen ihre Hoffnungen voll auf die Grünen. „Wir sind sehr gespannt“, sagt Augarten-Aktivistin Raja Schwahn-Reichmann, „was die Formation Rot-Grün für uns bedeutet.“ Das Schicksal des Augartens hänge schließlich von den Grünen ab und davon, ob diese „den Grünraum im Auge behalten“ oder ob sie den Augarten „opfern für ihre Regierungsbeteiligung“.

Indessen herrscht unter den Augarten-Aktivisten Nervosität, da die Vorbereitungen auf der Baustelle voranschreiten. Zuletzt wurde die Mauer entlang der Castellezgasse abgerissen – „obwohl die Mauer unter Denkmalschutz stand“, so Schwahn-Reichmann. Gerade deswegen wolle man die Proteste weiterführen, gegebenenfalls auch ohne die Grünen. „Dafür“, sagt Schwahn-Reichmann, „brauchen wir keine hiesige Partei“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2010)

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