Augarten-Proteste: Bürgerboykott gegen Vassilakou

Bürgerinitiativen nehmen am runden Tisch nicht teil. Hintergrund des Konflikts ist der Bau einer neuen Konzerthalle der Wiener Sängerknaben am Augartenspitz, en die rot-grüne Stadtregierung nicht stoppt.

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(c) APA (BARBARA GINDL)

Wien/Duö. „Ein sehr konstruktives Klima“ ortete Wiens Vizebürgermeisterin und Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) und zeigte sich zufrieden mit dem Ergebnis des runden Tisches, zu dem sie Montagabend geladen hatte – obwohl die eingeladenen Bürgerinitiativen Vassilakous runden Tisch boykottiert hatten, mit der Begründung: Vonseiten den Grünen sei keine „Ergebnisoffenheit“ garantiert worden.

Hintergrund des Konflikts ist der Bau einer neuen Konzerthalle der Wiener Sängerknaben am Augartenspitz, den die rot-grüne Stadtregierung nicht stoppt, da bereits eine Baugenehmigung vorliegt. Für den Boykott der Bürgerinitiativen zeigt Vassilakou deshalb Verständnis: „Dass sie enttäuscht sind, ist für mich nachvollziehbar.“ Sie selbst habe die Proteste von Anfang an begleitet und die Vorgangsweise am Augartenspitz stets scharf kritisiert – dazu stehe sie nach wie vor. Zuvor hatten selbst die Bürgerinitiativen anerkannt, dass erst mit der rot-grünen Stadtregierung überhaupt ein runder Tisch zustande gekommen ist.

Für Vassilakou liegt die Sache auf der Hand: „Ich muss nicht überzeugt werden. Fakt ist, dass eine aufrechte Baubewilligung existiert.“ Nun gehe es darum, die Bürgerinitiativen bei der weiteren Gestaltung des Augartenspitzes mit einzubeziehen – indem sie eingeladen werden, an den weiteren Treffen teilzunehmen. Kommen die Betroffenen der Einladung nicht nach, bestehe die Möglichkeit, sich persönlich an sie zu wenden.

 

Detailplanungen beginnen

Das Thema der Sitzung am Montag – teilgenommen haben unter anderem Vertreter der Stadtregierung, des Bundesdenkmalamts und der Sängerknaben – war die Planung der Durchgangswege, so Vassilakou. Heißt: Wie komme ich von A nach B innerhalb des Augartens? Das sei insofern wichtig, als die Parkanlage nur teilweise für die Öffentlichkeit zugänglich ist – das Areal rund um die neue Konzerthalle ist es beispielsweise nicht. Die von den Teilnehmern vorgebrachten Anregungen für mehr Durchlässigkeit sollen nun „detaillierter angeschaut“ und Anfang Mai (bei einem zweiten runden Tisch) präsentiert werden.

Ob die Bürgerinitiativen an dem nächsten Treffen teilnehmen werden, ist offen. „Unsere Bedingungen“, so Monika Roesler vom Verein „Freunde des Augartens“, „sind ein Baustopp, solange die Gespräche laufen.“ Außerdem müssten die Gespräche ergebnisoffen sein, also auch das Ende der Sängerknaben-Konzerthalle zur Diskussion stehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2011)

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