Konsumtempel sind keine Erfindung des 20. Jahrhunderts: Schon zur Jahrhundertwende haben die Wiener Warenhäuser die Kunden gelockt. So wie sich die Kärntner Straße seit diesem Bild aus dem Jahr 1908 äußerlich verändert hat ...
Bei allem Respekt gegenüber Leuten, die sich durch das Bundesdenkmalamt auf die Füße getreten fühlen: Angesichts der Diashow ist schnell ersichtlich, weshalb es wichtig ist, solche Sünden in Zukunft zu vermeiden!
Gut, Gerngross ist seither 4x abgebrannt und auch das Haas Haus ist in der heutigen Form meiner Meinung nach kein Schandfleck, aber damit hat sich's auch schon wieder,...
Ich trauere der eklektizistischen Dekorationsarchitektur aus der Endzeit der Monarchie zwar nicht direkt nach, jedoch frage ich mich, wieso die Um- und Neubauten der letzten Jahrzehnte so verwechselbar sein müssen. Wenn man z. B. nach Triest kommt, sieht man an den Altstadthäusern: "Das war mal eine österreichische Stadt." In großen Teilen der Mariahilfer Straße kann man hingegen keine regionale Zugehörigkeit mehr erkennen. Besonders die Kaufhäuser könnten gleich gut in Brüssel, Bukarest oder Wladiwostock stehen. Oder in Boise, Idaho. Und sie würden in ihrer regionalen Zugehörigkeitslosigkeit überall gleich beliebig aussehen.
Warum ist es möglich, die Ergeschosse (und darüber) von alten Bauten mit irgendwelchen Fassaden (Bipa, ...) zuzukleben? Kann man einzelne Schaufenster nicht sensibel in das Gebäude einfügen? Nach Jahren der Stadtverschandelung ist muss hier etwas getan werden (Steuererleichtungen; Umbauprämien, wenn der Charakter des Hauses wiederhergestellt wird, ...)
Für die anhaltende Vernichtung von alter Bausubstanz in Wien können wir uns alle bei den Städteplanern und Stadtbildbeauftragten der SPÖ bedanken. Aber es regt sich ja keiner auf, bis es zu spät ist und die alten Häuser durch neue Betonklötze ersetzt wurden.
...wie die meisten "Verbesserungen" zu den heutigen Scheußlichkeiten geführt haben. Und dafür sollen wir applaudieren? Wien schaut in dieser Hinsicht nicht besser aus als eine amerikanische Kleinstadt im Mittelwesten...
Warum gibt es in der Architektur die komische Idee,
dass man keinen alten Baustil (Gotik, Barock, ...) aufgreifen darf. Die Renaissance ahmte die Antike nach. In der Musik spielt ein Pionier wie Keith Jarret Klassik (Mozart) und Jazz. Warum kann ein heutiger Architekt nicht auch ein Barockhaus und ein Stahl-Glas Haus bauen? Warum diese dogmatische, engstirnige, intolerante, autoritäre, starrköfige Haltung in der Architektur?
Re: Warum gibt es in der Architektur die komische Idee,
Das frage ich mich eben auch!
Wenn ein ehemaliges Feld auf weiter Flur mit einem Bürohaus bebaut werden soll, dann soll sich meinetwegen der Architekt kreativ selbstverwirklichen.
Wenn es aber um Gebiete geht, die bereits bebaut sind, dann sollte sich das neue Gebäude einigermaßen ins Gesamtbild einfügen - zumindest äußerlich. Innen kann man ja eh alle Finessen der modernen Bauweise anwenden, das stört ja keinen.
Re: Warum gibt es in der Architektur die komische Idee,
Weil kein Auftraggeber mehr für Stuck zahlen möchte. Für einen guten Architekten (und es gibt einige davon) wären Gründerzeithäuser nur eine bessere Fingerübung - sind ja auch relativ einfache Kästen mit einer aufwendigen, aber sehr formal geordneten Fassade.
Verstehen's mich nicht falsch, ich finde es selbst sehr schade, dass die Gelegenheit grandios versäumt wurde, eine weltweit beliebte Baukultur fortzuführen - aber das liegt eben nur zum Teil an den Architekten.
Re: Re: Warum gibt es in der Architektur die komische Idee,
Man muss ja nicht unbedingt Gründerzeithäuser 1:1 nachbauen. Man müsste nur darauf achten, dass die Fassade zum Gesamtbild passt. Innen können sich die Architekten dann von mir aus austoben ;).
Der Bauherr zahlt was Mode ist. Mode sind derzeit Schuhschachteln mit Löchern. Der Grund: Das Architekturstudium ist einseitig, autoritär und dogmatisch. Keith Jarret kommt von der Klassischen Musik.
Die Selbe Stadtzerstörung hat auch Stockholm in den 60er Jahren unter der Sozialdemokratischen Ära erlebt ,obwohl diese Häuser nicht mit dem kulturellen Standard in Wien zu vergleichen sind.SCHADE!!!
Haashaus: ein Geschwür, Hotel am Stefansplatz: DDR, Regensburgerhof: geht doch !, Safa: AKW, Steffl: fällt optisch um, sieht aus, wie eine einziger Planungsfehler Die STADTRÄTE, die das GENEHMIGT haben, sitzen sicher in ihren Altbauhäusern und feilen penibel am Stuck rum, daß ja nichts das Auge verletzt. Und die Architekten ? Man wird sie VERGESSEN. Laßt uns ein Buch machen: Schandflecke der WieNA ! Innenstadtarchitektur. Mit Name und Adressen. Und die Geschäftsleute: man sollte sie boykottieren.
Mir gefallen moderne Glas-Fassaden, besonders die neuen ÖBB-Bahnhöfe. Es ist eben die Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts und ein Zeichen der Globalisierung. Altbauten zu erhalten verschlingt Unmengen an Geld, Metropolen sind einem stetigen Wandel unterworfen. Das krasse Gegenbeispiel ist Rom. Diese Stadt besteht fast ausschließlich aus alten Gebäuden. Nach einiger Zeit ist es nur mehr frustrierend zwischen lauter alten und verschnörkelten Fassaden umherzulaufen.
So stark konservativ hab ich die Presse-Leser eigentlich nicht eingeschätzt.
mir gefallen moderne bauten auch (manche), aber mir gefallen auch historische bauten. das problem in österreich ist nicht alt oder neu, sondern dass die neuen gebäude in österreich so schrecklich geschmacklos sind.
wieso?wien bietet auch moderne architektur,die weltweit aufsehen erregt. komme gerade aus taiwan zurück,wo die wiener gasometer als musterbeispiel für einen neubau genommen wurden.kontte das den dortigen nachrichten entnehmen. aber die wiener raunzn ja nur...
Bei den Gasometern wurde größtenteils das gemacht, was die meisten auch bei den anderen Gebäuden gut finden würden: die Außenfassade blieb fast unangetastet. Innen durften sich die Architekten ausleben und haben das größtenteils auch gut geschafft. Nur der Gasometer B ist meiner Ansicht nach nicht so gut gelungen. 1. finde ich den hässlichen Schild unnötig 2. sind die Details innen ein wenig zu kurz gekommen und man findet rohe Betonböden, die einfach nur mit Estrichfarbe versiegelt wurden, sowie rohe Betonwände und -säulen in den Allgemeinbereichen. Das haben sich die Mieter so sicher nicht gewünscht. Man zieht nicht in ein historisches Gebäude, um dann rohen Beton zu sehen.
Wien hat gegenüber Shanghai; Houston, Tokio, ... einen Standortvorteil,
... den es aufgibt, wenn es wie diese Städte auf Glas-Stahl-Fassaden und Schaufenster setzt. Gehen Sie duch die Metropolen, überall die gleichen Benneton, Gucci, McDonalds Fassaden. Wien zerstört sich selbst, wenn es glaubt, mit Shanghai konkurrieren zu müssen. In Prag ist man geschickter und zieht mittlerweile mehr Touristen als in Wien an. Das ist es, was Chinesen, Amerikaner, und vor allem die Wiener Bevölkerung (außer der Architekten- und Wirtschaftslobby).