Vassilakou: Die Wiener Mariahilfer Straße wird autofrei

Die Stadt Wien hat mögliche Varianten zur Beruhigung der Mariahilfer Straße ermittelt. Fix ist: keine Durchfahrt mehr für Autos. Nur Fußgänger und Radfahrer sollen auf der Einkaufsmeile unterwegs sein.

Mariahilfer Strasse autofrei
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Mariahilfer Strasse autofrei
So wie bisher im Advent soll die Mariahilfer Straße künftig das ganze Jahr über autofrei werden. – (c) (Fabry Clemens)

[WIEN] „Die Vorgabe lautet: autofreie Mariahilfer Straße", sagt Maria Vassilakou im Gespräch mit der „Presse". Zumindest soll laut Wiens Vizebürgermeisterin die Durchfahrt künftig nicht mehr möglich sein - lediglich Lieferverkehr zu bestimmten Zeiten soll es geben, die Querung von Autos muss gesichert sein und für den öffentlichen Verkehr muss man eine Lösung finden. Die Straße selbst soll künftig vor allem Fußgängern zur Verfügung stehen - und für Radfahrer durchfahrbar sein.

Damit scheint nach den bisherigen Diskussionen nun eine Vorentscheidung gefallen zu sein. Zuletzt hat die Stadt Wien alle denkbaren Varianten zur Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße erarbeiten lassen. Konkret sollte ermittelt werden, welche Folgen bestimmte Maßnahmen für die Anrainergrätzel haben. Unter den 13 erarbeiteten Varianten hätte eine Einbahnregelung - stadtauswärts über die Mariahilfer Straße, stadteinwärts über die Gumpendorfer Straße - demnach die wenigsten Auswirkungen.

„Einbahnlösung undenkbar"

„Aber eine Einbahnlösung ist undenkbar", sagt Vassilakou, schließlich wäre damit die Vorgabe „autofrei" nicht erfüllt. Sie sei nur mitermittelt worden, um sämtliche Varianten auf dem Tisch zu haben.

Auf Basis der nun gewonnenen Ergebnisse wird ein Expertengremium unter Leitung von Verkehrsplaner Hermann Knoflacher in den kommenden Wochen zwei bis drei Szenarios ausarbeiten. Denkbar sind dabei drei Lösungen: eine Fußgängerzone, ein Modell für Fußgänger und Radfahrer und schließlich Shared Space, in dem die absolute Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer (auch der Autos) herrschen soll. Letztere Variante könnte für einige Teile der Straße gelten, oder auch für die Mariahilfer Straße als Ganzes.

Klar ist, dass etwa eine Fußgängerzone mehr Verkehr in die Anrainergrätzel verlagern würde - ein Grund, warum Thomas Blimlinger, Bezirksvorsteher von Neubau, diese Idee eher skeptisch betrachtet. „Ich finde die Idee mit Shared Space mutig", sagt er zur „Presse". Zwar habe es ein derartiges Projekt in dieser Größe in Österreich noch nie gegeben, doch „rein vom Berechnen her sollte man sich trauen".

Knoflacher und sein Expertengremium soll nun zu jeder Variante auch begleitende Verkehrsmaßnahmen andenken, die verhindern sollen, dass der Autoverkehr in die Anrainerbezirke verdrängt wird. Zwei bis drei konkrete Szenarios sollen im November vorliegen - und dann der Bevölkerung vorgestellt werden.

Fahrrad soll attraktiver werden

Die Befürchtung, dass etwa Gumpendorfer Straße, Burg- und Neustiftgasse die Autos von der Mariahilfer Straße abbekommen könnten, hat Knoflacher nicht. „Es wird ja nicht nur Verkehr auf andere Straßen verlagert." Wenn sich die Rahmenbedingungen ändern, würden auch andere Verkehrsmittel interessanter - etwa Fahrrad und öffentlicher Verkehr. Der Experte verweist auf die Kärntner Straße. Als sie 1974 zur Fußgängerzone wurde, sei das kein Problem gewesen. Im Gegenteil - die Straße habe davon profitiert. Und auch die Mariahilfer Straße könne als Einkaufsstraße noch attraktiver werden.

Am Ende müssen die Anrainerbezirke Mariahilf und Neubau und die Stadt Wien sich für eines der Konzepte des Expertengremiums entscheiden. Die ersten Umsetzungsschritte, so hofft Vassilakou, sollen im Frühsommer 2012 erfolgen. Ab dann könnte die Mariahilfer Straße tatsächlich autofrei sein.

Auf einen Blick

Mariahilfer Straße: Das Ziviltechnikerbüro arealConsult hat im Auftrag der Stadt Wien mögliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße erarbeitet. In die nähere Auswahl sollen laut Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou nur jene kommen, die die Einkaufsmeile autofrei machen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2011)

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