Taxifahrer wegen Handy-App gekündigt

12.10.2011 | 18:30 |  FELIX LILL (Die Presse)

Wiens marktbeherrschende Taxizentrale hat jetzt ersten Fahrern gekündigt, die mit anderen Anbietern mit der neuen Taxi-App zusammenarbeiten. Bei "40100" sieht man rechtlichen Schritten eher gelassen entgegen.

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Wien. „Wenn deine Frau dich betrügt, lässt du dich ja auch scheiden.“ Diese Aussage, die Leopold Müllner, Chef des Taxifunknetzes „40100“ vor einem Monat tätigte („Die Presse“ berichtete am 27.August), machte unter den Wiener Taxifahrern schnell die Runde. Diese Aussage heißt: Taxifahrer, die das Funknetz von Müllners großer Taxizentrale „40100“ benutzen, dürfen nicht gleichzeitig an ein anderes Netz angeschlossen sein. Ansonst folge die Kündigung. Denn die Verträge, die „40100“ mit Taxiunternehmen abschließt, verbieten das.

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„Das ist existenzbedrohend“

Der Taxiunternehmer S., der diese Vereinbarungen der „Presse“ gegenüber im August als „Knebelverträge“ bezeichnete, ist nun einer der ersten Betroffenen. Vor wenigen Tagen lag das Kündigungsschreiben, das der „Presse“ vorliegt, für zwei seiner Fahrzeuge im Postkasten. Diese sind nicht nur über das Netzwerk von „40100“ gefahren, sondern auch über die Smartphone-App „myTaxi“.

„Damit wird mir wahrscheinlich erstmal ein Drittel oder eine Hälfte der Einnahmen für diese Fahrzeuge fehlen“, schätzt S. Wenn es weitere Kündigungen gebe, könne es existenzbedrohend werden. S. will nun auf Schadenersatz klagen. Auch der Anbieter „myTaxi“ prüft rechtliche Schritte gegen „40100“.

Fabian Rauch, Geschäftsführer der App „get-a-taxi“, über die Taxibestellungen ebenfalls durch Smartphones und ohne Zwischenschaltung einer Zentrale funktionieren, hat jetzt vorsorglich eine Beschwerde bei der Bundeswettbewerbsbehörde eingereicht. „Wir laden alle Taxler ein, sich uns anzuschließen“, sagte Rauch der „Presse“.

Leopold Müllner, dessen Zentrale „40100“ über ein Drittel aller Wiener Taxis unter Vertrag hat, sieht rechtlichen Schritten gelassen entgegen. „Wenn sie uns klagen wollen, können sie das gerne tun.“ Müllners Kündigungsschreiben an S. verweist auf ein im Vertrag enthaltenes „Konkurrenzverbot“.

 

Präzedenzfall in Deutschland

„myTaxi“ und „get-a-taxi“ beklagen einen Wettbewerbsnachteil, wenn „40100“ jenen Taxiunternehmern mit Kündigungen droht, die über mehrere Netze gleichzeitig fahren. „Der Markt schreit nach Veränderung. Dagegen dürfen sich die alteingesessenen Zentralen nicht stemmen“, sagt Sven Külper von „myTaxi“. In Österreich ist bislang nicht geregelt, ob die Kündigung der Fahrzeuge von S. dem Wettbewerbsrecht widerspricht. Ein Präzedenzfall des Oberlandesgerichts Frankfurt aus dem Jahr 2009 hat dieses Verhalten für den deutschen Markt aber als wettbewerbsbeschränkend und daher rechtswidrig beurteilt. Ob das auch auf Österreich zutrifft, könnte sich bald entscheiden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2011)

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8 Kommentare
Gast: halil
21.10.2011 20:58
1 0

taxi 40100

Bei 40100 werden sogar die telefongesprache aufgezeichnet

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Funkzuschlag

Den Funkzuschlag zahlt man sowieso als Fahrgast. Da ich nicht glaube, dass sich die Taxler für ihre Fahrgäste so echauffieren, gehe ich einmal davon aus, dass der Funkzuschlag auch bei Vermittlung über myTaxi berechnet wird.

Gast: Menschenskinder
12.10.2011 23:07
0 0

Datenschutz

MyTaxi soll sich mal nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, was MyTaxi macht ist Datenschutztechnisch sehr sehr bedenklich und gehöhrt für meine Auffassung verboten (Speichern von Adressdaten, Telefonnummern, weiß wann Ihr mit wem telefoniert habt usw).

Schaut mal im Android App unter Berechtigung die genaue AGB an, was Ihr der App einräumen würde bzw. wozu 300.000 User bereits zu gestimmt haben.

https://market.android.com/details?id=taxi.android.client

Ich lads mir nicht runter!

Antworten Gast: Für alle verblendeten
14.10.2011 19:08
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Re: Datenschutz

Ok. Dann noch mal für alle die das schön reden möchten im Klartext:

# Ihre persönlichen Daten
Kontaktdaten lesen

Ermöglicht einer App, alle auf Ihrem Gerät gespeicherten Kontaktdaten (Adressen) zu lesen. Schädliche Anwendungen können so Ihre Daten an andere senden.

# Telefonanrufe

Telefonstatus lesen und identifizieren
Ermöglicht der App, auf die Telefonfunktionen des Gerätes zuzugreifen. Eine Anwendung mit dieser Berechtigung kann unter anderem die Telefon- und Seriennummer dieses Telefons ermitteln und feststellen, ob ein Anruf aktiv ist oder mit welcher Nummer der Anrufer verbunden ist.

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Re: Re: Datenschutz

Ja, genau. Und es gibt derart viele Apps, die das tun, sodass es für einen Nicht-Fachmann praktisch unmöglich ist, das zu verhindern.

Man muss von vornherein davon ausgehen, dass alle Daten, die am Smartphone sind, öffentlich zugänglich sind.

Aus datenschutzrechtlichen Gründen müsste es daher eigentlich verboten sein, dass jemand auf einem solchen Gerät Kontaktdaten speichert, die ja logischerweise Daten von anderen sind.

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Re: Datenschutz

und du glaubst 40100 speichert deine daten nicht genauso ??? dann bist ein träumer !!!!

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Re: Datenschutz

Was soll diese künstliche Aufregung? Nahezu alles, was über Smartphones funktioniert ist datenschutztechnisch bedenklich. Es ist einfach nicht möglich, personen- und standortsbezogene Dienste komfortabel zu nutzen ohne diese Daten weiterzureichen.

Wenn Sie maskiert in Ihr Stamm-Café kommen, dann dürfen Sie sich auch nicht wundern, wenn Ihnen der Ober nicht automatisch Ihren Kaffee und Ihr Kipferl bringt.

Es geht halt nicht ohne Blockwart-Apps mit Interaktivem Volksempfänger. Man kann nicht alles haben.

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Re: Datenschutz

du musst ja nicht zustimmen und damit auch nicht gespeichert werden.
taxi kanst du dir dafür aber auch keines kommen lassen...

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