Wien. Er ist gebürtiger Tiroler, hat in der Wiener ÖVP seine politische Heimat gefunden und betreibt im Nebenerwerb in Stammersdorf Weinbau. Per 1. Jänner übernahm der frühere Landesgeschäftsführer der Wiener ÖVP, Norbert Walter (43), aber eine neue Funktion: Er wurde Direktor des Wiener Bauernbundes, der sich politisch für die Bauern Wiens einsetzt. Immerhin sind in der Großstadt Wien knapp 700 bäuerliche Betriebe registriert, die auf einer Fläche von 6000 Hektar landwirtschaftliche Produkte anbauen.
Wie kommt Walter, der bisher in seiner Partei das urbane Leben propagiert hat, mit dem bäuerlichen Image zurecht? „Es geht hier nicht nur um den typischen Bauernbegriff. In Wien gibt es die klassischen Acker- und Gemüsebauern, die Gärtnereien und vor allem auch die Weinbauern“, meint Walter zur „Presse“. Und Wiener Wein sei ja mittlerweile ein großartiger Imageträger für die Stadt geworden.
Außerdem verweist Walter darauf, dass viele Städter zunehmend Wert auf eine gute und funktionierende Nahversorgung legten (Stichwort: Slow Food). Das in Wien angebotene Frischgemüse komme immerhin schon zu 80 Prozent von den Gemüsebauern der Stadt, so Walter stolz.
Boom der Gartenmessen
Der Bauernbund-Direktor hat sich vorgenommen, in seiner Funktion auch neue Schwerpunkte zu setzen. Etwa die Begriffe urban und bäuerlich besser zu verbinden und dafür Interesse zu schaffen. Als Zielgruppe kann er sich Menschen mit Kleingärten vorstellen oder die „Balkonmenschen“, wie Walter jene Wiener nennt, die gern Grün auf ihren Terrassen haben.
„Es gibt viele Städter, die Sehnsucht haben, auch selbst kleine gärtnerische oder bäuerliche Tätigkeiten auszuüben. Die sehen wollen, wie etwas wächst und entsteht und gern mit selbst angepflanzten Gewürzen kochen wollen.“ Solchen Städtern könne man Weiterbildung anbieten, oder Informationen, wo etwas zu bekommen ist. Als Knotenpunkt dafür sieht Walter vor allem die Gartenmessen, die boomen – „nicht nur bei den Landmenschen“.
Der Bauernbund ist die politische Vertretung der Bauern und eine von sechs Teilorganisationen der VP. In der Wiener Landwirtschaftskammer, die die gesetzliche Interessenvertretung der Bauern darstellt, hat der Bauernbund 16 von 20 Mandaten. Die Wiener SPÖ-Bauern haben vier Mandate, die freiheitlichen Bauern schafften bei der Wahl 2008 den Einzug in die Kammer nicht.
Bauernbund-Direktor Walter sieht auch politisch einige nicht gelöste Probleme für die Wiener Bauern. So bei der Frage des Naturschutzes. „Da werden den bäuerlichen Betrieben Prügel vor die Füße geworfen.“ Etwa durch die exzessive Errichtung von Zäunen. „Wir sind für Naturschutz, aber der Einzelne darf darunter nicht leiden.“ Walter nennt ein Beispiel: Wenn sich auf einem Grundstück eines Bauern eine Zieselpopulation niederlasse, könne dieser mit seinem Eigentum nicht mehr viel anfangen.
Die Bauern kommen aber auch durch die neue Stadtviertel unter Druck, die an den Ackerflächen nagen. Dabei ist die Rückgangsrate der bäuerlichen Betriebe in Wien (2,6 Prozent in den Jahren 2009 und 2010) niedriger als im Bundesschnitt (2,8 Prozent).
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