Kriminelle in Wiens Nacht-U-Bahn: Fast 700 Festnahmen

Sieben Millionen Fahrgäste verzeichnen die Wiener Linien bisher im Nachtbetrieb seit Start im September 2010. Zu den Fahrgästen gehört auch die Polizei. Uniformierte und Kriminalisten nahmen 697 Menschen fest.

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(c) APA/HERBERT P. OCZERET (HERBERT P. OCZERET)

[Wien] Seit mittlerweile 16 Monaten fährt die Wiener U-Bahn an den Wochenenden und vor Feiertagen im 24-Stunden-Betrieb. 7,1 Mio. Passagiere wurden laut Wiener Linien bisher im Nachtbetrieb, der im 15-Minuten-Intervall durchgeführt wird, befördert. Zu den regelmäßigen Fahrgästen gehört auch die Polizei: Seit Anfang September nahmen Uniformierte und Kriminalisten (bis 31. Dezember 2011) insgesamt 697 Benutzer der Nacht-U-Bahn fest. Das sind durchschnittlich mehr als 40 Personen pro Monat.

2427 Menschen wurden angezeigt, von 13.910 wurde die Identität festgestellt. In 228 Fällen stellten die Beamten Suchtgift sicher. „Wir verzeichnen hier große Erfolge", erklärte Wiens Landespolizeikommandant, Karl Mahrer, am Montag der „Presse".

Im Vorfeld der Nacht-U-Bahn war ein Sicherheitsvakuum befürchtet worden. Die Polizei reagierte darauf mit der Ankündigung, eine Streife als Begleitung in jedem Zug zwischen 0.30 Uhr und fünf Uhr früh mitfahren zu lassen. Das wurde aber schon nach einigen Wochen eingestellt: Der Personalaufwand war zu groß, die Gewerkschaft hinterfragte die Sinnhaftigkeit, die Beamten mussten in den Nächten nur äußerst selten einschreiten. Und wenn, dann fast ausschließlich außerhalb der Garnituren.

Daraufhin änderte die Exekutive die Taktik: „Wir gingen weg von den statischen Kontrollen hin zu flexiblen Einsatzkontrollen", berichtet Mahrer. Seither setzt die Polizei Schwerpunkte. Kontrolliert wird nicht mehr nur in den U-Bahn-Zügen, sondern verstärkt auch in den Stationen sowie im Großraum von nächtlich stark frequentierten Knotenpunkten wie Schwedenplatz, Westbahnhof, Schottenring, Karlsplatz oder Praterstern.

Laut Wiener Linien sind die am stärksten frequentierten Linien im Nachtbetrieb die U4 sowie die U3 mit etwa 12.000 beziehungsweise 11.000 Fahrgästen pro Nacht.
Das Einsatzkonzept beinhalte aber auch, dass zusätzlich Verkehrskontrollen durchgeführt werden, sagt Mahrer. So wurden im Rahmen der Schwerpunktkontrollen zur Nacht-U-Bahn auch mehr als 5000 Fahrzeuge kontrolliert. In den vergangenen 16 Monaten habe es 116 nächtliche U-Bahn-Großaktionen gegeben.

Alkoholisierte, Drogendealer

Wer sind nun die nächtlichen „Kunden" der Polizei? In erster Linie habe man es mit aggressiven Alkoholisierten zu tun, die andere Fahrgäste belästigen, berichtet ein Beamter. In manchen Fällen müsse die Polizei auch als Streitschlichter auftreten. Taschendiebe, die es auf Fahrgäste, die in den Sitzen vor sich hin dösen, abgesehen haben, gebe es auch ab und zu. Auch Drogen werden in den Nacht-U-Bahnen transportiert, der große Handel finde dort aber nicht statt. Bei den Kontrollen sei zudem auch bereits der eine oder andere gesuchte Straftäter ins Netz gegangen.

2012 werden die U-Bahnen in insgesamt 115 Nächten vor Wochenenden und Feiertagen durchgehend unterwegs sein.

 

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