Kritik an Leiharbeit in Wiens Spitälern

13.01.2012 | 17:04 |   (Die Presse)

Das Kontrollamt bemängelt die fehlende Kalkulationsgrundlagen über den Nutzen. Laut der Berechnung der Prüfer waren die Leiharbeiter in öffentlichen Spitälern vereinzelt sogar teurer als Stadtbedienstete.

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Wien/awe. Was nützt es der Gemeinde Wien und ihren Steuerzahlern, wenn in öffentlichen Spitälern in großem Ausmaß Leiharbeiter anstatt städtischer Bediensteter zum Einsatz kommen? Antwort: Von purer Geldverschwendung bis hin zu sinnvollen Einsparungen ist alles möglich.

So lautet die denkbar knappste Zusammenfassung eines 117 Seiten starken Berichts des Kontrollamts, das die Praxis der Fremdvergabe von Personaldienstleistungen an Dritte im Krankenanstaltenverbund (KAV) auf Antrag der ÖVP prüfte. Anlass für das Ausrücken der Kontrollore ist ein mutmaßlicher Skandal rund um die Vergabe eines Auftrags für Personaldienstleistungen im AKH.

Seit eineinhalb Jahren ermittelt die Korruptionsstaatsanwaltschaft. Was möglicherweise sogar die zuständigen Ermittler interessieren wird – die vorab gefällte strategische Entscheidung, bis zu 1050 Arbeitsplätze an die Firma AGO abzugeben, ist laut Erhebungen des Kontrollamts zumindest hinterfragenswert, denn: Leiharbeiter sind, anders als von AKH und KAV behauptet, nicht automatisch billiger als Gemeindebedienstete.

Wirtschaftliche Basiszahlen fehlen

Die Beamten des Kontrollamts mussten sich diese Zahlen selbst errechnen. Obwohl der Einsatz von Fremdpersonal im KAV nämlich stets mit dem Kostenargument begründet wurde, stellten die Prüfer einigermaßen überrascht fest, dass ebendort kaum entsprechende Berechnungen verfügbar waren.

In Amtsdeutsch verklausuliert liest sich das dann so: „Hinsichtlich der wirtschaftlichen Entscheidungsgrundlagen (. . .) war festzuhalten, dass betriebswirtschaftlich fundierte, nachvollziehbare und aussagekräftige Kalkulationsgrundlagen insbesondere für Arbeitskräfteüberlassungen in den geprüften Krankenanstalten nicht vorgelegt werden konnten.“
Konkret stellte das Kontrollamt fest, dass 2009 und 2010 sowohl im Otto-Wagner-, also auch im Wilhelminenspital fremde Arbeitskräfte – je nach Einsatzzweck – pro Anwesenheitsstunde um bis zu 1,83 Euro teurer waren als eigene. Das AKH legte laut Bericht trotz wiederholter Nachfrage lediglich Planberechnungen vor, die laut Kontrollamt zudem auf „unrichtigen Annahmen“ beruhten.

Die Prüfer stellten jedoch auch fest, dass der Einsatz von Fremdpersonal in weniger qualifizierten Bereichen (Reinigung) durchaus wirtschaftlich sinnvoll sei. Bei höheren Tätigkeiten (EDV, Kanzleidienst etc.) gehe der Kostenvorteil jedoch gegen null oder drehe ins Gegenteil.

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9 Kommentare
Gast: sosooo
14.01.2012 22:01
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WENN MAN BEREITS WEISS, WIEVIELE MENSCHEN UNNÖTIGE TODE DURCH MANGELENDE HYGIENE STERBEN MUSSTEN, DANN WÜRDEN SIE ÜBER HÖHERE ODER NIEDRIGERER TÄTIGKEITEN ANDERS DENKEN UND SCHREIBEN !!!

Durch fehlerhafte und mangelnde Hygiene sind bereits auf die Jahre gerechnet TAUSENDE von Menschen gestorben!

Dagegen kein Einziger durch mangelhaften Kanzleidienst! Diesen Sie aber höher einstufen...welch irre Gedankenleistung, und welch schwache Kenntnis der Zusammenhänge!!!

ABER, vielleicht ist diese Denkweise für die Krankenkassen und Sozialsysteme wirtschaftlich ertragreicher, wenn aus Nichtwissen oder Ignoranz und Gier und Geiz, Menschen sterben müssen????


Gast: lugneresmausi
14.01.2012 21:12
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was soll nur werden

die zustände sind catastrophal- personal wird wie arbeitssklaven behandelt und zu hungerlöhnen entlohnt. die die absahnen sind die alten professoren . in bezug auf management völlig überfordert, da intellektuell nicht fähig.
zum teil wegen großenwahn seit jahren eigentlich arbeitsunfähig.

Gast: GastA
14.01.2012 16:07
1 0

Wo kämen wir denn da hin ...

... wenn alle wirtschaftlich rechnen könnten! Das ist gar nicht gewünscht! Da würde man ja den Genossen auf die Schliche kommen!
Also alle ganz laut wiederholen:
Betriebswirtschaft und eigenständiges Denken sind pfui, böse, Kapitalismus!

0 0

Aber die Leihfirmen

Scheinen eben im Budget nicht als fixe Personalkosten auf ,damit wie so oft die Kosten verschleiert werden.
Und die Provisionszahlungen an die Auftragsrelevanten Personen nicht zum erliegen kommen.

Gast: Mixnix Korl
13.01.2012 22:44
0 1

Das kann ich mir nicht vortsellen

Leiharbeiter sind billige Arbeitskräfte und die geben ihr bestes. Bei uns in der Firma sind auch Leiharbeiter wenn not am Mann ist. Die Arbeiten brav. Die kommen ja aus alles Berufs sparten. Die kann man in jeder Berufsklasse sich Mieten.
Die Arbeiten, sind nicht im Krankenstand. Beim Staat wenn dort Fix Angestelt bist. Die gehn im Krankenstand, wann sie wollen. Umso mehr als einer ist beim Staat ist, umso weniger ist er Anwesend und tut er. Der kleine Mann oder die kleine Frau am Schreibtisch. Die müssen Arbeiten. Wem kümmerts. so wie in der Politik in einer Partei. Bissal mit dem Chef gut sein und schon hast alle Rechte.

0 0

Re: Das kann ich mir nicht vortsellen

Ein Großteil der vermittelten Leiharbeiter erfüllen die geforderten Anforderungsprofile nicht.
Der einzige Vorteil sie sind jederzeit austauschbar .W
Wenn z.B: Der Berufsgruppenobmann der WK von OÖ gleichzeitig Inhaber einer Personalleasingfirma ist läuft das für Ihn sicher optimal.

Gast: Ösi
13.01.2012 20:46
1 0

Naja, man muss aber auch dazusagen, dass die Leiharbeiter auch die Arbeit der Beamten mitmachen müssen und damit auch ein vielfacher Lohn der Beamten gerechtfertigt ist.

Und fragen sie mal bitte einen Leiharbeiter ob ihm das Mittagessen reinstopfen als Arbeitszeit vergütet wird.

so long
Ösenpower

Antworten Gast: UKW
14.01.2012 04:53
0 0

Re: Naja, man muss aber auch dazusagen, dass die Leiharbeiter auch die Arbeit der Beamten mitmachen müssen und damit auch ein vielfacher Lohn der Beamten gerechtfertigt ist.

Sie haben durchaus erfrischenden Humor, aber Ihre analytischen Fähigkeiten sind leider sehr beschränkt. Die Schlussfolgerung, dass vereinzelt (!) höhere Kosten für die Beschäftigung von Leiharbeitern einhergehen mit höheren Löhnen für die betroffenen Leiharbeitern, ist natürlich falsch.

Leiharbeiter werden bekanntermaßen von Leiharbeits-Firmen beschäftigt, die den Unternehmen teils saftige Tarife für ihre Leiharbeiter in Rechnung stellen. Wie viel davon bei den Leiharbeitern ankommt ist eine andere Frage und ist auch nicht Gegenstand des Artiikels.

So long

Antworten Antworten Gast: Preisbeispiel
14.01.2012 09:24
0 0

Re: Re: Naja, man muss aber auch dazusagen, dass die Leiharbeiter auch die Arbeit der Beamten mitmachen müssen und damit auch ein vielfacher Lohn der Beamten gerechtfertigt ist.

Die Firma bezahlt 30 Euro die Arbeiter bekommen davon 5
new economy = capitalism in its pure form
beat the weak

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