20 Wiener Polizisten müssen mit ihren Karriereplänen in die Warteschleife. Obwohl sie alles richtig gemacht haben. Sie bestanden den Aufnahmetest für die Eliteeinheit "Cobra", doch das Landespolizeikommando will sie vor Herbst nicht ziehen lassen. Die Gewerkschaft übt scharfe Kritik an der Entscheidung - und sie sieht darin einen Beleg für den Personalmangel in Wien.
Rund 40 Bewerber sollen österreichweit den als äußerst schwierig geltenden Aufnahmetest geschafft haben, davon nach Gewerkschafts-Angaben 22 Bewerber aus der Bundeshauptstadt. Als diese Woche die Ausbildung der Eliteeinheit mit der Giftschlange im Emblem gestartet ist, war die Bundeshauptstadt trotzdem mit nur zwei Teilnehmern unterrepräsentiert. Den Rest stellten die anderen Bundesländer.
Bewerber "maßlos enttäuscht"
Hintergrund: Das Wiener Landespolizeikommando hatte das der "Cobra" übergeordnete Innenministerium gebeten, auf den Großteil der Bewerber aus Wien zu verzichten. Zumindest bis Herbst. Dann erhält die Wiener Polizei nämlich frisches Personal aus ihren Ausbildungsstätten - und die Beamten könnten zur "Cobra" wechseln. Wiens Polizeisprecher Mario Hejl: "Dafür gibt es auch eine fixe Zusage von uns."
Harald Segall, Vorsitzender der Personalvertretung der Wiener Polizei, ortet dennoch eine grobe Benachteiligung von Beamten aus der Bundeshauptstadt, die Betroffenen müssten sich nun denken: "Nur weil ich ein Wiener bin". Die Bewerber - "junge Buam" - seien jedenfalls maßlos enttäuscht. Auch weil sie für den Test trainiert hätten "wie die Wilden".
"Länder haben maximal Lawinenabgang"
Dass die Karrierepläne der Beamten auf Eis gelegt werden, belege den Personalmangel in Wien, für den der sozialdemokratische Gewerkschafter Segall auch die Reformen des ehemaligen ÖVP-Innenministers Ernst Strasser verantwortlich macht. Wien sei eben anders - auch was die Kriminalität betrifft. "50 Prozent der Kriminalität spielt sich hier ab, wir haben die ganzen Demonstrationen, selbst die Milchbauern kommen zu uns, während die in den Bundesländern maximal einen Lawinenabgang haben", sagt Segall. Trotzdem müsse man immer auf neues Personal warten - "und damit auch darauf, Grundaufgaben erfüllen zu können".
Angeblich sollen auch die Wiener Landesverkehrsabteilung Personalprobleme plagen. Der aktuelle Fall zeigt zudem nicht nur die Personalsituation in der Bundeshaupstadt auf. Dem Vernehmen nach braucht auch die "Cobra" dringend Nachwuchs. Dass die Eliteeinheit nun acht Monate auf neue Auszubildende aus Wien verzichtet, wird sich wohl auch dort auswirken, glaubt Segall. Wiens Polizeisprecher Hejl erklärt nur, dass das Innnenministerium der Vorgangsweise zugestimmt habe.
Eine Vorgangsweise, die übrigens nicht nur auf die "Cobra" beschränkt ist: Auch die erfolgreichen Bewerber für die Wiener Einsatzeinheit Wega sollen zeitlich gestaffelt ihre Ausbildung beginnen, um nicht alle auf einmal zu verlieren. Ein Personalproblem gebe es aber trotzdem nicht, sagt Wiens Polizeisprecher Hejl.
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