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Wiener Klinik soll Heimkinder mit Malaria infiziert haben

06.02.2012 | 18:28 |  MAGDALENA KLEMUN (Die Presse)

Der heute 63-jährige Wilhelm J. berichtet über absichtliche Malaria-Infektionen in den 1960ern. Ein Experte hält das für möglich. Die Universitätsklinik für Psychiatrie am Wiener AKH prüft die Vorwürfe.

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Wien. Schwere Anschuldigungen durch einen Patienten der 1960er-Jahre und eine Krankengeschichte, die längst nicht mehr existiert – die dünne Faktenlage im Fall „Wilhelm J.“ bedeutet für die Universitätsklinik für Psychiatrie am Wiener AKH vor allem eines: auf eigene Faust tief in der Vergangenheit der Klinik graben zu müssen – mit ungewissem Ausgang.

Der Hintergrund: Der heute 63-jährige Wilhelm J. gab gestern, Montag, im Ö1-„Morgenjournal“ an, im Jahr 1964 in der Klinik für Psychiatrie absichtlich mit Malaria infiziert worden zu sein. „Es wurde einem anderen Blut abgenommen und mir in den Muskel hineingespritzt“, so Wilhelm J. im Ö1-Interview, „die Ärztin hat gesagt, wir machen Versuche.“ Als Folge gibt der Mann wochenlanges Fieber von bis zu 42 Grad sowie jahrelang wiederkehrende Fieberschübe an. Glaubwürdigkeit erhält J. durch den ebenfalls im Hörfunkbeitrag zitierten Psychiater Bernd Küfferle – dieser war ab 1965 Arzt an der Klinik und bestätigt den Einsatz von „Fieberkuren“ gegen psychische Erkrankungen in den 1960ern – eine damals bereits veraltete Methode – sowie das Spritzen von Malaria-Erregern, um diese im Körper der Patienten lebendig zu halten.

Die Universitätsklinik für Psychiatrie schließt derzeit nichts aus: „Was wir wissen, wissen wir vom ORF und von den Aussagen des Kollegen, der seit zwölf Jahren in Pension ist“, sagt Johannes Wancata, Leiter der Abteilung für Sozialpsychiatrie an der Universitätsklinik für Psychiatrie, „aber ich halte ihn für einen seriösen Kollegen – wenn er das sagt, nehmen wir es ernst“. Derzeit versuche man, ehemalige Ärzte des Klinikums zu erreichen. Die Krankengeschichte von Wilhelm J. wurde laut Wancata bereits vernichtet, derartige Dokumente müssen „nur“ dreißig Jahre aufgehoben werden. Dass Malaria an der Klinik noch bis in die 1960er gezielt herbeigeführt wurde, kann Wancata nicht bestätigen: „Ich weiß auch nur aus Büchern, dass die Methode bis in die 1930er ausprobiert wurde, kann das aber nicht für uns sagen.“ Sollten Patienten tatsächlich mit Malaria infiziert worden sein, um Zugang zu lebendigen Erregern zu bekommen, sei dies jedoch „abzulehnen“.

 

Damals Nobelpreis, heute verpönt

Dabei brachte der therapeutische Einsatz von Malaria der Wiener Medizin einst sogar hohe Ehren: In den 1920ern entwickelte der Psychiater Julius Wagner-Jauregg in Wien eine Methode gegen Symptome der fortgeschrittenen Syphilis, die sich nicht nur physisch, sondern auch psychisch niederschlägt. Wagner-Jauregg erzielte durch die Injektion von Malaria-Erregern und dem so ausgelösten Fieber Behandlungserfolge – 1927 wurde ihm dafür der Nobelpreis für Medizin verliehen. Die Therapiemethode war jedoch von schweren Nebenwirkungen begleitet und verlor mit dem Aufkommen von Antibiotika und Psychopharmaka ihre Bedeutung.

WilhelmJ. berichtete gegenüber Ö1, sich nach der – aus heutiger Sicht zweifelhaften – Diagnose der „Psychopathie“, als 16-Jähriger nicht gegen die Malaria-Therapie gewehrt zu haben, weil ihm die Einweisung in eine geschlossene Anstalt angedroht worden war. Dass er überhaupt in die Klinik kam, interpretiert der Mann als Bestrafung, weil er aus dem Wiener Kinderheim „Im Werd“ ausgerissen war.

 

Antrag bei Kommission gestellt

Der 63-Jährige hat nun einen Antrag auf Entschädigung gestellt – bei jener Kommission, die die Stadt Wien nach den Misshandlungsvorwürfen gegen das Kinderheim am Wilhelminenberg einrichtete. Der Verein „Weißer Ring“, der die Hilfeleistungen für Opfer abwickelt, bestätigt die Bearbeitung des Antrags. Über Vorwürfe Wilhelm J.s gegen ein Heim will Geschäftsführerin Marianne Gammer nichts sagen – obwohl es wahrscheinlich ist, dass J. ein Heim belastet, da die Kommission Vergehen der Jugendwohlfahrt untersucht. Wilhelm J. habe „auch über Malaria gesprochen“, so Gammer. Bei der Kommission haben sich bisher mehr als 800 Personen gemeldet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2012)

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51 Kommentare
 
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lch denke eher, der junge Mann wollte nicht zu den

Roten Falken! Ergo, er musste "behandelt" werden, wie noch immer üblich in Wien!

Gast: tigermond
08.02.2012 03:28
0 3

malaria als behandlung?


klingt nach folter.

wenn das jemals stand der wissenschaft war, muß sich die wissenschaft schon die frage gefallen lassen, wieso sich sadisten, psychopathen und gemeingefährliche bösartige gewaltverbrecher in ihrer mitte profilieren und mit breiter zustimmung etablieren können.

Gast: kh123
08.02.2012 00:52
3 0

Medizingeschichte

Jetzt bleiben wir doch bitte auf dem Teppich. Hier wird medial ein Skandal konstruiert wegen eines - ja was eigentlich? Vor 50 Jahren wurde in der Psychatr Uni Klinik ein Jugendlicher behandelt. Nach seiner Erinnerung könnte das nach Erklärung einer Ärztin ein "Versuch" gewesen sein. So what? Auch heute gibt es Behandlungsversuche, d.h. nicht bei jedem Patienten ist der erste Therapieansatz erfolgreich. Ein Versuch im Sinne einer Klinischen Studie ist das noch lange nicht. Heute wird weder die Diagnose Psychopathie (was soll das bedeuten? Nicht viel mehr als ein schwammiges "geisteskrank") noch folglich diese Therapie akzeptabel sein. Aber mal Hand aufs Herz: gilt das nicht für die viele psychiatrische (und auch andere) Diagnosen und noch mehr Therapien aus dieser Zeit? Damals wurden Leute niedergespritzt, elektrogeschockt, hirnteilreseziert, freiheitsberaubt usw. Malaria-Therapie gab es halt auch, und gute Alternativen waren kaum vorhanden. Wollen wir jetzt alle entschädigen die vor 50 Jahren eine nach heutiger Sicht inakzeptable Behandlung bekommen haben? In der Psychiatrie hat sich viel geändert (und wird sich hoffentlich auch noch weiterhin viel ändern), dass man sich jetzt mit Defiziten vor 50 Jahren beschäftigt, ist da wenig hilfreich, und - da rechtlich auch kaum mehr belangbar - auch irrelevant. Im AKH sollten Ärzte behandeln, forschen und unterrichten. In Archiven stöbern ist in Zeiten in denen Sparen verlangt wird eher Zeitverschwendung, oder?

Antworten Gast: najaa
08.02.2012 03:24
0 3

Re: Medizingeschichte - Verbrechen

Widerlich, wie sie hier schwerste verbrechen gegen die menschlichkeit u. wissenschaftlich ethik relativieren wollen!
Abscheulich!

Re: Re: Medizingeschichte -

Najaa, plustern Sie Sich einmal nicht so ethiktriefend auf!

Schließlich hat Wagner-Jauregg 1927 für die Malariatherapie der Neurosyphilis den Nobelpreis bekommen!!!

Fiebertherapie, Elektroschock und Insulinschock waren eben gängige Behandlungen in der Psychiatrie bevor die modernen Medikamente entwickelt worden waren!

Gast: UKW
07.02.2012 22:23
1 0

Der Steuerzahler zahlt immer wieder gerne für die Verfehlungen der sozialistischen Administration

Richtig generös der Herr Bürgermeister, wie er mit unserem Geld umgeht. Daumen rauf und das Steuergeld fließt, wie im alten Rom.

0 1

jeglicher anspruch ist bereits verjährt

der gute herr hätte sich vor min 18 jahren darum kümmern sollen, jetzt nach 48 jahren daher zu kommen und irgendwelche ansprüche zu stellen ist ein bissal spät
denn eigentlich ist das recht auf schadenersatz bereits verjährt
abgesehen davon ist fraglich wie man den relevanten tatbestand beweisen will, nach einem halben jahrhundert wird das glaube ich auch nicht so leicht sein.

aber dem häupl ist das ja sowieos egal, der glaubt ja sowieso wien sei eine völlig autonome provinz die vom bund mittels finanzausgleich zwar unsummen kassiert aber für die eigene gesetze gelten (um die nichtumsetzung der von schwarz blau beschlossenen sinnvollen pensionierungsregeln für beamte als beispiel zu nehmen)

Leitwolf
07.02.2012 17:43
0 2

Ich bin sonst nicht für die Todesstrafe, aber in diesen Fällen wär sie gerechtfertigt


Antworten Gast: Gast aus der Schweiz
07.02.2012 19:24
0 2

Re: Ich bin sonst nicht für die Todesstrafe, aber in diesen Fällen wär sie gerechtfertigt

Ich weiss ja nicht für wen sie hier die Todesstrafe fordern: für den Bürgermeister, für das ehemalige Heimkind, für die Verantwortlichen in der Psychiatrie oder für alle zusammen?
Wenn sie die damaligen Psychiater meinen: Erweitern sie doch ihren Bildungshorizont und lesen über Julius Wagner Jauregg nach. Dieser österr. Psychiater erhielt für die Enteckung der Malariabehandlung bei progressiver Paralyse 1927 den Nobelpreis für Medizin.


TicTacToe
07.02.2012 16:53
4 1

wenn häupl

für eine entschädigung ist, dann wahrscheinlich nur deswegen damit er den schwarzen oder blauen wieder was anhängen will !

Antworten Gast: Achterlbusch
07.02.2012 17:43
4 0

Re: wenn häupl

Auf Steuerzahlerkosten kann man ja auch leicht fuer Entschaedigungen sein.

In anderen Ländern auch

Es ist schon ein Unterschied wen ein Land dass Kriegsvergangenheit mit solchen Versuchen in Massen an Unschuldigen Menschen gemacht hat. Und jetzt auf ein mal wegen einer Juden Saga Wellen schlägt. Sind die Versuche an den Juden und Juden Kinder alle vernichtet worden das man nach dem Krieg dies weiter führen muss?

Gast: qwertz01
07.02.2012 16:37
3 0

Entschuldigung?

wieso verlangt niemand von häupl eine entschuldigung bei den opfern? vom papst hat man das ja auch verlangt.

3 1

Verantwortung?

wer übernimmt die verantwortung? keiner! ein verbrechen nach dem anderen und keiner will verantwortlich sein. da haben wir den jetzigen fall des akh, die abweisung einer schwangeren, der sexuelle missbrauch von heimkindern und ich weiß auch gar nicht was ich alles noch vergessen habe. ein sumpf und häupl versinkt darin. die spö versinkt darin. es stinkt zum himmel! aber es gibt keinen einzigen der sich seiner verantwortung bewusst sein möchte.

diabolo
07.02.2012 16:06
10 0

wenn das unter einen FPÖ-Bürgermeister passiert wäre!

Was gäbe das für einen Aufschrei im Lande!

Gast: Kraller
07.02.2012 16:01
1 2

JAAAAA Entschädigung auch für mich!!!

Ohne geprüft zu haben sagt Häupl ja zu einer Entschädigung.

Vielleichet fallen mir auch alle Trauma ein, die mich in frühester Kindheit gequält haben. Mit viel Glück werde ich auch entschädigt. Oder?

Gast: Lössandlinger Dagobert
07.02.2012 15:27
7 3

Entschädiguuuuung!!!!

Meinem UR,UR, UR, UR, UR, UR, ............................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................................. Großpapa wurde im Postglazial in der Nähe von Willendorf, vom damaligen Sippenboss absichtlich der Schädel eingeschlagen.

Wo kann ich um Entschädigung ansuchen??

Keyoflife
07.02.2012 13:15
1 3

6. Versuch

Ich habe weder für meine VIER Wochen die ich unschuldig im Gefängnis verbracht habe von irgendeiner Institution etwas bekommen, da alles angeblich verjährt ist, ablehnung bei Amnesty international und allen Institutionen in Österreich! Somit werde ich auch für die Sachen die mir in der "Klinik Hof" in den frühen 60igern angetan wurden, sicher auch keine Entschädugung geben, vor allem, weil man ja gegen die "Halbgötter" in weiß, nichts beweisen kann! Also jede Anzeige eher im Sand verläuft, wie üblich in Österreich!

Antworten cmoss
07.02.2012 15:10
3 2

Re: 6. Versuch

Trotz vieler Posts: Thema verfehlt! Gefängnis ist kein Kinderheim, ins Gefängnis kommt man nicht ganz unschuldig.

Antworten Antworten Keyoflife
07.02.2012 23:33
0 0

Re: Re: 6. Versuch

Sorry für die vielen postings, aber ich sitze vor Petite Martinique am Segelboot und somit war mir nicht klar warum mein postings auch nach 10 minuten nicht erschienen ist! Und übrigens... leider kommt man so wie in meinem Fall, auch UNSCHULDIG ins Gefägnis, in meinem Buch "Zum Denken verurteilt" nachzulesen!
Ciao Skipper Erich von der Key of life in den Grenadines

Keyoflife
07.02.2012 13:12
1 1

5. Versuch

Ich habe weder für meine VIER Wochen die ich unschuldig im Gefängnis verbracht habe von irgendeiner Institution etwas bekommen, da alles angeblich verjährt ist, ablehnung bei Amnesty international und allen Institutionen in Österreich! Somit werde ich auch für die Sachen die mir in der "Klinik Hof" in den frühen 60igern angetan wurden, sicher auch keine Entschädugung geben, vor allem, weil man ja gegen die "Halbgötter" in weiß, nichts beweisen kann! Also jede Anzeige eher im Sand verläuft, wie üblich in Österreich!

Keyoflife
07.02.2012 13:11
1 2

na ja,vielleicht klappt es jetzt!

Ich habe weder für meine VIER Wochen die ich unschuldig im Gefängnis verbracht habe von irgendeiner Institution etwas bekommen, da alles angeblich verjährt ist, ablehnung bei Amnesty international und allen Institutionen in Österreich! Somit werde ich auch für die Sachen die mir in der "Klinik Hof" in den frühen 60igern angetan wurden, sicher auch keine Entschädugung geben, vor allem, weil man ja gegen die "Halbgötter" in weiß, nichts beweisen kann! Also jede Anzeige eher im Sand verläuft, wie üblich in Österreich!

Keyoflife
07.02.2012 13:09
0 2

vier mal gepostet!

Vier mal kein Eintrag gekommen, warum?

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Wiener Klinik soll Heimkinder mit Malaria infiziert haben

Wie lange wird es dauern, bis selbst die eingefleischtesten SPÖler kapieren, dass die sogenannte "sozialen Errungenschaften dieser Partei, und die war seit 1919, ein Druckmittel dafür, dass nur an Parteimitgliedern Gemeindewohnungen vergeben wurde und Gewerkschaftsmitglieder weitere Vorteile erhielten. Die wirklichen Privilegien waren ausschließlich den Funktionären vorbehalten. Offensichtlich auch jene, wenn es darum ging sich mit Heimzöglingen zu vergnügen. Anzeigen darüber verschwanden auf dem Weg zur Staatsanwaltschaft und den Gerichten. Selbst Faymann, Sima, Schicker bis Häupl nützten ihre politischen Positionen um daraus wie immer Kapital zu schlagen, und Verbrechen zu vertusche und zu verschleppen. Alles mithilfe der Justiz. Bereichert haben sich alle, unabhängig davon welcher politischen Richtung sie angehörten und die Möglichkeit hatten an den "Trog" zu gelangen. Nur, dass es kein einzelstaatliches Phänomen ist. Schließlich wurden die Milliarden- Verschuldungen nicht von der Bevölkerung gemacht, sondern von jenen, die an den Machthebeln der Nationen saßen und sitzen. Auffällig ist, dass gerade in kommunistischen und sozialistischen Staaten die meisten Kindesmisshandlungen stattfanden. Dazu gehören Staaten wie Bulgarien, Rumänien, Armenien, aber auch Österreich. Gemeinsam haben diese, dass sich die Justiz im Hintergrund gehalten hatte und hält, sich jedoch in Einzelfällen an der Vertuschung dieser Verbrechen beteiligt. Die wusste über Sex und Geld alles!

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ich möchte die medizinischen Menschenversuche in sozialistischen Systemen

keineswegs relativieren, aber auch in anderen Ländern wurden solche Experimente durchgeführt.

Unter anderen in Australien an Aborigines.

In den Vierzigerjahren wurden von US-Medizinern in einem Experiment über tausend Menschen mit Syphilis und anderen Krankheiten angesteckt (es gab kürzlich einen Artikel im Spiegel darüber).

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Nachtrag

bei meinem obigen Beitrag könnte der Eindruck entstehen, die genannten Syphilisexperimente hätten in Australien stattgefunden.

Die US-Mediziner haben dies in Guatemala gemacht

 
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