26.05.2012 00:23 | Meine Presse Merkliste 0

AKH: Auftrag trotz "deutlicher Hinweise" auf Straftat

08.02.2012 | 18:19 |  ANDREAS WETZ (Die Presse)

Ein bisher geheimes Gutachten informierte den Spitalsbetreiber über wettbewerbsbeschränkende Absprachen. Trotzdem erfolgte die Unterschrift für ein 50-Mio.-Euro-Geschäft.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Warum erteilte das Wiener AKH im Sommer 2010 einen Auftrag über 50 Millionen Euro, wenn vorher ein Gutachter „deutliche Hinweise“ auf Straftaten im Zuge des Vergabeverfahrens feststellte?

Die Ermittlungen im Fall eines unter fragwürdigen Umständen zustande gekommenen Auftrags für Fremdpersonal biegen auf die Zielgerade. Der „Presse“ liegt der dazugehörige Endbericht des Bundesamts zur Korruptionsbekämpfung (BAK) vor. Neben der Erhärtung zahlreicher bekannter Vorwürfe wirft das 284 Seiten starke Papier vor allem die eingangs gestellte Frage auf.

Rückblende: Anonyme Absender informierten im Frühling 2010 KAV-Generaldirektor Wilhelm Marhold über angebliche Malversationen bei der Auftragsvergabe. Den Verdächtigungen beigelegt waren Mitschnitte von Telefonaten, in denen sich Beamte des Spitals um Kopf und Kragen redeten. Unter anderem wurden darin Mitbieter unter Druck gesetzt und diesen vorgehalten, dass der Sieger der Ausschreibung längst feststünde. Marhold beauftragte den Strafrechtsprofessor Wolfgang Brandstetter, auf Basis dieses Materials ein Gutachten zu erstellen. Dessen (bisher geheime) Erkenntnis: „Deutliche Hinweise auf einen Tatverdacht bezüglich mehrerer gerichtlich strafbarer Handlungen.“

Das Papier ist mit 17.6.2010 datiert. Die Vorwürfe gegen die AKH-Beamten beinhalten die Delikte Nötigung, Erpressung, gefährliche Drohung und schweren Betrug. Zudem ortet Brandstetter einen Tatbestand, der das AKH und den Auftragnehmer betrifft: wettbewerbsbeschränkende Absprachen.

 

KAV verteidigt sein Vorgehen

Und trotzdem erging eine Woche später via Fax die Auftragsbestätigung an den „Bestbieter“. Wie das möglich ist? Bisher beriefen sich KAV und AKH stets auf ein zweites Gutachten des Vergabeexperten Michael Holoubek. Demnach hätte bei einer Nichterteilung des Auftrags an den Sieger eines Vergabeverfahrens ebendieser Anspruch auf Schadenersatz. Es sei denn, man könne strafrechtlich Relevantes nachweisen. Für Brandstetter waren diese Hinweise deutlich.

Bisher kommunizierte der KAV nach außen, dass man den Ermittlern nach Bekanntwerden und interner Prüfung der Vorwürfe sämtliche Unterlagen zur Verfügung gestellt und eine umfassende Sachverhaltsdarstellung eingebracht hätte. Aus dem BAK-Abschlussbericht geht jedoch hervor, dass das nun aufgetauchte Gutachten offenbar nicht freiwillig und erst Ende 2011 auf Nachfrage der Staatsanwaltschaft übermittelt wurde. Stimmt das?

KAV-General Marhold sagt, dass er den entsprechenden Vermerk nicht kenne. „Ich habe meine Mitarbeiter dazu angewiesen, alle Unterlagen der Staatsanwaltschaft zu übermitteln. Auch die Gutachten.“ Dass die Unterschrift für die Auftragsbestätigung nach dem Brandstetter-Gutachten erfolgte, möge für juristische Laien zwar seltsam aussehen, sei jedoch „rechtlich notwendig“ gewesen. Erst auf Basis dieses Gutachtens konnte vier Monate später Vergabeexperte Holoubek seine Bewertung vornehmen. Marhold sagt, er brauchte diese Zeit, „um Rechtssicherheit für KAV und Steuerzahler“ zu schaffen.

Nun liegt der Ball beim Staatsanwalt, der in den nächsten Wochen entscheidet, ob er Anklage erhebt. Verdachtsmomente lieferten ihm die Korruptionsfahnder reichlich. Und zwar – wie sie im Zuge der langwierigen Ermittlungen herausfanden – in mehreren Fällen. Als verdächtig gelten vier (Ex-)Beamte und ein AGO-Gesellschafter.

• Pilotprojekt 2003: Damals wurde erstmals der Einsatz von Fremdpersonal im EDV-Bereich getestet. Partner des AKH: die Firma AGO. Laut BAK fand keine ordnungsgemäße Ausschreibung statt. Die vertraglich vereinbarten Dienstleistungen seien nicht erbracht worden, die Bezahlung lag demnach über der fixierten Summe.


• Vergabe 2004: Auftragsvolumen: 280 Leiharbeitskräfte für 2,4 Mio. Euro jährlich. Den Zuschlag erhielt AGO. Und das, obwohl das Angebot laut BAK „erhebliche Mängel“ aufwies. So seien vorgeschriebene Auskünfte (Qualitätszertifikate, Strafregisterauszug etc.) nicht vorgelegt worden. Die Spitzenbeamten B. und H. sollen das wissentlich ignoriert haben.

• Vergabe 2005: Damals suchte die AKH-EDV Personal – und fand es bei AGO. Laut AKH war die Firma europaweit das einzige Unternehmen, das entsprechend geschulte Personen bereitstellen konnte, weshalb es keine öffentliche Ausschreibung gab. Das BAK bezweifelt die Darstellung.

• Vergabe 2009: Ausmaß: 1050 Fremdarbeiter für 15 Mio. Euro pro Jahr. Vermeintlicher Bestbieter: AGO. Laut BAK wurden billigere Mitbieter unter Druck gesetzt und aus nicht nachvollziehbaren Gründen ausgeschieden. AGO selbst soll den Auftrag trotz nicht erfüllter Ausschreibungskriterien bekommen haben. Für die Ermittler ist das laut Akt „eindeutig erwiesen“. Entlastend für alle Beschuldigten ist, dass die Ermittler zwischenzeitlich vermutete Schmiergeldzahlungen und Schwarzkonten nicht nachweisen konnten.

Auf einen Blick

Seit Frühling 2010 ermitteln die Behörden über eine mutmaßlich geschobene Auftragsvergabe im AKH. Nun gibt es den Endbericht. Er zeigt zahlreiche Merkwürdigkeiten auf, Schmier- und Schwarzgeld wurden jedoch nicht entdeckt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

28 Kommentare
 
1 2
Gast: b754
09.02.2012 05:21
23 0

Ich vermute mal ...

.. da geht es um mehr als €9Mio (wie bei der Telecom) - warum schreit den da keiner? Wo ist die massive Empörung der Medien? Wo ist der Ruf des Hr. Pilz nach einem Untersuchungsausschuss?

Ach so .. das ist ja das rot / grüne Wien ...

Antworten Wa. Serro_
09.02.2012 10:43
7 0

Re: Ich vermute mal ...

Leicht zu beantworten:

Weil die Roten und Grünen in dieser Republik vieles dürfen, was anderen nicht gestattet ist.

Allein am Beispiel BM Schmied (SPÖ) und Kommunalkredit, da geht es um

2,67 Milliarden €uro !!!

Das sind

- 300 mal soviel wie Telecom

und

- 53 mal soviel wie AKH-Vergabe

Abgesehen davon, dass dem Steuerzahler in der Causa "Erstellung Universaldienstverordnung durch die Telecom" 10 Millionen €uro erspart blieben.


Antworten Gast: parl inkom
09.02.2012 09:09
0 5

Re: Ich vermute mal ...

Für den unbedarften b754:

Untersuchungsausschüsse im Parlament: bundesstaatliche Angelegenheiten, Bundespolitiker involviert.

Ist das hier so?

Wirds klarer?

Antworten Antworten Wa. Serro_
09.02.2012 10:48
6 1

Re: Re: Ich vermute mal ...

Gar nicht wird mit Ihrem nichtssagenden Worten an diesem roten Skandal klarer ...

Das einzige was GLASKLAR wird ist, dass Staatsanwalt und Gericht sich diesen wirtschaftlichen Kapital-Verbrechen habhaft machen und die Schuldigen hinter Schloss und Riegel bringen soll.

Antworten Antworten Antworten enzo
09.02.2012 12:52
1 0

Re: Re: Re: Ich vermute mal ...

@@dass Staatsanwalt und Gericht sich diesen wirtschaftlichen Kapital-Verbrechen habhaft machen und die Schuldigen hinter Schloss und Riegel bringen soll.@@

Ist eher ein Wunsch das hier die oberen Reihen die Köpfe hinhalten müssen gibt es in Österreich schon seit Jahrzehnten nicht mehr.
Alles gekauft und gelenkt in diesem Staat.

Wa. Serro_
08.02.2012 23:53
15 4

Dies ist ein abgekartetes Wirtschaftverbrechen ...

Und nicht die Buwog-Verkäufe, wo es darum ging, wer am meisten bot, darf die Wohnungen kaufen.

Anstatt den KHG schon seit mehr als ein Jahrzehnt mit U-Ausschüssen und haltlosen Verleumdungen erfolgreich jagen, sollte sich unsere Justiz auf die wahren Wirtschaftsverbrechen konzentrieren.

By the way: Was ist eigentlich mit der SPÖ-Ministerin Schmied und ihrer verursachten

2,67 Milliarden € Pleite mit der Kommunalkredit?

Genießt Schmied Narrenfreiheit?

Antworten Anubis
09.02.2012 09:04
1 8

Re: Dies ist ein abgekartetes Wirtschaftverbrechen ...

Da ist einer auf beiden schwarzen Augen blind, aber sieht bei anderen Coleurs besser als ein Habicht...zwar ein wenig undifferenziert dafür hoffentlich gut bezahlt.

Antworten Antworten Wa. Serro_
09.02.2012 09:55
6 0

Re: Re: Dies ist ein abgekartetes Wirtschaftverbrechen ...

Eine für einen Roten nicht ungewöhnliche Art, die Wirtschaftsverbrechen in seinem eigenen Stall zu verteidigen.

"Übung macht den Meister." Und Übungsbeispiele liegen in Ihrem Stall ja in Hülle und Fülle vor;-)

Was meine Bezahlung betrifft: Nach dem ich - zwar mit kritischem Auge - mit einer christlichen Partei sympathisiere, poste ich hier um Gotteslohn.

Diese Version des Postens wird Ihnen in der Löwelgasse wahrscheinlich unbekannt sein, oder?

Re: Dies ist ein abgekartetes Wirtschaftverbrechen ...

... aber ein Schlingl ist der KHG schon auch, oder?

Antworten Antworten Wa. Serro_
09.02.2012 09:58
3 1

Re: Re: Dies ist ein abgekartetes Wirtschaftverbrechen ...

Ja - KHG kennt sich mit Geld und Geschäften aus.

Nicht umsonst, schrieb Österreich während seiner Regierungszeit so gute wirtschaftliche Zahlen.

Wobei man dieser erfreulichen Tatsache auch die damalige wirtschaftliche Konjunktur zugute halten muss.

Gast: polarluft
08.02.2012 22:49
17 0

dem Herrn Häupl...

..fällt sicher wieder eine Ausrede ein, die andere als Schuldige darstellen oder "es is eh net so dramatisch"?!

Antworten macfan
09.02.2012 07:42
2 10

Re: dem Herrn Häupl...

äs blinde! aber das was bevorsteht gehört dann und ihr verdient alle so ein system. wo die wirtschaftichkeit das system vorgibt und das geld selbstständig das Gesundheitssystem manipuliert! natürlich gibt es billigere angestellte im und aus dem ausland aber dann ist ein großteil der österreicher arbeitslos und der rechtsdruck steiiiigt "unabsichtlich" wieder! der österreicher versucht das hart erarbeitete gesundheitssystem und den schönen wohlstand in österreichischen händen zu behalten aber er arbeitet auch gegen sich selber da er ungebildet und unbelichtet sich selber der korruption in verschiedenen punkten anzeigt! die naivität der heutigen und dieser aussagen zeigt das keiner fähif ist rational objektiv und gebildet zu urteilen bei solchen medien einwirken und das beschmutzen der roten ist einfach dumm ist da kürzlich eine bewertung wiens als besten standards bezeichnet wurde!

Antworten Antworten Gast: Kein Krampfposter
09.02.2012 14:55
1 0

Re: Re: dem Herrn Häupl...

Was mich brennend interessieren würde:

Gibts für solche Postings eigentlich auch Zeilenhonorare?

Denn Zustand der Roten wundert mich jetzt nicht mehr!

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
08.02.2012 22:40
2 0


Antworten Gast: AuskennerIn
09.02.2012 12:50
1 0

Re: @little_brother

Guter link, vielen Dank für die Info über dieses unfassbare Krebsgeschwür, dass mit freundlicher Unterstützung unserer Sozialwarmen Partei vor sich hinwuchert!

Wenn die recherchierten Fakten auch nur ansatzweise der Realität entsprechen, dann darf man sagen, dass die unbedarften Griechen noch sehr viel von den Wiener Institutionen lernen können.


"Mädchen und Frau von Lastwagen getötet"

Heisst die Sperre der Kommentarfunktion in diesem Thread etwa dass der Täter ein Ausländer war?

Antworten artemis70
09.02.2012 10:47
2 0

Re: "Mädchen und Frau von Lastwagen getötet"

verfolgungswahn?

Antworten macfan
09.02.2012 08:47
0 5

Re: "Mädchen und Frau von Lastwagen getötet"

ein besoffener österreicher, kärntner fährt einen zukünftigen 25jährigen vater niederösterreicher nieder, kriegt 5monate und nach dem unfall sagt er "er ist tot, uand was soll i jetzt mochn!!!??" nicht ein zeichen von reue! und wie immer die rechten egoisten wollen bei solch leidenden situationen punkten.

Re: "Mädchen und Frau von Lastwagen getötet"

?????

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
08.02.2012 22:11
4 0

mehr davon!

ich mach sowas normaler weise nicht, aber in diesem falle wirklich sehr aufschlussreich.

http://meduniwien.wordpress.com/dr-reinhard-krepler/die-ago-lci-connection-korruption-und-veruntreuung/

Gast: blackfööss
08.02.2012 21:52
5 1

zusperren!

sollte wer einmal genauer hinsehen wird noch viel mehr aufgedeckt werden! wie kann es sein das personen im akh 3-4 nebenjobs haben? alle natürlich bestens honoriert und in der arbeitszeit zu erledigen! die "kleinen" werden angehalten nichts anzunehmen und die großen stecken sich gegenseitig das geld in die taschen!

Re: zusperren!

.... hast nix kriegt? Musst halt noch a bißerl durchhalten!

Gast: Karl Huber
08.02.2012 21:02
15 0

Das Rothaus und seine Verbrecher

Da sollte doch jemand mal ein "Büchl" darüber schreiben... :)

Antworten biedermann
08.02.2012 23:01
7 0

Re: Das Rothaus und seine Verbrecher

titelvorschlag: rothäusler und penthäusler

Antworten Antworten Gast: Karl Huber
09.02.2012 11:28
2 0

Re: Re: Das Rothaus und seine Verbrecher

"Rot- und Penthäusler"
Danke für den Tipp :)

Also liebe "Presse".
Das ist doch eine Idee!
Die Menschen haben sich die Wahrheit verdient!!
Es ist für die MSM noch nicht zu spät sich auf Seiten der Menschen zu stellen.
NOCH nicht....

Antworten biedermann
08.02.2012 23:01
2 0

Re: Das Rothaus und seine Verbrecher

titelvorschlag: rothäusler und penthäusler

 
1 2