Wien/Cim. Im Fall Sandra W. seien den Gynäkologen am Wiener AKH keine Fehler passiert. Dieses Fazit ziehen Wolfgang Schütz, Rektor der Med-Uni, und Peter Husslein, Chef der Gynäkologie am AKH. Sie berufen sich dabei auf ein Gutachten, das der deutsche Gynäkologe Klaus Friese, Präsident der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie, im Auftrag von Schütz erstellt hat.
Mankos in der Kommunikation bzw. bei der Dokumentation räumten beide aber ein. Im Gutachten heißt es etwa, im AKH sei „überhaupt nichts“ falsch gemacht worden, Friese weist auf die Häufigkeit von Aborten hin und darauf, dass es dagegen bis zur 24.Schwangerschaftswoche keine Therapie gebe. Ein Bericht der MA 40 hingegen war zu dem Schluss gekommen, im AKH seien „gravierende Fehler“ passiert. Husslein weist das zurück.
Unstimmigkeit über Blutungen
Es habe im AKH ein Gespräch zwischen einer Ärztin und der Patientin gegeben, die sich zunächst zur Geburt anmelden wollte. Bei dem Gespräch habe die Frau Blutungen erwähnt und gesagt, dass sie in der Nacht zuvor deshalb im Göttlichen Heiland untersucht worden war. Unklar ist nur, wie stark die Blutungen waren. Die Patientin sagt, sie habe von starken Blutungen gesprochen, laut Ärztin habe sie von schwachen Blutungen erzählt.
Nach dem Gespräch wurde die Frau in ein anderes Spital verwiesen und fuhr in die Rudolfstiftung. Dort habe es aber kein Gespräch mit einem Arzt gegeben, erst einen Tag später sei Sandra W. stationär aufgenommen worden, habe aber einen Frühabort erlitten. Im Prüfbericht der MA 40 wird die Behandlung in der Rudolfstiftung als vorbildlich dargestellt. „Dort“, kritisiert Husslein, „gab es nicht einmal einen Arztkontakt.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)
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